The Emperor of Atlantisor The Refusal of Death

Chamber opera by Viktor Ullmann

It was in a significantly more existential situation that the opera »Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung« by Viktor Ullmann was written. In 1942 the composer was deported to the concentration camp Theresienstadt and it was during his time ...

It was in a significantly more existential situation that the opera »Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung« by Viktor Ullmann was written. In 1942 the composer was deported to the concentration camp Theresienstadt and it was during his time there that he composed the opera »Der Kaiser von Atlantis« between 1943 and 1944. It was even rehearsed, but no performance was ever staged. Ullmann and his librettist Peter František Kien were deported to Auschwitz on 18 October 1944 where they were immediately put to death.

The story is set in legendary Atlantis. Death and a harlequin are complaining about hard times. Then a drummer announces the latest decision of the emperor Overall: Total warfare between everyone. On hearing this Death feels dishonoured and from that moment on refuses to work. Man no longer dies. Those sentenced to death remain alive even after their execution, as do the soldiers on the battlefields. Only when Overall accepts Death's demand to restore the natural state of things by re-instating dying, does Death give up his refusal to work. In an epilogue the harlequin, the drummer, a soldier and a young woman evoke the dignity of each individual's death: »You shall not take the great name of Death in vain.«

The moving circumstances surrounding the history of this work and its authors alone may not have been sufficient to ensure that Ullmann's chamber opera, written for the random cast available in Theresienstadt lived on, if the work as such did not emanate such high quality. Ullmann made use of musical idiom rich in harmonies and with well-honed counterpoints which establishes intriguing musical connections between Mahler's inscrutability and Weill's song style, between blues, Reichhardt's alienated lullaby »Schlaf, Kindlein, Schlaf« and the atonality of the Second Viennese School. In »Der Kaiser von Atlantis«, Ullmann retained the best attributes of opera in the 1920s and thus also holds his own to an audience not familiar with the exceptional situation in which the opera was written.



    Mitglieder der Staatskapelle Berlin
    Mitglieder der Orchesterakademie bei der Staatskapelle Berlin
    Sung in German
    approx. 1:00 h | no interval
    VORWORT
    Pre-performance lecture, 30 minutes prior to each performance (in German)
    • Interview mit Mascha Pörzgen

       

      »Die Kraft des Theaters im Krisengebiet«
      Interview mit der Regisseurin Mascha Pörzgen

      Sie inszenieren in der Werkstatt des Schillertheaters Viktor Ullmanns Oper »Der Kaiser von Atlantis« mit jungen Sängern aus dem Opernstudio der Staatsoper. Wie viel haben Sie schon im Vorfeld festgelegt und wie viel Freiraum für spontane Veränderungen haben die Nachwuchssänger in ihrer Produktion?

      Mascha Pörzgen: Wir haben zuvor seit über einem Jahr in mehreren Workshops szenisch verschiedene Arien, Einzel- und Ensembleszenen aus dem gängigen Opernrepertoire erarbeitet, die teilweise in Konzerten oder auch vor Gästen aufgeführt wurden. Da ging es darum, möglichst selbstständig spielerisch Lösungen zu finden oder Szenen zu entwickeln. Beim »Kaiser von Atlantis« halte ich die Zügel etwas straffer in der Hand. Im September haben wir bereits eine Woche geprobt, um das Stück kennen zu lernen. Ich habe dafür einen eher spielerischen Ansatz gewählt, und wir konnten Szenen ausprobieren, eine Linie finden. Es ist ein großer Vorteil, dass wir uns schon gut kennen. Da ist ein Grundvertrauen entstanden, das Freiräume schafft. »Der Kaiser von Atlantis« ist spielerisch und gesanglich eine große Herausforderung. Die Rollen sind sehr anspruchsvoll und auch für erfahrene Sänger durchaus nicht einfach zu bewältigen.

      Was können die jungen Sängerinnen und Sänger, wenn Sie ins Opernstudio der Staatsoper kommen, und was können sie noch nicht? An den Musikhochschulen achten sie vor allem auf die Stimme, entstehen dadurch Defizite in anderen Bereichen?

      Mascha Pörzgen: Das ist wirklich individuell verschieden. Je nachdem, wo sie ausgebildet wurden, welchen kulturellen Hintergrund sie haben. Während des Studiums sind alle noch sehr auf ihre Gesangstechnik konzentriert, parallel dazu findet die szenische Ausbildung statt, und es ist eine große Herausforderung, dies alles zu verknüpfen. Die Stipendiaten des Opernstudios haben alle ein abgeschlossenes Gesangsstudium und können nun mit einer stabileren gesanglichen Basis ihre schauspielerischen Fähigkeiten weiterentwickeln, in enger Anbindung an die Praxis. Das Opernstudio bildet die Scharnierstelle zwischen Studium und Beruf. Hier kann man noch etwas ausprobieren und wagen, kann mit den eigenen Möglichkeiten herumspielen, parallel dazu sind die Stipendiaten durchaus schon in Produktionen der Staatsoper eingebunden.

      In Viktor Ullmanns Oper »Der Kaiser von Atlantis« verweigert der Tod die Arbeit, weil er die Willkürherrschaft des Kaisers Overall nicht weiter unterstützen will. Nun leben zwar alle Menschen weiter, aber auch alles Leid dauert ewig. Es kommt zu Aufständen, der Tod nimmt seine Arbeit wieder auf, aber nur unter der Bedingung, dass der Kaiser sein erstes Opfer wird. Was wollen und können Sie mit dieser parabelhaften Handlung heute noch zeigen?

      Mascha Pörzgen: Wenn das Leiden gar kein Ende mehr hat und keine Hoffnung auf Erlösung - und sei es durch den Tod - besteht, erst dann haben die Menschen die Kraft, sich tatsächlich zu wehren. Sich das im Konzentrationslager Theresienstadt auszudenken und die eigene Situation ironisch zuzuspitzen hat eine ungeheuer große theatrale Kraft. Diese Groteske erinnert an die Stücke von Bert Brecht, ist sehr grausam und sehr klar. Die Künstler haben die Uraufführung nicht erlebt. Sie wurden nach der Generalprobe nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Der einzige Überlebende war der Darsteller des Todes.

      Die Entstehungsgeschichte ist schrecklich, aber führt die Betonung der Entstehungsumstände nicht auch zu einer Verkleinerung des Kunstwerks?

      Mascha Pörzgen: Es ist nicht möglich, diese Oper ohne das Umfeld seiner Entstehung zu betrachten. Dennoch geht es mir nicht um eine Historisierung oder darum, eine gefühlige Betroffenheit beim Publikum zu erreichen. Eher darum, etwas von der Kraft zu erspüren, die Menschen in solch extremen Situationen aus dem Theaterspiel gewinnen können. Unser Ansatz ist es zu schauen, wie das Stück entstanden ist und wie die Künstler damals improvisiert haben könnten. Was kann eine Trommel sein, wenn man im Lager eingesperrt ist? Wie schafft man sich eine Uniform? Die Figuren sind abstrakt, symbolisch, bieten keine Identifizierung, sind Spielfiguren: der Tod, Harlekin, der Trommler, der Lautsprecher, der Kaiser, der Soldat. Das Stück ist aus sich heraus ungeheuer stark. Es hat so viel Spielfreude, Witz und Kraft. Diese Kraft ist sehr politisch, es ist die Kraft des Theaters im Krisengebiet. Das Erstaunliche daran ist für mich vor allem, daß dies dennoch komplexes Musiktheater ist!

      Die Aufführung findet in der Werkstatt des Schiller Theaters statt. Wie nutzen Sie den Raum?

      Mascha Pörzgen: Wir haben eine Guckkastenlösung gewählt. Wir bespielen den Raum nicht über die gesamte Breite, sondern in einer Richtung. Es gibt eine leicht gekippte Wand mit Durchbrüchen, das Orchester sitzt auf einer Galerie. Die Publikumsplätze sind parallel dazu angeordnet. Wir wollten eine möglichst hohe Konzentration erreichen, zumal die Oper fast nur aus Kammerspielszenen besteht. Das Publikum soll die bedrohliche Situation der Entstehung und des Stücks schon spüren.

      Das Interview führte Uwe Friedrich für classiccard.de

      DER KAISER VON ATLANTIS