Hanjo

Oper in einem Akt (sechs Szenen) von Toshio Hosokawa

Eine junge Frau, in der Hand einen Fächer, wartet am Bahnhof – wie schon gestern, wie vorgestern, wie jeden Tag, seit Jahren.

Es ist Hanako, eine Geisha. Sie hat sich vor einigen Jahren unsterblich in Yoshio verliebt und er sich auch in sie. Als sie ...

Eine junge Frau, in der Hand einen Fächer, wartet am Bahnhof – wie schon gestern, wie vorgestern, wie jeden Tag, seit Jahren.

Es ist Hanako, eine Geisha. Sie hat sich vor einigen Jahren unsterblich in Yoshio verliebt und er sich auch in sie. Als sie sich trennen müssen, tauschen sie ihre Fächer – als Versprechen ihres Wiedersehens. Aber Yoshio ist seitdem verschollen und so sitzt Hanako dort und wartet geduldig auf die Rückkehr des Geliebten. Ihr Warten hat sie zunehmend der Welt entrückt, und sie gilt der Welt als verrückt.

Jitsuko, eine unverheiratete, verbitterte Frau, die niemals Liebe erfahren hat, kauft Hanako, verbirgt sie in ihrem Haus und hütet sie als Trägerin all ihrer eigenen unerfüllten Liebessehnsüchte. Inzwischen erscheint in der Zeitung ein Artikel über die verrückte Hanako und Yoshio taucht daraufhin bei den beiden Frauen auf, um sich endlich mit Hanako zu verbinden. Zwischen ihm und Jitsuko entbrennt ein Machtkampf um Hanako, den diese auf überraschende Weise beendet.

Hanjo ist ein Stück des ›absichtslosen Wartens‹ und ein Labyrinth unausgesprochener Träume, Wünsche und Projektionen, in dem sich die Protagonisten verirren. Die hoch intensiven, durchsichtigen und spiegelnden Klänge der Musik Hosokawas bilden den Raum für das fatale Geflecht dieser Figuren.

Der Komponist schreibt über seine Kammeroper, die, basierend auf einem Nô-Spiel von Yukio Mishima, im Auftrag des Festival d'Aix en Provence entsteht und dort im Sommer 2004 uraufgeführt wird: »Das Nô-Drama ist etwas Jenseitiges, wie ein Traum, und ich schrieb Hanjo selbst wie in einem Traum. Es ist ein Drama, das sich vor und zurück über die Grenzen von Traum und Realität – von Wahnsinn und Klarheit – bewegt.«

  • Musikalische Leitung
  • Inszenierung
    • Calixto Bieito
  • Bühnenbild
    • Susanne Gschwender
  • Kostüme
    • Anna Eiermann
  • Licht
    • Reinhard Traub
  • Dramaturgie
    • Xavier Zuber

    • Hanako
      • Ingela Bohlin
    • Jitsuko Honda
      • Ursula Hesse von den Steinen
    • Yoshio

    In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
    1:20 h | keine Pause
    VORWORT
    Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
    Eine Zusammenarbeit mit der Ruhrtriennale und der Staatsoper Unter den Linden
    Ein Auftragswerk des Festival d’Aix-en-Provence
    • Handlung

      Eine junge Frau, in der Hand einen Fächer, wartet am Bahnhof – wie schon gestern, wie vorgestern, wie jeden Tag, seit Jahren.

      Es ist Hanako, eine Geisha. Sie hat sich vor einigen Jahren unsterblich in Yoshio verliebt und er sich auch in sie. Als sie sich trennen müssen, tauschen sie ihre Fächer – als Versprechen ihres Wiedersehens. Aber Yoshio ist seitdem verschollen und so sitzt Hanako dort und wartet geduldig auf die Rückkehr des Geliebten. Ihr Warten hat sie zunehmend der Welt entrückt, und sie gilt der Welt als verrückt.

      Jitsuko, eine unverheiratete, verbitterte Frau, die niemals Liebe erfahren hat, kauft Hanako, verbirgt sie in ihrem Haus und hütet sie als Trägerin all ihrer eigenen unerfüllten Liebessehnsüchte. Inzwischen erscheint in der Zeitung ein Artikel über die verrückte Hanako und Yoshio taucht daraufhin bei den beiden Frauen auf, um sich endlich mit Hanako zu verbinden. Zwischen ihm und Jitsuko entbrennt ein Machtkampf um Hanako, den diese auf überraschende Weise beendet.

    • Pressestimmen

      »Hosokawas Werke gehören zu den schönsten, geheimnisvollsten Musikstücken der letzten Jahre ... Hanako, buchstäblich traumwandlerisch sicher gesungen von Ingela Bohlin, balanciert gleichwohl anmutig auf den Schienen. Jitsuko schleicht ihr wie eine Unheil brütende Hexe hinterher, Ursula Hesse von den Steinen erweckt in dieser Partie das Affektspektrum der alten Oper beeindruckend zum Leben. Yoshio betritt die Szene mit harten Gesten, Georg Nigl zeigt den Zerfall männlichen Selbstbewusstseins, wenn ihn seine Geliebte für tot erklärt. Günther Albers dirigierte mit ruhiger Präzision die Musiker der Staatskapelle, die weiß geschminkt auf der Bühne saßen. Höhepunkt des Staatsopern-Festivals ›Infektion!‹« (Berliner Zeitung, 24. Juni 2013)

      »Ingela Bohlin verleiht der Hauptfigur mit weißlich loderndem Sopran die fiebrigen Züge einer Wahnsinnigen im schmutzigen Hochzeitskleid, Ursula Hesse von den Steinen ist als Jitusko eine Jungfer, die vom Leben nichts mehr erwartet und sich umso verzweifelter an Hanako klammert. Georg Nigl singt mit raumgreifend-drallem Tenor. Einer, der jahrelang nicht wusste, wie sehr er Hanakos Herz einst berührte. Jetzt will er sie zurückholen, mit Worten.« (Der Tagesspiegel, 24. Juni 2013)