Die Walküre

Oper von Richard Wagner

»René Papes kontrollierte Diktion passt zu der natürlichen Unverstelltheit und Ökonomie seiner Stimmgebung, kein Laut wird manieriert verfärbt, stattdessen die nicht unbedingt auf Klang gestellte deutsche Phonetik auf intelligenteste Art genutzt. Wagner ...

»René Papes kontrollierte Diktion passt zu der natürlichen Unverstelltheit und Ökonomie seiner Stimmgebung, kein Laut wird manieriert verfärbt, stattdessen die nicht unbedingt auf Klang gestellte deutsche Phonetik auf intelligenteste Art genutzt. Wagner hätte seine Freude gehabt. Diese außerordentliche Gesangsleistung Papes wird durch die erstaunlichen akustischen Gegebenheiten des Schiller Theaters ebenso wie durch die kongeniale Begleitung Daniel Barenboims am Pult der Staatskapelle noch befördert.« (Berliner Zeitung)

DER SÜSSHOLZRASPLER
»All-Vater« Wotan

Als Politiker, der durch Verträge über eine neue Weltordnung herrschen will, scheitert Wotan. Aber als »All-Vater«, vulgo zeugungskräftiges Mannsbild, ist er ein voller Erfolg. Von ehelicher Treue hält er nichts. Als seine Frau Fricka ihm klar macht, dass seine Herrschaft bedroht ist, wenn er als der Gesetzgeber sich nicht an sein eigenes Ordnungssystem gebunden fühlt, raspelt er Süßholz: »Um dich zum Weib zu gewinnen, mein eines Auge setzt ich werbend daran«. Das ist gelogen. Wotan hat dem weisen Riesen Mimir das Auge verpfändet, weil er auch einmal aus dem Weisheitsbrunnen an der zweiten Wurzel der Weltesche Yggdrasil trinken wollte. Weise geworden ist er aber nicht. Was Sex angeht, ist Wotan ein Herumtreiber – zum Beispiel unter dem Pseudonym »Wälse« inmitten der Menschen, bei welcher Gelegenheit er Siegmund und Sieglinde zeugt und so die Voraussetzung für den Inzest schafft, aus dem Siegfried, der »freie Held«, hervorgehen wird, der den Untergang verhindern soll, indem er »sich löse vom Göttergesetz«. Wer Siegmunds und Sieglindes Mutter ist, erfahren wir nicht: »ein Menschenweib « – mehr verrät weder die Sage noch Wagner. Nur Siegfried nutzt diese Bezeichnung später noch einmal, als er über seine Mutter Sieglinde nachsinnt, die bei der Geburt gestorben ist. Dass Wotan schon beim ersten mahnenden Auftritt der Urmutter Erda vom Drang getrieben wird: Die muss ich haben!, ist nicht zu übersehen; am liebsten wäre er ihr gleich hinterhergelaufen. Das hat er dann gründlich nachgeholt, übrigens ohne auf Erdas Einwilligung Wert zu legen. Er zeugte mit ihr nicht nur seine Lieblingstochter Brünnhilde (»Deines Wunsches Braut«, wie Fricka bissig bemerkt), sondern auch deren acht Schwestern, die Walküren. Dem Heervater Wotan die Nornen anhängen zu wollen, die ja auch Erdas Töchter sind, wäre freilich ungerecht. Erda selbst nennt sie »Urerschaff’ne«. Die Nornen sind, auch was Wotans Klan angeht, gewissermaßen exterritorial. Nur mit seiner Ehefrau Fricka hat Wotan keine Kinder.

Hermann Schreiber

  • Musikalische Leitung
  • Inszenierung
  • Bühnenbild
  • Kostüme
    • Tim Van Steenbergen
  • Licht
    • Enrico Bagnoli
  • Video
    • Arjen Klerkx
    • Kurt D'Haeseleer
  • Dramaturgie
    • Michael P. Steinberg
    • Detlef Giese
  • Choreographie
    • Csilla Lakatos

    • Wotan
    • Hunding
      • Mikhail Petrenko
    • Siegmund
      • Simon O'Neill
    • Fricka
      • Ekaterina Gubanova
    • Brünnhilde
      • Iréne Theorin
    • Sieglinde
    • Waltraute
      • Ivonne Fuchs
    • Helmwige
      • Susan Foster
    • Gerhilde
      • Danielle Halbwachs
    • Ortlinde
    • Schwertleite
      • Anaïk Morel
    • Siegrune
      • Leann Sandel-Pantaleo
    • Grimgerde
      • Nicole Piccolomini
    • Rossweiße

    In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln.
    5:15 h | inklusive 2 Pausen
    VORWORT
    Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
    Koproduktion mit dem Teatro alla Scala di Milano in Zusammenarbeit mit dem Toneelhuis Antwerpen
    • Handlung

      Vorgeschichte

      Der Ring, den der Nibelung Alberich aus dem Rheingold geschmiedet hat und der unendliche Macht verleiht, ist in den Besitz des Riesen Fafner gelangt. In Gestalt eines gewaltigen Lindwurms hütet Fafner den Ring zusammen mit dem Schatz der Nibelungen in einer Höhle inmitten eines abgelegenen Waldes. Sowohl der Gott Wotan als auch der Nibelung Alberich trachten danach, den Ring in ihren Besitz zu bringen. Alberich hat, obwohl er der Liebe entsagte, um den Ring schmieden zu können, einen Sohn gezeugt, mit dessen Hilfe er sein Vorhaben verwirklichen will. Wotan wiederum versucht auf doppelte Weise sich gegen die von Alberich ausgehende Gefahr zu schützen und seine erworbene Machtposition zu sichern: Die neun Walküren, die ihm die allwissende Göttin Erda geboren hat, sammeln auf der Burg Walhall die Körper und Seelen von gefallenen Kämpfern, die Wotan beim Streit gegen Alberichs Heer unterstützen sollen. Außerdem schuf er sich einen »freien Helden«, der ungebunden durch die von Wotan geschlossenen Verträge agieren und dem Gott den Ring zurück gewinnen kann. Als »Wälse« wurde Wotan zum Vater eines Zwillingspaars, Siegmund und Sieglinde, die als Kinder voneinander getrennt wurden und sich nun wieder begegnen.


      Erster Aufzug
      Im Inneren von Hundings Wohnhütte

      Während eines heftigen Gewitters sucht der verwundete Siegmund Zuflucht in einer Behausung, die um eine mächtige Esche herum gebaut ist. Vollkommen erschöpft sinkt er am Herd nieder. Sieglinde erblickt den waffenlosen Mann und gibt ihm zu trinken. Zwischen ihnen entwickelt sich sofort große Sympathie. Trotzdem will Siegmund, nachdem er sich wieder erholt hat, das Haus verlassen, wird von Sieglinde aber zurückgehalten. Sieglindes Gatte Hunding erscheint. Misstrauisch fragt er den Fremden nach seinem Namen und seiner Herkunft. Aus Siegmunds Erzählung entnimmt er, dass dieser derjenige ist, den er und seine Mannen verfolgt und bis hierher gehetzt haben. Für diese Nacht gibt Hunding ihm Gastrecht, für den nächsten Morgen jedoch fordert er ihn zum Zweikampf.

      Nachdem Hunding und Sieglinde den Saal verlassen haben, reflektiert Siegmund seine Situation, waffenlos in die Hände des Feindes gefallen zu sein. Er erinnert sich, dass ihm sein Vater Wälse ein Schwert versprochen habe, sollte er einst in höchste Not geraten. Im Stamm der Esche erblickt er eine Waffe – bis zum Schaft steckt sie dort fest. Sieglinde kommt hinzu; sie hat Hunding einen Schlaftrunk verabreicht. Sie bittet Siegmund, rasch zu fliehen, dieser sucht jedoch die Nähe Sieglindes. Sieglinde berichtet dem Fremden, der sich zunächst als »Wehwalt« ausgegeben hat, von ihrer unglücklichen Vermählung und von einem geheimnisvollen alten Mann, der bei der Feier erschien und vor allen Gästen ein Schwert in die Esche stieß: Derjenige solle die Waffe sein eigen nennen, dem es glückt, sie aus dem Stamm zu ziehen. Keinem ist dies bislang gelungen, dem Fremden, der eine enorme Faszination auf sie ausübt, traut Sieglinde das jedoch zu.

      Plötzlich schlägt die Tür der Hütte auf – in einem Moment voller Magie hat sich der Frühling Bahn gebrochen. Siegmund und Sieglinde erkennen ihre Liebe zueinander. Siegmund gibt nun auch seinen richtigen Namen preis: Als Sohn von Wälse ist es ihm bestimmt, das Schwert Notung aus der Esche zu ziehen. Sieglinde eröffnet ihm, seine verloren geglaubte Zwillingsschwester zu sein. Gemeinsam stürmen sie ins Freie.


      Zweiter Aufzug
      Wildes Felsengebirge

      Wotan, der über das Geschehen im Bilde ist, fordert seine Lieblingstochter Brünnhilde auf, für Siegmund gegen Hunding Partei zu ergreifen und dem Wälsung zum Sieg zu verhelfen. Seine Gattin Fricka stimmt ihn jedoch um: Sie macht ihm deutlich, dass Siegmund keineswegs frei handelt, sondern ganz nach dem Willen Wotans. Aus tiefer Sorge um den Fortbestand der Götter trotzt sie Wotan das Versprechen ab, Siegmund im Kampf nicht zu schützen – durch die Hand Hundings soll er sterben.

      Nach Frickas Abgang wird sich Wotan seiner Situation bewusst: Er ist in ein schier unentwirrbares Geflecht von Abhängigkeiten, Zwängen und Wünschen geraten. In einer großen Erzählung berichtet er Brünnhilde von seinen Gedanken und Taten, vom Ring des Nibelungen und von der drohenden Gefahr des Untergangs der Götter. Er sieht keinen anderen Ausweg, als Frickas Willen zu erfüllen. An Brünnhilde ergeht die strikte Weisung, für Hunding zu streiten, anderenfalls würde sie seinen Zorn zu spüren bekommen. Brünnhilde bleibt allein zurück, traurig und voller Gedanken. Siegmund erscheint mit Sieglinde: Seit vielen Stunden sind sie auf der Flucht vor Hunding. Da Sieglinde offensichtlich nicht mehr weiter kann, beschließt Siegmund, an dieser Stelle Hunding zum Kampf zu erwarten. Brünnhilde kündigt ihm seinen baldigen Tod an – wie andere Helden auch wird sie ihn nach Walhall bringen. Als Siegmund von ihr erfährt, dass er Sieglinde dort nicht treffen wird, verweigert er sich seinem Schicksal: Lieber würde er seine Schwester und sich selbst opfern als von ihr getrennt zu werden. Gerührt von der tiefen Liebe Siegmunds zu Sieglinde entscheidet sich Brünnhilde dafür, dem Befehl Wotans zuwider zu handeln: Die beiden Wälsungen sollen leben.

      Aus der Ferne ist Hundings Horn zu hören. Er hat Siegmund und Sieglinde verfolgt und ist nun zum Kampf bereit. Brünnhilde unterstützt Siegmund, dessen Schwert Notung aber zerschellt am Speer Wotans, der unerwartet hinzukommt. Siegmund wird von Hunding erschlagen, dieser wiederum fällt nach einem verächtlichen Wink Wotans tot zu Boden. Brünnhilde hat sich sofort nach dem Kampf mit Sieglinde auf die Flucht begeben; Wotan eilt ihr nach, um sie für ihr Vergehen hart zu bestrafen.


      Dritter Aufzug
      Auf dem Gipfel eines Felsenberges

      Die Walküren versammeln sich, um die im Kampf getöteten Helden nach Walhall zu bringen. Als letzte von ihnen erscheint Brünnhilde: Vergeblich bittet sie ihre Schwestern, Sieglinde und sie selbst vor dem Zorn Wotans zu schützen. Da keine der Walküren bereit ist, bei der Flucht zu helfen, schickt Brünnhilde Sieglinde allein Richtung Osten: In dem sich dort erstreckenden dunklen Wald, in dem der Drache Fafner haust, sei sie sicher vor Wotan. Sieglinde fasst neuen Mut, als sie von Brünnhilde erfährt, mit dem »hehrsten Helden der Welt« schwanger zu sein.

      Brünnhilde stellt sich der Wut Wotans, der den Walkürenfelsen erreicht hat. Ihren Ungehorsam soll sie mit dem Verlust ihrer Göttlichkeit büßen. Zudem soll sie, in Schlaf versetzt, auf dem Felsen zurückbleiben, jedem Mann zur leichten Beute. Erschreckt verlassen die acht Walküren Wotan und Brünnhilde.

      Eindringlich beschwört Brünnhilde ihren Vater, seine Entscheidung abzuändern. Sie macht ihm deutlich, dass er sich von Fricka und von äußeren Zwängen dazu verleiten ließ, entgegen seinem ursprünglichen Wunsch Siegmund nicht beizustehen. Wotans Zorn weicht einem tiefen Verständnis für Brünnhilde: Bewegt nimmt er Abschied von ihr. Wotan versenkt sie in Schlaf, umgibt sie aber mit einem Flammenring, den nur der zu durchschreiten vermag, der seinen Speer nicht fürchtet.

    • Pressestimmen

      „Vom ersten Takt des Sturm-Vorspiels an ist die perfekte Thriller-Atmosphäre da, ein nervenzerfetzender Soundtrack, der den Hörern alsbald den kalten Angstschweiß auf die Stirn treibt.“ (Der Tagesspiegel)

      „Daniel Barenboim lässt von Anfang an die Aufführung hochdramatisch aufrauschen. Er ist am Pult eine Kraftnatur, die sich vor keiner Steigerung drückt. Noch in den populären "Walkürenritt" jubelt er selbst nach vier Stunden noch mit unerschöpfter Frische hinein. Er trägt offenkundig das gute, alte Dynamit im Blut, das nun einmal bei Wagner-Aufführungen unentbehrlich ist. Ein Festtagsereignis.“ (Berliner Morgenpost)

      „Runzlig und rau klingt die Staatskapelle von Anfang an. Es sind verwitterte Klänge von seltsamer Schönheit, Musik aus Kies und Rinde in den tiefen Streichern von den Bratschen abwärts, kaum verschmelzend mit den Bläsern. Jedes Register behält seine knorrige Eigenart, ohne grob zu werden.“ (FAZ)

      „Mächtig, stimmgewaltig bringt René Pape die Luft zum Vibrieren, auch in den leisen Tönen jeder Zoll der Herrscher von Walhalla. Beeindruckend auch Iréne Theorin als Brünnhilde und Simon O´Neill als strahlend liebender Siegmund. Am herrlichsten aber strahlt die Musik unter Daniel Barenboims Händen. Bravo!“ (B.Z.)

      „René Papes kontrollierte Diktion passt zu der natürlichen Unverstelltheit und Ökonomie seiner Stimmgebung, kein Laut wird manieriert verfärbt, stattdessen die nicht unbedingt auf Klang gestellte deutsche Phonetik auf intelligenteste Art genutzt. Wagner hätte seine Freude gehabt… Diese außerordentliche Gesangsleistung Papes wird durch die erstaunlichen akustischen Gegebenheiten des Schillertheaters ebenso wie durch die kongeniale Begleitung Daniel Barenboims am Pult der Staatskapelle noch befördert.“ (Berliner Zeitung

      This was more than a miracle, it was opera magic… All praise to the production team and singers, but to no one more so than Barenboim, whose nuanced conducting brought out the full depth and passion of Wagner´s music. – The Daily Telegraph

      Ekaterina Gubanova ist eine strahlend mondäne, stimmlich wie aus glänzendem Stahl gegossene Fricka, Nina Stemme eine herrlich präsente, menschlich entmystifizierte Brünnhilde. Überhaupt die Damen: Das weibliche Sangesglück macht an diesem Abend Waltraud Meier perfekt. – Süddeutsche Zeitung

      Der Jubel der Mailänder war gigantisch. – FAZ

      Daniel Barenboim setzte bei Wagners „Walküre“ auf große Emotion, dramatische Gestaltung und hatte im Orchester der Scala, das klangvollendet musizierte, fabelhafte Partner. – Kurier

      Ekaterina Gubanova was a fantastically vindictive and fresh-voiced Fricka … As for Brünnhilde, Nina Stemme sang gloriously. It’s hard to recall anyone’s sounding more commanding or at ease in the part, and that includes Kirsten Flagstad. Flowers rained down on Ms. Stemme from the gallery during curtain calls, as they did on Barenboim and the rest of the cast… – The New York Times

      When the performance came to an end, the audience applauded for another 14 minutes. – The Independent