Candide

Musik von Leonard Bernstein

»Der Geist des großen Weltumarmers Leonard Bernstein wird bewegend lebendig. Eine der schönsten Inszenierungen der vergangenen Jahre überhaupt«. (Der Tagesspiegel)

Candide, der unbedarfte Held, befindet sich auf Irrfahrten durch die Welt auf der ...

»Der Geist des großen Weltumarmers Leonard Bernstein wird bewegend lebendig. Eine der schönsten Inszenierungen der vergangenen Jahre überhaupt«. (Der Tagesspiegel)

Candide, der unbedarfte Held, befindet sich auf Irrfahrten durch die Welt auf der verzweifelten Suche nach seiner Geliebten. Doch Schlechtigkeit und menschliche Abgründe begegnen ihm statt der »Besten aller Welten« stets aufs Neue.

Leonard Bernstein nahm sich Voltaires philosophisch-satirischen Roman CANDIDE – ein grelles Gemisch aus Abenteuergeschichte, Märchen und Zeitkritik – zur Quelle seiner “Comic Operetta in Two Acts”. Das Buch war 1759 erschienen, vier Jahre nach dem verheerenden Erdbeben von Lissabon und mitten im Siebenjährigen Krieg – in einer Zeit, die genügend Anlass bot, Leibniz‘ schöne Theodizee von der gottgewollten Zweckmäßigkeit dieser „besten aller Welten“ kritisch in Frage zu stellen und spitzzüngig zu kommentieren. Der Roman wurde schließlich verboten, auf den Index gesetzt und öffentlich verbrannt.

Die schonungslose Attacke auf den Optimismus beflügelte Bernstein zu seiner schillerndsten Komposition für das Musiktheater. Er selbst nannte CANDIDE eine Liebeserklärung an die europäische Musik. In seiner Partitur klingen demnach durchweg europäische Tanzformen wie Gavotte, Mazurka, Polka oder Walzer an – und die Konventionen der europäischen Oper werden auf liebenswürdige Weise ihrem musikalischen Gestus nach zitiert und karikiert: Wenn die Liebenden in dem surrealistischen Duett »You were dead, you know?« wiedervereint sind, trillern sie in Terzen und Sexten in bester Belcanto-Manier, ganz im Stile Bellinis oder Donizettis.

Die Inszenierung und die Kostüme zu »Candide« gestalteten Vincent Boussard und der weltberühmte Designer Christian Lacroix, die bereits bei der Produktion zu Händels »Agrippina« ein hervorragendes Team gebildet haben.



    In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
    ca. 2:30 h | inklusive 1 Pause
    CANDIDE
    Musik von Leonard Bernstein
    Eine »Comic Operetta« in 2 Akten
    1993 Concert Version

    Gesangstexte von Richard Wilbur
    (mit zusätzlichen Gesangstexten von Stephen Sondheim, John LaTouche, Dorothy Parker, Lillian Hellman und Leonard Bernstein)
    Texte aus der Concert Narration von Leonard Bernstein und John Wells, nach der Satire von Voltaire und dem Buch von Hugh Wheeler; editiert und ergänzt von Erik Haagensen
    Orchestrierung von Leonard Bernstein und Hershy Kay
    zusätzliche Orchestrierungen/musical continuity von John Mauceri

    Aufführungsrechte: Boosey & Hawkes Bote & Bock GmbH, Berlin im Auftrag des Leonard Bernstein Office, New York
    • Handlung

      ERSTER AKT

      Westfalen
      Candide wächst in der vermeintlichen Idylle im westfälischen Schloss Thunder-ten-Tronck zusammen mit Cunegonde, deren Bruder Maximilian und der Kammerzofe Paquette auf. Ihr Lehrer Pangloss unterrichtet sie und deklamiert seine Lehre und Lebensphilosophie von der »besten aller Welten«. In der Schulstunde wiederholen die Schüler, was der Lehrer ihnen vorsagt.
      Candide und Cunegonde interessieren sich füreinander und entdecken erste erotische Gefühle.
      Unerwartet ausbrechender Krieg zerstört das heimische Idyll und zerstreut die fünf in alle Winde.
      Im Krieg werden alle getötet. Candide beginnt die Suche nach seiner Geliebten: Die vermeintlich tote Cunegonde in seinen Armen haltend, singt er sein Klagelied.
      In Gestalt eines alten Bettlers trifft Candide seinen Lehrer Pangloss wieder. Dieser befindet sich in einem grauenerregend-erbärmlichen Zustand und ist von Krankheit gezeichnet.
      Candide resümiert, dass »... in allem Leid auch etwas Gutes ...« liegt und setzt seine Reise mit Pangloss zusammen fort.

      Lissabon
      Auf der Reise nach Lissabon erleben beide einen Sturm auf See, erleiden Schiffbruch und werden zudem Zeugen des verheerenden Erdbebens.
      Zur Verhinderung weiterer Erdbeben werden Candide und Pangloss als Ketzer zu einem Auto-da-fé geführt. Candide überlebt nur mit knapper Not; Pangloss wird getötet.

      Paris
      In Paris findet Candide seine Geliebte Cunegonde wieder, die sich dort, zusammen mit der Old Lady, als Prostituierte ihren Lebensunterhalt verdient.
      Cunegonde reflektiert ihren Zustand und tröstet sich mit einem Loblied auf Luxus, Champagner und Perlen über ihre missliche Lage hinweg.
      In einem Duett tauschen sich Candide und Cunegonde über ihr jüngstes Schicksal aus und besingen, dass sie sich wieder gefunden haben.
      Aus Eifersucht tötet Candide zwei Freier Cunegondes (den Erzbischof und den Juden) und muss daraufhin mit beiden Frauen fliehen. Sie schiffen sich ein und treten die Reise über den großen Ozean an.


      ZWEITER AKT

      Neue Welt / Buenos Aires
      Die Old Lady und Cunegonde leben mittlerweile beim Gouverneur von Buenos Aires. Während des Tangotanzens berichtet die Old Lady ausführlich aus ihrem langen Leben und betont, dass sie sich überall spielerisch leicht und einfach anpassen kann.
      Cunegonde wird die Mätresse des Gouverneurs, der ihr die Ehe verspricht.
      Nachhaltig versichern sich die beiden Damen, Cunegonde und die Alte, ihrer Unwiderstehlichkeit und preisen ihre körperlichen Vorzüge und ihre Wirkungskraft auf die Männerwelt.

      Neue Welt / Eldorado
      Im Dschungel wird Candide Zeuge davon, wie sich zwei Mädchen mit Affen vergnügen. Candide missversteht die Lage: Im Irrglauben, die zwei jungen Frauen retten zu müssen, tötet er die Affen, was jedoch klagende Trauer hervorruft. Erst jetzt versteht Candide, dass die Affen eigentlich die Liebhaber der Frauen waren.
      Erneut auf der Flucht gelangt Candide schließlich nach Eldorado, was paradiesisch anmutet. Doch ohne Cunegonde gefunden zu haben, wird Candide der harmonischen Zustände dort schnell überdrüssig und verlässt Eldorado wieder, ausgestattet mit 80 Lasthammeln. Auf der Weiterreise verliert Candide alles. Nur noch zwei Schafe sind sein einziges Hab und Gut.

      Neue Welt / Buenos Aires: Drei Jahre später
      Drei Jahre später zurück in Buenos Aires: Cunegonde und die Old Lady warten immer noch auf die versprochene Heirat. Allgemeine Langeweile und Unzufriedenheit herrschen. Man ist sich langsam aber sicher überdrüssig.

      Neue Welt / Neu-Westfalen
      Im Dschungel von Montevideo trifft Candide auf die Totgeglaubten, Maximilian und Paquette. Maximilian ist nun der Anführer der Jesuiten und Paquette eine Nonne, die einer Pilgerprozession folgen. Im Streit ersticht Candide Maximilian.
      Danach trifft Candide auf Martin, dem Anti-Pangloss, der das pessimistische Alter Ego seines früheren Lehrers ist. Mit zynischen Bemerkungen macht sich Martin über moralische Werte wie »freien Willen«, »Menschlichkeit« oder »Liebe« lustig und verhöhnt sie als hohle Worte.
      Um nach Venedig aufbrechen zu können, kauft Candide von Venderdendur die Santa Rosalia, ein Schiffswrack, mit der er Schiffbruch erleiden muss und wobei Martin ertrinkt.

      Venedig
      Mit Mühe und Not rettet sich Candide nach Venedig. Unterwegs trifft er auf fünf entthronte Könige und wiederum auf Pangloss.
      In Venedig angekommen, tragen alle Masken.
      Cunegonde, die Old Lady, Maximilian sowie Paquette haben es gleichermaßen nach Venedig verschlagen. In einer Spielbank treffen alle erneut aufeinander.
      Als im wahrsten Sinne des Wortes die Masken fallen, muss Candide den (einzigen) Lebenszweck seiner geliebten Cunegonde, der ausschließlich die Sehnsucht nach Reichtum und Luxus zum Inhalt hat, erkennen.
      Desillusioniert bleibt Candide, über das Leben nachsinnend, zurück.
      Letztlich wird ein schlichter Bauernhof der neue Lebensort. Keiner ist mehr was er war. Candide möchte Cunegonde heiraten, denn er kommt zu der finalen Einsicht: »Wir müssen unseren Garten bestellen«.

    • Pressestimmen

      »Der Geist des großen Weltumarmers Leonard Bernstein wird bewegend lebendig. Eine der schönsten Inszenierungen der vergangenen Jahre überhaupt.«
      (Der Tagesspiegel)

      »Aus dem Graben kommt der klarste, funkelndste, schnellste Bernstein-Sound. Dirigent Wayne Marshall hat die Staatskapelle gut im Griff, alles flutscht wie von selbst, herrlich perlen die Flötentöne, hüpft die Gavotte, schleppt der Tangoschritt.«
      (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

      »Maria Bengtsson als Candides Geliebte Cunegonde kann die Rolle der armen, aber glückseligen Blonden nicht nur optisch ausfüllen. Sie bewältigt die halsbrecherische Broadway-Nummer »Glitter And Be Gay« mit ihren Möglichkeiten so perfekt, dass es ein Ohrenschmaus ist.«
      (Berliner Zeitung)

      »Leonardo Capalbo ist ein Tenor wie aus dem Wunderbuch des Theaterspiels. Wer kann mit dem gar nicht vorhandenen Bauch auf einem hohen Türrahmen liegen, die Aktentasche in der Hand, und ohne herunterzufallen köstlich singen. Capalbo ist so etwas Einzigartiges wie ein Tenorakrobat. Nicht weniger weiß Maria Bengtsson zu entzücken, eine Sopranistin feinsten Kalibers. Je höher Bernstein ihre makellose Stimme hinaufschickt in die Sopranstratosphäre, desto vollblütiger klingt sie auf. Sie ist ein Wunder - und außerdem sieht sie wundervoll aus. Anja Silja grüßt überraschenderweise und herzlich willkommen als "The Old Lady" herein und singt prompt, der Rolle ganz und gar angemessen, mit Old-Lady-Ton. Graham F. Valentine, als Philosoph auf der Suche nach Schülern mit allerdings glücklosen Greifhänden bewaffnet, gibt die Rolle prompt als ›Old Gentleman's Part‹.«
      (Berliner Morgenpost)

      »Das Stück handelt von Mord, Krieg und Geschlechtskrankheiten, von Inquisition und Prostitution, von der Macht des Geldes und vom Überdruß. Und trotzdem gibt es keine Minute, in der es nicht vergnüglich zuginge. Triumph des Sarkasmus wie in einer guten Offenbach-Operette. …die beste aller möglichen Inszenierungen. Fröhlich, diebisch, zynisch.«
      (Junge Welt)

      »Sensationelle Sänger in Kostümen von Christian Lacroix, eine intelligente Inszenierung von Vincent Boussard und die hinreißende Musik von Leonard Bernstein: „Candide“ feierte an der Berliner Staatsoper im Schillertheater einen Erfolg vom Feinsten. Superb.«
      (The Epoch Times)