R. Hot bzw. Die Hitze

Opernphantasie von Friedrich Goldmann

Schon einmal hatte die Staatsoper einen Raum, in dem experimentelles Musiktheater aufgeführt und zur Diskussion gestellt wurde: 1977 wurde im Apollo-Saal der Staatsoper Unter den Linden die »Opernphantasie« R. HOT BZW. DIE HITZE des jungen Komponisten ...

Schon einmal hatte die Staatsoper einen Raum, in dem experimentelles Musiktheater aufgeführt und zur Diskussion gestellt wurde: 1977 wurde im Apollo-Saal der Staatsoper Unter den Linden die »Opernphantasie« R. HOT BZW. DIE HITZE des jungen Komponisten und Dirigenten Friedrich Goldmann uraufgeführt. Die mit einigen Rockeinlagen des Titelhelden aufwartende Kammeroper für Bläserquintett, Kontrabass, E-Orgel, allerhand Schlagwerk und Tonband geht auf die wenig bekannte »Dramatische Phantasy« DER ENGLÄNDER des Sturm-und-Drang-Dichters Jakob Lenz zurück. Diesen mehr skizzenhaften als ausgearbeiteten Fünfakter hat der Librettist Thomas Körner kleinteilig eingerichtet und dadurch einen neuen Fokus gesetzt. Es geht um den englischen Adelsspross Robert Hot, der aus Liebe zu einer Prinzessin nach Italien desertiert, gefangen genommen und zum Tode verurteilt, aber von seinem Vater freigekauft wird und sich mit einer Schere ersticht, als sein Vater ihm weismacht, die Prinzessin habe einen anderen geheiratet. Die Vorlage hat Körner in 112 Miniszenen zu »Posen« eingefroren. Sie entziehen sich auch in der zum Teil parodistischen musikalischen Fragmentierung – die Oper beginnt zum Beispiel mit einer Generalpause – der Stringenz eines geradlinigen Erzähltheaters und damit gewohnten Rezeptionsweisen. Dass die formalen Kühnheiten Teil einer politischen Aufmüpfigkeit waren, zeigt die Schlusswendung ins systemkritisch Utopische: Im Gegensatz zu Lenz lassen Körner und Goldmann die Prinzessin zu Hot finden und mit ihm die Liebesflucht antreten. Zusammen singen sie das bei Lenz an den Beichtvater gerichtete Schlusswort Hots »Behaltet euren Himmel für euch«, dem ein Chor ein paar erotisch frivole Verse nachsingt. Deren letzter Satz lautet anspielungsreich »Und rot ist der Stern, der auf uns blitzt«. Bei der Uraufführung durften diese Sätze nicht gesungen werden – Symptom der damaligen ideologischen Anfechtungen, der auch Komponisten ausgesetzt waren



    ca. 1:45 h | keine Pause
    VORWORT
    Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
    • Pressestimmen

      »Glänzend transportiert der Charaktertenor Torsten Süring mit seiner so hyperpräsenten wie gefühlsanfälligen Stimme Roberts Intensität am Rande des Wahnsinns. Dem Zuschauer geht die Not des Titelhelden unter die Haut, denn Goldmanns Musik entlarvt alle Possen.« (Der Tagesspiegel, 24.9.2012)