Il tempo sospeso del volo

Opera in un Prologo, 26 scene e un Finale von Nicola Sani
Text von Franco Ripa di Meana

Der 1961 in Ferrara geborene Nicola Sani, einer der derzeit wichtigsten italienischen Gegenwartskomponisten, zu dessen Wegbegleitern u. a. Karlheinz Stockhausen und Luigi Nono zählen, gilt als Grenzgänger, der sich immer wieder auf die Suche nach der ...

Der 1961 in Ferrara geborene Nicola Sani, einer der derzeit wichtigsten italienischen Gegenwartskomponisten, zu dessen Wegbegleitern u. a. Karlheinz Stockhausen und Luigi Nono zählen, gilt als Grenzgänger, der sich immer wieder auf die Suche nach der Verbindung zwischen Klang und anderen Medien begibt. So arbeitete er u. a. mit dem Filmregisseur Michelangelo Antonioni, dem vor allem für seine Video- und Medienkunstprojekte bekannten Nam June Paik und dem Installations- und Medienkünstler Fabrizio Plessi, in dessen Arbeiten das Verhältnis von Realität und Virtualität im Vordergrund steht.

In der 2007 entstandenen Oper »Il tempo sospeso del volo« beleuchtet Sani dieses diffizile Verhältnis, indem er den live gespielten Passagen immer wieder aufgezeichnete Musik entgegensetzt und somit unterschiedliche Klangebenen entstehen lässt, die zugleich verschiedene Zeitverläufe repräsentieren. Ein ebenso typisches Merkmal für Sanis Kompositionsweise bildet die Verbindung von traditionellen Instrumenten und Live-Elektronik. Grundlage für »Die angehaltene Zeit des Fluges«, wie der Titel in deutscher Übersetzung lautet, bildet die Geschichte des bekannten Mafia-Richters Giovanni Falcone, dessen Kampf gegen das organisierte Verbrechen der Cosa Nostra in Sizilien zu einem Massenprozess in Palermo führte, bei welchem über 400 Mitglieder der Mafia angeklagt und in zahlreichen Fällen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Am 23. Mai 1992 wurden Falcone und seine Frau Opfer eines Attentats, das durch eine 500 kg TNT-Sprengstoffbombe verübt wurde. Kurz zuvor waren sie nach zweistündigem Flug von Rom in Palermo gelandet.

In Sanis Musiktheater steht die »angehaltene Zeit« jenes Fluges im Mittelpunkt, in der über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Falcones reflektiert wird. Für das Libretto verwendete der Komponist Zeitungsartikel, Justizunterlagen und private Briefe Falcones und schuf hieraus ein dokumentarisches »Patchwork«, in welchem neben Falcone selbst auch Richter, Mafiosi und Journalisten zu Wort kommen.


      VORWORT
      Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
      Referent: Detlef Giese