La traviata

Melodramma in drei Akten von Giuseppe Verdi
Text von Francesco Maria Piave nach Alexandre Dumas’ fils »La dame aux camélias«

Dieter Dorn erzählt die tragische Liebesgeschichte um die Kurtisane Violetta Valéry ganz aus der Perspektive der Hauptfigur, deren Lebenserinnerungen in den letzten Sekunden vor ihrem Tod noch einmal schemenhaft aufblitzen und an ihrem inneren Auge vorüberziehen.

Dieter Dorn erzählt die tragische Liebesgeschichte um die Kurtisane Violetta Valéry ganz aus der Perspektive der Hauptfigur, deren Lebenserinnerungen in den letzten Sekunden vor ihrem Tod noch einmal schemenhaft aufblitzen und an ihrem inneren Auge vorüberziehen.



    In italienischer Sprache
    mit deutschen Übertiteln
    Dauer ca. 2:15 h | ohne Pause
    • Handlung

      1. Bild
      Violetta Valéry ist krank. Musikalisch wird ihre Geschichte von ihrem Tod her erzählt. Mit ihm beginnt und endet das Stück, der Traum einer unerfüllbaren Liebe. Das Fest, zu dem sie eingeladen hat, soll Arznei gegen die Schwindsucht sein: Im Tumult der Menge, im Taumel, beim gemeinsamen Trinken will sie sich dem Vergnügen überlassen. Gastone, Vicomte de Létorières, stellt ihr einen neuen Gast vor, Alfredo Germont, der sie seit einem Jahr verehrt und ihr seine Liebe und ein ruhiges Leben anbietet. Violetta muss sich entscheiden, für den Baron Douphol, der sie seit einem Jahr bezahlt, oder für Alfredo, der sie so liebt, wie sie es bisher noch nicht erlebt hat. Am frühen Morgen nach dem Weggang ihrer Gäste, sucht Violetta sich klar zu werden, was sie will: eine ernsthafte Liebe oder ein Leben, das ganz im Vergnügen aufgeht. Sie entscheidet sich für Alfredo.

      2. Bild
      Violetta und Alfredo leben seit drei Monaten auf dem Land. Sie sind glücklich, aber das Geld geht zu Ende. Violetta ist mit Hilfe ihrer Dienerin Annina beschäftigt, ihren Besitz zu veräußern, da sie ja nichts mehr verdient. Alfredo preist sein Glück. In seiner Unbekümmertheit denkt er nicht daran, wer es finanziert. Als ihm Annina sagt, dass Violetta gerade dabei ist, alles zu verkaufen, fährt er nach Paris, um eine andere Lösung zu finden.
      Inzwischen erscheint sein Vater Giorgio Germont bei Violetta. Er wirft ihr vor, das Geld und das Ansehen Alfredos und seiner Familie zu verschleudern. Violetta tritt ihm zunächst entschieden entgegen. Obwohl Germont seinen Irrtum erkennt, argumentiert er mit allen Mitteln und Tricks gegen die Verbindung Violettas mit Alfredo. Er bittet sie Alfredo zu verlassen, um die vorgesehene profitable Verheiratung seiner Tochter nicht zu verhindern. Violetta muss erkennen, dass die »gute Gesellschaft« nicht vergibt, dass ihr neues Leben nicht akzeptiert wird. Da entscheidet sie sich zum radikalen Bruch. Sie wird vortäuschen, in ihr altes Leben zurückzukehren. Die Einladung zu einem Fest bei Flora Bervoix, ihrer Freundin und Konkurrentin, die sie gerade erhalten hat, bietet die Gelegenheit, dort mit dem Baron aufzutreten. Sie schreibt einen Abschiedsbrief an Alfredo, den er nach ihrer Abreise erhält.

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      Das Fest bei Flora. Violetta wird kommen. Es wird darüber gesprochen, dass sie und Alfredo nicht mehr zusammen sind. Das Fest beginnt mit dem Auftritt der Zigeunerinnen, die Flora Bervoix und ihrem Freund, dem Marquis d’Obigny, aus der Hand lesen und diesen wegen seiner fortwährenden Untreue bloßstellen. Auf sie folgt, von Gastone angeführt, eine Gruppe von Stierkämpfern. Sie erzählen die Geschichte des tapferen Piquillo, der fünf Stiere töten muss, um seine Geliebte zu gewinnen. Aber die Festgesellschaft fragt nicht viel nach Tapferkeit, ihr ist es genug, vergnügt zu sein und wagemutig um Geld zu spielen. Violetta erscheint mit dem Baron. Alfredo, der allein gekommen ist, gewinnt im Spiel, auch gegen den Baron. Während alle zum Essen gehen, warnt Violetta Alfredo vor dem Baron. Alfredo will sie zwingen mit ihm wegzugehen. Sie verweigert dies, mit der Begründung nur noch den Baron zu lieben. Daraufhin beleidigt Alfredo Violetta öffentlich, er bezahlt sie mit dem im Spiel gewonnenen Geld. Sein Vater, der in diesem Moment dazu kommt, verurteilt dieses Verhalten ebenso wie der Baron, der ihn zum Duell fordert.

      4. Bild
      Es ist Karneval in Paris. Violetta ist allein mit Annina, der Doktor kommt dazu. Er tröstet die Kranke, sagt aber Annina, dass der Tod bevorstehe. Ein Brief Germonts informiert Violetta darüber, dass das Duell stattgefunden hat. Der Baron wurde verwundet, Alfredo ist auf der Flucht. Sein Vater hat ihm die Wahrheit über Violettas unveränderte Liebe mitgeteilt. Violettas Zustand schwankt zwischen Hoffnung und Todesgewissheit. Noch einmal bricht die lärmende Öffentlichkeit herein, ein maskierter Bacchanalchor. Annina kündigt Alfredo an. Das Liebespaar überbietet sich in gegenseitigen Liebeserklärungen. Violetta will ausgehen, ist aber zu schwach dazu. Die Unmöglichkeit der Liebe wird betrauert. Auch Giorgio Germont, der dazu kommt, stimmt in die allgemeine Trauerstimmung ein. Violetta belebt noch einmal »eine ungewohnte Kraft«. Sie stirbt mit den Worten: »O Freu- - -de«/ »Oh gio- - -ja«.

    • Pressestimmen

      »Sonya Yoncheva besticht durch hinreißenden, dabei stets präzise gefassten Schwung, eine in allen Registern warme, aber auch zu überraschenden Schattierungen fähige Sopranstimme scheinbar ohne Grenzen. Dafür und für ihre bühnenbeherrschende, aber niemals divenhafte Ausdruckspräsenz gab es zu Recht langanhaltenden Beifall.« (Berliner Zeitung)

      »Violetta hingegen liebt und niemand entzieht sich ihrer prallen Körperlichkeit, ihrer Wahrhaftigkeit und ihrem Liebessturm, wenn die Bulgarin Sonya Yoncheva all dies auf die Berliner Bühne bringt.« (rbb Kulturradio)

      »Barenboim am Pult hat seine Staatskapelle für alle Dreivierteltakte in Liebe, Schmelz und Tod genial, dynamisch und sängerfreundlich positioniert. Die ganze Traviata ist ein einziger Walzer, ein pausenloser Totentanz.« (rbb Kulturradio)

      »Dieter Dorn inszeniert die Story um die Edelprostituierte Violetta ohne Pause als Fiebertraum der Titelheldin. Der Fokus auf Violetta überzeugt durch kluge Psychologisierungen. Auch, weil Sonya Yoncheva eine hervorragende Darstellerin ist, die zunächst vokal auftrumpft, um immer öfter die Töne aus dem Nichts kommen zu lassen.« (Berliner Morgenpost)

      »Mit Sonya Yoncheva zusammen gelingt ihm [Dieter Dorn] ein unglaublich genaues und sensibles Seelentheater, das tief berührt.« (taz)

      »Dass es in einem Opernorchester Streicher gibt, die so spielen wie die der Berliner Staatskapelle, hätte Verdi wahrscheinlich gar nicht für möglich gehalten.« (taz)

      »Sonya Yoncheva bietet eine Wahrheit jenseits einer Kunstfigur.« (Süddeutsche Zeitung)

      »Barenboim empfindet ganz offenbar unglaublich viel Sympathie für die Liebenden. Das spürt man bei den ersten mirakulösen, schwebenden Klängen der Streicher ganz zu Beginn der Ouvertüre. Barenboim kostet die wehe Schönheit dieses Todesmotivs aus, als vergösse er hier schon Tränen über das Sterben der armen, lieben Frau. Immer, wenn an diesem Abend von Liebe die Rede sein wird, immer dann zaubert Barenboim eine ungeheure Intensität des Klangs und tritt aus dem ebenmäßigen Zeitmaß heraus, gibt der Liebe so viel Raum und Zeit wie sie braucht.« (Süddeutsche Zeitung)

      »Die Yoncheva singt eine Traviata, als sei sie für die Rolle geboren, absolviert geschmeidig Sprünge und Passagen, verfügt über Farbenfülle und Ausdrucksklarheit und verströmt sich, mit einem hellen, an den Rändern scharfen Sopran, in traumwandlerischer Beweglichkeit.« (FAZ)

      »Barenboim hat alles im Griff. Die starken ebenso wie die leisen, lyrischen Passagen, das Kontrastprogramm wechselnder Affekte, die geschmeidige Dynamik, das exakte Timing, das sehrende Brio seiner superweichen Staatskapellenholzbläser, die dunklen Farben seiner süßen Staatskapellenstreicher. Und gekrönt wird dieser Verdi-Wunsch-Traum von den frischen, flexiblen Stimmen der jungen Sänger, die Barenboim sich dazu einlud und denen er einen roten Teppich nach dem anderen ausrollt.« (FAZ)

    • Hintergrund

      Ach, Sie kennen mich nicht? Seltsam. Violetta ist mein Name, Violetta Valéry! Für gewöhnlich nennt man mich jedoch »La traviata«, die »vom rechten Wege Abgewichene«. Auf der Opernbühne bin ich seit 1853 zu Hause. Vom berühmten Teatro La Fenice in Venedig aus habe ich die Welt erobert. Dabei war mir der Erfolg keineswegs in die Wiege gelegt worden: Die Uraufführung entwickelte sich zu einem wahren Fiasko, davon musste ich mich erst einmal erholen. Aber schließlich sollte meine Karriere eine glänzende werden, auch in Berlin. Zum ersten Mal erschien ich hier im Dezember 1860, auf der Bühne der Hofoper Unter den Linden. Verkörpert hat mich damals eine gewisse Signora Brunetti (gottlob hat sie nichts mit dem allseits bekannten venezianischen Commissario zu tun). Für die Aufführung ausgewählter Verdi-Opern war eigens ein italienisches Ensemble engagiert worden, so dass mir die wohlklingenden Originallaute in die Kehle gelegt wurden. In der Folgezeit hat man mich dann über viele Jahrzehnte hinweg in der weit weniger geschmeidigen Mundart der Germanen singen lassen, und verschiedentlich wurde auch der Titel meines Werkes in ein simples »Violetta« umgewandelt — um wie viel poetischer klingt dagegen doch »La traviata«! Berühmte Dirigenten haben sich der Partitur von Maestro Verdi angenommen, beispielsweise Erich Kleiber, der 1925 und 1930 zwei Premieren einstudiert und geleitet hat. Auch Johannes Schüler, Lovro von Matacic oder Heinz Fricke haben mir sehr kompetent einen Klangteppich ausgebreitet. 2003 hat dann Daniel Barenboim dirigiert — da erhielt ich dann auch meine naturgemäße italienische Zunge zurück. Jetzt wird er es noch einmal machen, bestimmt ganz anders, doch garantiert wieder mit Feuer und Flamme. Gestalt und Stimme haben mir bislang schon eine ganze Reihe von Primadonnen gegeben, unter ihnen Violetta de Strozzi, Gitta Alpár, Erna Berger, Melitta Muszely, Magdalena Hajossyova und Christine Schäfer. Auch die Liste der mich anhimmelnden Alfredos umfasst einige der besten Tenöre der Welt wie Richard Tauber, Helge Rosvaenge, Peter Anders, Reiner Goldberg oder Rolando Villazón. Auseinandersetzen musste ich mich mit Germont- Vätern, die zwar gemäß ihrer Rolle stur wie Stahl waren, aber wie Heinrich Schlusnus, Josef Metternich, Siegfried Lorenz oder Thomas Hampson über äußerst wohlklingende Baritonstimmen verfügten. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf, es ist der insgesamt zehnte in der ebenso langen wie reichen Geschichte der Berliner Staatsoper: mit jungen Sängerinnen und Sängern — und zwei »Altmeistern« am Musik- und Regiepult.