Giselle

Choreographie und Inszenierung von Patrice Bart nach Coralli und Perrot
Musik von Adolphe Adam

Wie geisterhafte Elfenwesen sollen die Balletttänzerinnen über die Bühne schweben – dieser Wunsch der Choreographen war es, der den Bühnentanz im 19. Jahrhundert tatsächlich auf die Spitze getrieben hat. In oft unheimlichen Szenerien stellten tanzende ...

Wie geisterhafte Elfenwesen sollen die Balletttänzerinnen über die Bühne schweben – dieser Wunsch der Choreographen war es, der den Bühnentanz im 19. Jahrhundert tatsächlich auf die Spitze getrieben hat. In oft unheimlichen Szenerien stellten tanzende Elfen- und Feenwesen ungeheuerliche Dinge an. So auch in dem beliebten Ballettklassiker „Giselle“. Das Werk gilt als einer der Höhepunkte des Romantischen Balletts und verbindet die Sehnsucht nach dem Überirdischen kongenial mit der immerwährenden Faszination an tragischen Liebesgeschichten.
Und so schildert „Giselle“ ein Schicksal, das es in dieser Form auch nur auf der Bühne geben kann: Das schöne Bauernmädchen Giselle liebt nicht nur das Tanzen, sondern auch Albrecht, der sie heftig umwirbt. Doch der junge Herzog ist längst einer anderen versprochen. Als Giselle davon erfährt, verliert sie den Verstand, tanzt bis hin zur völligen Erschöpfung und stirbt. Nach ihrem Tod wird sie in die Gemeinschaft der Wilis aufgenommen. Das sind Elfenwesen, die wie Giselle noch vor ihrer Hochzeit als betrogene Bräute gestorben sind. Gemeinsam mit ihren Gefährtinnen ist Giselle dazu verdammt, des Nachts die Männer zum Tanzen zu verführen, bis diese vor Ermüdung sterben. Über dieses Treiben wacht Myrtha, die Königin der Wilis. Eines Nachts kommt auch Albrecht in den Wald, um Giselles Grab zu besuchen...
In Anlehnung an die große französische Tradition, der er selbst entstammt, hat der Choreograph Patrice Bart bereits im Jahr 2000 für das Staatsballett Berlin eine Fassung der „Giselle“ erarbeitet, die sich eng an die Original-Choreographie von Jean Coralli und Jules Perrot anlehnt und zugleich die Frische und Zeitlosigkeit der Sprache des Romantischen Balletts zum Ausdruck bringt.

  • Choreographie und Inszenierung
    • Patrice Bart nach Jean Coralli und Jules Perrot
  • Bühne und Kostüme
    • Peter Farmer
  • Orchester
    • Staatskapelle Berlin
  • Es tanzen
    • Solisten und Corps de ballet des Staatsballetts Berlin
  • Musikalische Leitung
    • Marius Stravinsky
  • Giselle
    • Iana Salenko
      21 Okt
    • Ilenia Montagnoli
      22 Okt
  • Albrecht
    • Dinu Tamazlacaru
      21 Okt
    • Marian Walter
      22 Okt

      • Handlung

        „In einem Teil Österreichs gibt es eine Sage, die ursprünglich slawisch ist. Es ist die Sage von den gespenstischen Tänzerinnen, die dort unter dem Namen ‘Die Wilis’ bekannt sind. Die Wilis sind Bräute, die vor der Hochzeit gestorben sind. Die armen jungen Geschöpfe können nicht ruhig im Grabe liegen; in ihren toten Herzen, in ihren toten Füßen blieb noch jene Tanzlust, die sie im Leben nicht befriedigen konnten, und um Mitternacht steigen sie hervor, versammeln sich gruppenweise an den Heerstraßen, und wehe dem jungen Menschen, der ihnen begegnet! Er muss mit ihnen tanzen, sie umschlingen ihn mit ungezügelter Tobsucht, und er tanzt mit ihnen ohne Ruh’ und Rast, bis er tot niederfällt.“ Heinrich Heine

        Erster Akt: EinDorffest

        Giselle, ein hübsches Dorfmädchen, hat sich in einen schönen Fremden verliebt. Sie weiß nicht, wer er ist. Er behauptet, er heiße Loys. Giselles anfängliche Zweifel an seiner Liebe weiß er auszuräumen, er schwört ihr ewige Treue. Der Wildhüter Hilarion jedoch, dessen Sinne durch seine Eifersucht geschärft sind – er macht sich Hoffnungen auf die Zuneigung Giselles – vermutet in Loys einen vornehmen Herrn.

        Es ist die Zeit der Weinlese und man feiert die reiche Ernte. Der Tanz reißt alle mit, nur Giselles Mutter ist voller Sorge, ob die zarte Gesundheit ihrer Tochter dieser Tanzleidenschaft standhalten kann. Die Furcht vor einem unglücklichen Ausgang lässt sie das Schicksal der Wilis heraufbeschwören, die, vor ihrer Hochzeit vom Tode ereilt, dazu verdammt sind, allnächtlich bis zum Morgengrauen zu tanzen.Giselle macht sich über die Warnungen ihrer Mutter lustig, tanzt überglücklich weiter mit Loys, dem sie sich inzwischen verlobt glaubt, und wird zur Weinkönigin gekrönt.

        Der Prinz von Kurland befindet sich mit seinem Gefolge auf der Jagd. Die Jagdgesellschaft hält vor Giselles Haus, um etwas zu trinken und auszuruhen. Seine Tochter, Prinzessin Bathilde ist mit dem Herzog von Schlesien, Albrecht, verlobt. Dieser ist kein anderer als Loys.Hilarion entlarvt ihn, denn er hat das Wappen auf dessen Degen erkannt. Giselle begreift den Betrug und ihr Unglück; darüber verliert sie den Verstand und stirbt.

        Zweiter Akt: In der Nacht, an einem Grabstein im Wald

        Wildhüter vertreiben sich die Zeit mit Würfelspielen.Hilarion trauert um Giselle und sucht ihr Grab auf.Es schlägt Mitternacht. Die Wildhüter fliehen, denn es geht Unerklärliches vor. Kaum sichtbar erscheinen weiße Schatten. Wer sind diese körperlosen Wesen? Es sind die Wilis, die Seelen der von einem untreuen Liebhaber im Stich gelassenen Mädchen. Sie rächen sich an den Männern, indem sie sie des Nachts in die Finsternis locken, um sie zu Tode zu tanzen. Sie versammeln sich auf Geheiß ihrer Königin Myrtha, um eine neue Gefährtin in ihre Gemeinschaft aufzunehmen: Giselle erscheint in ihrem Schleier.

        Herzog Albrecht, der gekommen ist, um Blumen auf das Grab der jungen Verstorbenen zu legen, sieht das weiße Abbild der Geliebten auftauchen. Er will die schwebende Geistergestalt fassen, aber sie entkommt ihm immer wieder. Sie flieht, er folgt ihr, ganz von Sinnen.

        Dann kommt der unbesonnene Hilarion zurück und die Wilis reißen ihn mit in einen wilden und mörderischen Tanz: er ist in dieser Nacht ihr erstes Opfer.
        Albrecht soll nun das gleiche Schicksal erleiden.Giselle fleht Myrtha und die anderen Wilis an, Milde walten zu lassen, sie bleiben jedoch unerbittlich: Albrecht ist bis zur Erschöpfung zum Tanzen verurteilt. Aber Giselles Liebe schützt ihn: verzweifelt tanzen sie gemeinsam und sind für einen Augenblick vereint.Bald schon müssen die Wilis vor dem Morgengrauen fliehen. Auch Giselle verschwindet, und Albrecht kehrt ins Leben zurück.