Patrice ChéreauRegie

Patrice Chéreau, Sohn zweier bildender Künstler, erreichte erstmals als Schauspieler und Regisseur von Schultheateraufführungen größere Beachtung. Kritikern fiel Patrice Chéreau bereits im Alter von 16 Jahren auf und er wurde begeistert als Wunderkind ...

Patrice Chéreau, Sohn zweier bildender Künstler, erreichte erstmals als Schauspieler und Regisseur von Schultheateraufführungen größere Beachtung. Kritikern fiel Patrice Chéreau bereits im Alter von 16 Jahren auf und er wurde begeistert als Wunderkind des Theaters gefeiert. Professionelle Regien übernahm er schließlich als 23jähriger und leitete in der Pariser Trabantenstadt Sartrouville ein Volkstheater. Anschließend folgten Arbeiten für das Piccolo Teatro in Mailand mit Inszenierungen zu Pablo Neruda, Tankred Dorst, Marivaux und Wedekinds »Lulu«.

Zwischen 1982 und 1990 war er künstlerischer Leiter des Théâtre des Amandiers in Nanterre, Paris. Gemeinsam mit Catherine Tasca übernahm er damals die Leitung dieses Theaters. An diesem Haus führte er die meisten Werke von Bernard-Marie Koltès auf. Es folgten weitere Produktionen von Genet, Heiner Müller, Tschechow und Shakespeare.

Schon früh wandte er sich neben seinen Theaterinszenierungen auch dem Genre Oper zu. Als 29jähriger inszenierte er beim Spoleto Festival erstmals Rossinis »Die Italienerin in Algier«. 1974 folgte schließlich seine Inszenierung zu »Les Contes d’Hoffmann« von Jaques Offenbach an der Pariser Oper. An diesem Haus kam fünf Jahre später auch seine legendäre Inszenierung zu der von Friedrich Cerha vollendeten Fassung von Alban Bergs »Lulu« mit Pierre Boulez heraus. Seine gefeierten Inszenierungen von Wagners »Der Ring des Nibelungen« zum 100jährigen Bestehen der Bayreuther Festspiele (1976-1980) gelten als Meilenstein und »Jahrhundertring«. Seine vielleicht wichtigste Opernproduktion ist Janáčeks »Aus einem Totenhaus«, die erstmals bei den Wiener Festwochen 2007 gezeigt wurde. Erstmals arbeitete er dabei seit seinem »Ring« wieder mit Pierre Boulez als Dirigenten zusammen.

Seine Arbeit als Filmregisseur begann Patrice Chéreau Mitte der 70er Jahre mit dem Thriller »La chair de l´orchidée« (Das Fleisch der Orchidee) mit Charlotte Rampling in der Hauptrolle. Weitere bedeutsame Filme waren »Judith Therpauve« (Die letzte Ausgabe, 1978) mit Simone Signoret, »Hôtel de France« (1987) oder »Le temps et la chambre« (1992). Sein Film »La reine Margot« (Die Bartholomäusnacht) 1994 mit Isabelle Adjani wurde mit dem Preis der Jury in Cannes und fünf Césars ausgezeichnet. Einen César erhielt er auch für seinen Film »L’homme blessé« mit Vittorio Mezzogrino 1984. Auf der Berlinale wurden seine Filme »Ceux qui m’aiment prendront le train« (Wer mich liebt, nimmt den Zug, 1998), »Intimacy« (2001) und »Son frère« (2003) gezeigt. 2005 kam sein Film »Gabrielle« mit Isabelle Huppert heraus. 2003 wandte er sich mit seiner Inszenierung von Racines »Phèdre« auch wieder dem Theater zu. Diese Koproduktion mit der Ruhrtriennale und den Wiener Festwochen erhielt den Molière-Theaterpreis.