VanitasNatura morta in un atto

von Salvatore Sciarrino

VANITAS, Vergänglichkeit, ist der Titel eines Musiktheaterwerks von Salvatore Sciarrino, das 1981 in Mailand uraufgeführt wurde und sich auf ganz allgemeine Art mit Vergehen und Verlöschen auseinandersetzt. Nachdem die Werkstatt im Oktober 2010 mit INFINITO ...

VANITAS, Vergänglichkeit, ist der Titel eines Musiktheaterwerks von Salvatore Sciarrino, das 1981 in Mailand uraufgeführt wurde und sich auf ganz allgemeine Art mit Vergehen und Verlöschen auseinandersetzt. Nachdem die Werkstatt im Oktober 2010 mit INFINITO NERO des italienischen Komponisten wiedereröffnet wurde, wird in dieser Spielzeit die zeitlich deutlich längere musikalische Aktion VANITAS auf die Bühne kommen. Sciarrinos Kunst, Handlungsmomente zu zergliedern fand in diesem Werk seinen ersten Höhepunkt. Musikalisch am untersten dynamischen Stärkebereich angesiedelt, unterzieht Sciarrino – parallel zur Vereinzelung und Atomisierung einer Handlungsreflexion – das musikalische Material einem Abtastungsprozess mikrotonaler Bereiche mittels Glissandi und Flageoletttrillern. Damit verweigert er auch musikalisch einen klaren Handlungsverlauf. Mindestens ebenso wichtig ist für den Komponisten die Problematik der Sprachvertonung insgesamt. Im Falle des kantatenähnlichen »Still-Leben in einem Akt« für die denkbar kleine Besetzung Mezzosopran, Violoncello und Klavier, stellt Sciarrino in fünf Sprachen eine Anthologie barocker Dichtung zusammen, die er, ohne auf den Sinn der benutzten Wörter zu verzichten oder sie in Phoneme zu zerlegen, zu einem minimalistischen Gesangstil verdichtet. Dessen neuartige Ausdruckssprache wurde nicht nur für seinen eigenen Kompositionsstil elementar, sondern prägt seitdem die Vokal- und Musiktheaterkompositionen der nachfolgenden Generation.

In VANITAS wird die Palette sprachlicher Artikulationsweisen genutzt, um seelische Erschütterung ebenso wie menschlich entrückte Reflexion abzubilden. Vergänglichkeit wird hier gleichsam am Beispiel des Er- und Verklingens von Musik auf bis dahin ungehörte Weise erfassbar gemacht.

  • Inszenierung
    • Beate Baron

    • Stimme
      • Rowan Hellier
    • Violoncello
      • Gregor Fuhrmann
    • Klavier
      • Jenny Kim
    • Frau
      • Friederike Frerichs
    • Mann
      • Hans Hirschmüller

    VORWORT
    Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn


    Inhaber von Karten für die VANITAS-Vorstellungen am 19 | 21 | 26 | 28 MÄRZ und 02 | 03 APRIL können an den jeweiligen Abenden im Anschluss ab 21.30 Uhr die Reihe »Kleine Nachtschicht« mit Neuer (Kammer-) Musik in der Werkstatt kostenlos besuchen. Bis zum Beginn des Konzertes ist die »Schiller-Bar« in der Werkstatt geöffnet.
    • Pressestimmen

      »Salvatore Sciarrinos Stillleben in einem Akt kommt mit minimalsten Mitteln aus. Eine Stimme mit Klavierbegleitung und ihr Echo im Cello genügen, die Spannung zwischen Leben und Endlichkeit, zwischen Traum und Wirklichkeit in ihrer Vielschichtigkeit auszuleuchten.« (Der Tagesspiegel, 17.3.2013)

      »Sciarrionos Zergliederung der Handlungsmomente folgend, bewegt sich Rowan Hellier als personifizierte Stimme wie eine Gliederpuppe, mit abgehackten Bewegungen. Den minimalistischen, häufig syllabischen Gesangstil setzt die britische Mezzosopranistin nuancenreich um. Die Zuschauer in Berlin feierten die Beteiligten des rasch vergangenen Musiktheaterabends einhellig.« (neue musik zeitung, 16.3.2013)