Krzysztof WarlikowskiRegie

Krzysztof Warlikowski gehört zu den großen Spracherneuerern des europäischen Theaters. Mit seinen Shakespeare-Inszenierungen, die insbesondere auf Interpretationen von Jan Kott basieren, hat er eine ungewöhnlich spektakuläre Textausdeutung vorgenommen. ...

Krzysztof Warlikowski gehört zu den großen Spracherneuerern des europäischen Theaters. Mit seinen Shakespeare-Inszenierungen, die insbesondere auf Interpretationen von Jan Kott basieren, hat er eine ungewöhnlich spektakuläre Textausdeutung vorgenommen. Zu seinen letzten Inszenierungen zählen u.a. »Angels in America« (Kushner), »Madame de Sade« (Mishima), »Krum« (Levin) sowie seine letzte Theater-Neuschöpfung »Koniec« (ein Szenario nach Kafka, Koltès, Coetzee), die allesamt die Grenzen des Theaters suchen. Warlikowskis Absicht ist es, mit dem Zuschauer zu verschmelzen. Bei seiner Suche nach Sinn und Bedeutung bezieht er das Publikum direkt mit ein. Dabei bedient er sich cinematographischer Mittel und verwendet Live-Videoprojektionen, wie z. B. bei dem Stück »(A)pollonia«, das
u. a. in Aix-en-Provence, Brüssel und Berlin zur Aufführung kam.

Überaus stark im Opernbetrieb engagiert, hat Warlikowski es verstanden, seine Neuentdeckungen im Theater auf die Gattung Oper zu übertragen. Für die Pariser Nationaloper inszenierte er »Iphigenie auf Tauris« (Gluck), »Parsifal« (Wagner), »Krol Roger« (Szymanowski) und »Die Sache Makropulos« (Janácˇek). Für das Gastspiel der Makropulos Produktion im Teatro Real Madrid erhielt Warlikowski den Preis der besten Opernproduktion in Spanien im Jahre 2008 (Fundación Precios Liricos). Des Weiteren inszenierte er mehrere Opern in Warschau, darunter »Wozzeck« (Berg) und »Don Carlos« (Verdi). Ferner übernahm er die Regie zu »Eugen Onegin« (Tschaikowski) an der Bayerischen Staatsoper in München. Am Théâtre Royal de la Monnaie von Brüssel hat er 2008 eine mitreißende Inszenierung von Cherubinis »Medea« vorgelegt. Seine Produktion von Verdis »Macbeth« – ebenfalls in Brüssel – wurde von dem Magazin Opernwelt als beste Aufführung der Spielzeit 2009/10 ausgezeichnet. Seit zwei Jahren leitet Warlikowski das Nowy Teatr in Warschau, ein interdisziplinäres Kulturzentrum. Ob es sich um ältere oder zeitgenössische Opern und Texte handelt, bei Warlikowski lässt sich in seiner Themenwahl immer ein Rückbezug auf unser heutiges Leben erkennen. Besonders häufig greift er die Frage nach sexueller Identität auf, wobei er Intimbeziehungen und politische Probleme auf die gleiche Ebene setzt.

Im Februar 2010 hat Warlikowski »Un Tramway«, nach dem Stück
»A Streetcar Named Desire« von Tennessee Williams in eine zeitgenössische Reflexion verwandelt, die von Identität, Begehren und sexuellen Abgründen der Hauptfigur Blanche handelt (dargestellt von Isabelle Huppert, an der Seite zahlreicher renommierter französischer und polnischer Schauspieler).