Der Rosenkavalier

Oper von Richard Strauss

Die Komödie für Musik »Der Rosenkavalier« ist ein Werk mit dem Wiener Flair des 18. Jahrhunderts, der Zeit Maria Theresias, jedoch geschrieben aus der Perspektive der Jahre unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Mit Begeisterung und Lust machten sich ...

Die Komödie für Musik »Der Rosenkavalier« ist ein Werk mit dem Wiener Flair des 18. Jahrhunderts, der Zeit Maria Theresias, jedoch geschrieben aus der Perspektive der Jahre unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Mit Begeisterung und Lust machten sich Strauss und Hofmannsthal ans Werk und schufen so eine der erfolgreichsten Opern überhaupt. Geschildert wird der Abschied von einer Epoche, eine Welt, in der sich mit den traditionellen gesellschaftlichen Verbindlichkeiten auch die Konventionen menschlicher Beziehungen auflösen. Der sechzehnjährige Graf Octavian steht zwischen der lebens- und liebeserfahrenen Marschallin und der jungen Sophie, die zur Hebung des väterlichen Prestiges an den derb-brutalen Baron Ochs auf Lerchenau verheiratet werden soll. Nicolas Briegers Inszenierung betont in Personenführung und Szenerie den Endzeitcharakter des Werkes. Die Bühnenrealität droht immer wieder ins Unwirkliche und Surreale umzukippen. Durch die Fassade des schönen Scheins dringen die Gefährdungen gleichsam durch die Hintertür in die Komödie. »Die Inszenierung hat viele Momente, in denen das Rosenkavalier- Wunder sich blühend zu entfalten vermag.« (Die Welt)

Simon Rattle dirigiert, eine Starbesetzung sorgt für besonderen musikalischen Glanz.

  • Musikalische Leitung
  • Inszenierung
    • Nicolas Brieger
  • Bühnenbild
    • Raimund Bauer
  • Kostüme
    • Joachim Herzog
  • Chöre


    In deutscher Sprache ohne Übertitel
    4:35 h | inklusive 2 Pausen
    • Handlung

      ERSTER AUFZUG
      Die Feldmarschallin und ihr Liebhaber Octavian am Morgen danach: »Wie du warst! Wie du bist!...« Lärm hinter der Szene. Kehrt der Ehemann unverhofft zurück? Es ist nur der Vetter Ochs vom Lande. Zwei Anliegen hat er: einen standesgemäßen »Bräutigamsaufführer« (Rosenkavalier) für seine bevorstehende Hochzeit mit Sophie, der Tochter des reichen Herrn Faninal (Waffenhändler, Bürgerlicher, durch die Gnade Ihrer Majestät geadelt) sowie »kostenlose Konsultation des Notari der Marschallin wegen des Eh'vertrags«. Octavian improvisiert bei Ankunft des Ochs eine Verkleidung als Kammerzofe. Ochs fliegt auf sie (ihn) und schlägt ein Rendezvous vor. Lever der Marschallin. Danach Tristesse. Gedanken über die Vergänglichkeit: »Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding ...« Die Marschallin ahnt, dass ihr Liebhaber sie »über kurz oder lang« wegen einer Jüngeren »sitzen lassen wird«. Octavian soll im Hause Faninals als Bräutigamsaufführer die silberne Rose überreichen.

      ZWEITER AUFZUG
      Sophie erwartet ihren Herrn Zukünftigen (den sie noch gar nicht kennt). Als Vorbote erscheint — gleich einem Märchenprinzen — Octavian als Rosenkavalier. Wechselseitiges Überwältigtsein der beiden jungen Leute. Gegen Octavian hat der Baron Ochs auf Lerchenau mit seinem brüskierenden Auftreten keine Chance. Die Braut will von der Heirat nichts mehr wissen. Octavian als ihr Beschützer. Zusammenstoß zwischen ihm und Ochs. Scheinbar erfreulicher Aktschluss für den Lerchenauer: »das bewusste Mariandel«, Kammerzofe der Marschallin, wird zum Rendezvous kommen. Er ahnt nicht, dass dahinter eine Intrige Octavians steckt.

      DRITTER AUFZUG
      Gartenlokal im Prater. Vorbereitungen für die Demontage des Baron Ochs auf Lerchenau mit Hilfe des Intrigantenpaares Valzacchi und Annina. Octavian verkleidet als Mariandel. Tête-à-tête zwischen ihr (ihm) und Ochs. Inszeniertes großes Tohuwabohu. Die verkleidete Annina behauptet, die Ehefrau des Ochs zu sein. An den Rand des Wahnsinns getrieben, ruft der Baron nach der Polizei. Jetzt aber wird er einem Verhör unterzogen. Seine Identität kann er nicht beweisen. Das Beisl wird zum Treffpunkt aller handelnden Personen. Faninal annuliert nach dem von Ochs verursachten Skandal den Ehevertrag, die Feldmarschallin schaltet den Polizei-Kommissarius aus und verschafft damit dem Baron einen einigermaßen glimpflichen Abgang. Am Schluss bleibt das Dreieck: Marschallin - Octavian - Sophie. Verzicht der Marschallin auf den Geliebten. Octavian und Sophie: »S'ist ein Traum, kann nicht wirklich sein, dass wir zwei beieinander sein ...«

    • Aus dem Programmbuch

      Der Ärger mit dem Ochs begann schon vor der Dresdner Uraufführung. Der sexprotzende Baron von Lerchenau und Gegenspieler zum »Rosenkavalier« Otavian passte so gar nicht ins edle Adelsbild eines Hofopernintendanten, und so intervenierte Dresdens Theater-Graf Seebach beim Komponisten und bat um ein paar Striche ausgerechnet in jener «Arie» des Ochs im 1. Akt, da dieser die diversen Objekte ländlicher Lust so genüsslich beim Namen nennt. Strauss reichte die Kritik Seebachs an seinen Librettisten Hugo von Hofmannsthal weiter mit der Bitte, sie immerhin zu erwägen. Hofmannsthal zeigte sich keineswegs autorenehrgeizig, sondern überraschenderweise gegenüber fremden Meinungen durchaus aufgeschlossen: »Die Einwendungen Graf Seebachs scheinen mir sehr beachtenswert. Denn was ihn so choquiert, wird auch andere choquieren (nicht bloß in Hoftheatern), und wozu sich einen Teil des Publikums überflüssigerweise entfremden?« Daher schlug er erst einmal Striche vor, gab aber zugleich zu bedenken: Wenn Sie dann schließlich wünschen, ändere ich solche Stellen, aber durch solche Verwässerungen ist diese »Arie« natürlich sehr in Gefahr, hundslangweilig zu werden.« Und einige Zeit später, nach getaner Änderung betonte er nochmals: »Freilich schmeckt der Trank um so schaler, je mehr Wasser man auf die Art hineintut, und das Faunische ist ja eigentlich die raison d'etre dieser ganzen Szene.« (Brief vom 25. August 1910) Strauss antwortete nach wenigen Tagen Bedenkzeit sehr entschieden: »Die Änderung zugunsten der Prüderie und Heuchelei ärgert mich nach wie vor. Und er schlägt daher eine wahre Roßtäuscher-Aktion vor: Die inkrimierten Stellen werden nur im Textbuch retuschiert, nicht aber in Klavierauszug und Partitur, denn es handelt sich doch nur darum, nicht unsere Komödie abzuschwächen, sondern die Leute, die vorher das Textbuch in böser Absicht lesen, zu bluffen.«

      In Dresden gelang der «Bluff» und »Der Rosenkavalier« ging bei seiner Uraufführung am 26. Januar 1911 im wesentlichen unverwässert in Szene, gekürzt wurde erst nach dem Fest, hinter dem Rücken der Autoren und sehr zu deren Zorn. Am 15. Mai 1911 meldete der Komponist seinem Dichter: Mit Seebach bin ich wegen der infamen Dresdner Striche ganz übers Kreuz, trotz der Verstümmelung ist dort der »Rosenkavalier« schon bis zur 28. ausverkauften Vorstellung gediehen. Bleiben die Tantiemen als einziger Trost. Ganz anders lief es in Berlin. Graf Georg von Hülsen-Haeseler, Generalintendant der Königlichen Schauspiele, hatte nämlich bereits vorher in böser Absicht das Original-Libretto gelesen und es als bedenklich und für die Berliner Hofbühne sogar als unmöglich bezeichnet. Nun, nach dem sensationellen Dresdener Uraufführungserfolg, wendete sich zwar das Blatt, und es wurde zwischen Strauss und der Intendanz neu verhandelt. Am 17. März 1911 konnte Hülsen-Haeseler seinem Generalmusikdirektor telegrafisch mitteilen: »Zu meiner großen künstlerischen und menschlichen Freude steht der Aufführung Ihres »Rosenkavalier« unter meiner Verantwortung nichts im Wege. Wenn Sie im Sinne unserer letzten Aussprache meinem vermittelnden Takt vertrauen wollen, dürfte eine Einigung zweifellos und damit die Aufführung gesichert sein. Mir schwebt sie allerdings nicht als eine Wiederholung der Dresdner mise-en-scene, sondern als eine viel feiner gestimmte, aber gerade deshalb viel wirkungsvollere Neuschöpfung Ihres Werkes vor, dessen Schönheiten aus diesem Gesichtspunkt dem Publikum ganz nahe zu bringen mir eine tiefe Genugtuung sein wird.«

      Der Komponist berichtete noch am gleichen Tage seinem Librettisten triumphierend vom Stimmungswandel in Berlin: »Heute muss ich aber doch Ihnen mitteilen, dass nun nach Rücksprache mit dem Kaiser und all den Bombenerfolgen, Extrazügen nach Dresden etc.. auch Herr von Hülsen den »Rosenkavalier« für Anfang der nächsten Saison angenommen hat, wenn ich mich entschlösse, seine »mildernde« und »verfeinernde« Hand über dem Ganzen walten zu lassen. Na, zu schlimm wird es nicht werden, 's sind mehr Phrasen, um das in Dresden Geleistete nicht gelten zu lassen und noch zu übertrumpfen.« Besonders entzündete sich natürlich Hülsens Unmut an der Ochs-Erzählung im l. Akt, und er forderte ihre Streichung. Darauf Strauss: »Nach langer Überlegung bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass die von Euer Exzellenz gewünschte Streichung der ganzen Ochs-Erzählung im ersten Akt nach wie vor total unmöglich ist. Dieser von mir niemals gebilligte Strich zerstört die ganze künstlerische Architektur des ersten Aktes. Also zum Teil wenigstens muss dieses Stück für die Berliner Aufführung unbedingt wiederhergestellt werden. Wie dies zu ermöglichen, habe ich mit Hugo von Hofmannsthal in Wien Rücksprache genommen und ihm vorgeschlagen, die ganze Erzählung hoftheater-mäßig umzudichten. Er hat dies abgelehnt, mir aber freigestellt, Euer Exzellenz zu ersuchen, diese Umdichtung eventuell selbst vorzunehmen. Bei der großen poetischen Begabung Euer Exzellenz wird Ihnen dies keine Mühe machen, und das als Musikstück im ersten Akt absolut unentbehrliche Scherzo könnte der Aufführung erhalten bleiben. Zwar votierte Hülsen nach wie vor für tunlichst starke Kürzungen, weil die großen Schönheiten der Partitur ...dann nur noch leuchtender hervortreten. Ich will mich andererseits Ihrem Wunsche gemäß herzlich gern mit der Frage beschäftigen, ob ich mit meiner armen Poeterei die Umdichtung der einzelnen Stellen gut und geschmackvoll lösen kann. Falls: ja, wird es herzlich gern geschehen. Hülsens Eitelkeit war geweckt, er spitzte die Feder und dichtete »veredelnd« um: [...]

      Georg von Hülsen-Haeseler kastrierte den deftigen, grobschlächtigen Landjunker mit Stallgeruch zum parfümierten Anakreontiker. »Der Rosenkavalier« in seiner Fassung hätte auch die einfältigste Klosterschülerin vor dem Rotwerden bewahrt. Trotz oder vielleicht sogar wegen dieser Entstellungen, vor denen es Hofmannsthal am Ende doch graute, hatte die Berliner Premiere am 14. November 1911 unter dem Dirigat von Karl Muck mit Frieda Hempel als Marschallin, Paul Knüpfer als Ochs, Lola Artot de Padilla als Octavian, Baptist Hoffmann als Faninal und Claire Dux als Sophie einen sensationellen Erfolg. Bereits am 25. Januar 1912 zählte man die 25. und am 6. Mai 1912 die 50. Aufführung. Am 5. November 1918 dirigierte Richard Strauss den 138. und letzten Rosenkavalier-Abend in der Hülsen-Fassung. Die Revolution vom 9. November 1918 brachte nicht nur das Ende des Kaiserreichs, sondern auch der Königlichen Schauspiele und damit den Rücktritt des letzten Generalintendanten Seiner Majestät, Georg von Hülsen-Haeseler.

    • Pressestimmen

      Seelentraurige Masken: Berlins Rosenkavalier
      [...] Natürlich fehlt es Brieger auch nicht an hübschen wie bizarren Einfällen. Der Tenor, der ausgezeichnete Jeffrey Francis, ist ein zum Rollstuhl verurteilter Krüppel. Im Beisl des dritten Aktes erscheinen dem Ochs als Halluzinationen lauter Rosenkavaliere. Sophie, überwältigt, bricht anbetend in die Knie, wenn sich der vermeintliche schwarze Todesbote als silberner Octavian ihren entzückten Augen enthüllt. Die Inszenierung hat viele Momente, in denen das »Rosenkavalier«-Wunder sich blühend zu entfalten vermag.
      [...]
      - Klaus Geitel, DIE WELT -

      Wahre Wonne
      [...] Charmant-amouröse Verkleidungsspiele, geistvolle Anmut und lebensfrohe Heiterkeit durchziehen diese Wienerische Maskerade mit dem Rokoko-Flair der Maria-Theresia-Zeit. »Mit leichtem Herz und leichten Händen halten und nehmen, halten und lassen« - in diesen Worten der Marschallin liegt der Schlüssel zum Werk. Regisseur Nicolas Brieger fand ihn. Er kommt vom Schauspiel. Was zur erfreulichen Folge hat, dass hier Menschen aus Fleisch und Blut agieren. Die sind nicht losgelöst von Zeit und Raum, sondern in ein soziales Umfeld gebettet. Und spannend ist das Partnerspiel: Das wird stets aus der geistvollen Musik heraus entwickelt, verstärkt sie nicht, sondern kontrapunktiert sie. Dabei bewies die Staatskapelle Berlin unter Donald C. Runnicles erneut, dass sie ihren Strauss blitzsauber und mit Mozartscher Anmut zu spielen versteht. Das federt, kichert, schwebt und: schwelgt mit sentimentalischem Anflug graziös bis auftrumpfend vorüber - eine wahre Wonne. Nicht satt hören kann man sich ebenfalls an den exzellenten Sängerleistungen, die verdientermaßen mit Ovationen gefeiert wurden.
      [...]
      - Peter Buski, BERLINER ZEITUNG -