Lang LangMusiker (Gast)

Möchte man Lang Lang mit nur einem Wort beschreiben, den Musiker, den Menschen, seine Weltanschauung und seine Wirkung auf diejenigen, die mit ihm in Berührung kommen, dann wäre das wohl »Inspiration«. Gleich einem musikalischen Motiv zieht sich dieser ...

Möchte man Lang Lang mit nur einem Wort beschreiben, den Musiker, den Menschen, seine Weltanschauung und seine Wirkung auf diejenigen, die mit ihm in Berührung kommen, dann wäre das wohl »Inspiration«. Gleich einem musikalischen Motiv zieht sich dieser Begriff durch sein Leben und seine Laufbahn. Er inspiriert Millionen von Menschen mit seinem aufrichtigen, gefühlvollen Spiel, ob im intimen Rahmen eines Klavierabends oder auf den größten Bühnen – wie etwa bei der Eröffnungszeremonie der XXIX. Olympischen Spiele in Peking, bei der über vier Milliarden Menschen weltweit seinen Auftritt verfolgten, der »Last Night of the Proms« in der Londoner Royal Albert Hall oder beim Konzert mit dem Philadelphia Orchestra und Charles Dutoit anlässlich von Franz Liszts 200. Geburtstag, das live in über 300 Kinos in den Vereinigten Staaten und 200 Kinos in Europa übertragen wurde (übrigens die erste einem Solokünstler gewidmete Kinoübertragung klassischer Musik). Langjährige musikalische Partnerschaften verbinden ihn mit den bedeutendsten Künstlern der Welt, darunter Dirigenten wie Daniel Barenboim, Gustavo Dudamel und Sir Simon Rattle, aber auch Künstler, die nicht in der klassischen Musik beheimatet sind – darunter der Dubstep-Tänzer Marquese »Nonstop« Scott, der König der Schlagersänger, Julio Iglesias, sowie der Jazz-Titan Herbie Hancock. Er entwickelt darüber hinaus auch Beziehungen zu Unternehmen, die ihn dabei unterstützen, klassische Musik immer mehr Menschen näherzubringen – dank seiner Botschafterrolle für Sony beispielsweise gelang es ihm, Prokofjews 7. Klaviersonate in dem von ihm eingespielten Soundtrack des millionenfach verkauften Computerspiels »Gran Turismo 5« unterzubringen. Mit seinen regelmäßigen Aufführungen chinesischer Musik vor westlichem Publikum und umgekehrt bildet er kulturelle Brücken zwischen Ost und West.

Stets ist ihm dabei bewusst, was ihn in seit seinen Anfängen und bis heute inspiriert: Große Künstler und vor allem die großen Komponisten – Liszt, Chopin und viele mehr – deren Musik er voller Freude mit anderen teilt. Sogar der berühmte alte »Tom und Jerry«-Zeichentrickfilm »The Cat Concerto«, durch den er als begeisterungsfähiges Kind erstmals mit der Musik Liszts in Berührung kam, zählt dazu. Diese kindliche Entdeckerfreude konnte er sich bewahren und sie ist der Antrieb seiner, wie er es ausdrückt, »zweiten Karriere«, Musik ins Leben der Kinder dieser Welt zu bringen. Dies tut er sowohl durch seine Arbeit für Wohltätigkeitsorganisationen wie UNICEF als auch mithilfe seiner eigenen Lang Lang International Music Foundation. Weil er inspiriert, ist er inspiriert. Weil er inspiriert ist, inspiriert er andere. Diese Eigenschaft ist wohl der Grund, weshalb »The New Yorker« ihn als den »Weltbotschafter der Tasten« bezeichnete.

Es erfordert eine besondere Form der Hingabe, als kleines Kind aus der chinesischen Stadt Shenyang in die Metropole Peking zu kommen, die Aufmerksamkeit der herausragendsten Professoren des Landes zu gewinnen und dann sein Heimatland zu verlassen, um am weltberühmten Curtis Institute of Music in Philadelphia zu studieren. Lang Lang erreichte all dies sehr früh – er begann im Alter von drei Jahren mit dem Klavierspiel; bereits als Fünfjähriger gewann er den Shenyang-Klavierwettbewerb und gab seinen ersten öffentlichen Klavierabend. Mit neun Jahren ging er ans Zentrale Musikkonservatorium in Peking, mit dreizehn errang er den 1. Preis beim Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb für Junge Musiker und spielte in der Pekinger Concert Hall alle 24 Etüden von Chopin. Er brach nach Amerika auf, ans Curtis Institute zu Gary Graffman, dem großen Klavierpädagogen, und als seine Chance kam, war er bereit. Dies geschah, als er 17 war, auf dramatische Weise bei der »Gala of the Century« für den berühmten Andre Watts praktisch in letzter Minute einsprang und mit dem Chicago Symphony Orchestra Tschaikowskys 1. Klavierkonzert aufführte. Dieser Auftritt machte ihn, wie Journalisten zu sagen pflegen, »über Nacht zum Star«, und schnell kamen die Einladungen in die besten Konzertsäle der Welt.

Heute liest sich sein Werdegang wie ein Bestseller und tatsächlich wurde Lang Langs Autobiographie »Journey of a Thousand Miles« vom Random House Verlag in elf Sprachen veröffentlicht; die deutsche Ausgabe erschien im Ullstein-Verlag. Sein Einsatz für die Förderung junger Menschen bewog ihn, unter dem Titel »Playing with Flying Keys« eine Fassung dieser Autobiographie speziell für Kinder zu schreiben. Die »New York Times« bezeichnete ihn als den »angesagtesten Künstler der gesamten klassischen Musikwelt«, er ist umjubelter Gast in den Konzertsälen aller großen Städte weltweit und spielt stets vor ausverkauftem Haus. Als erster chinesischer Pianist wurde er von den Berliner und Wiener Philharmonikern sowie dem New York Philharmonic Orchestra eingeladen.

Das renommierte US-Magazin »Time« nahm ihn 2009 in die jährlich erscheinende Liste der 100 weltweit einflussreichsten Persönlichkeiten auf, wo er symbolhaft die Jugend und Zukunft Chinas repräsentierte. Lang Lang ist Kulturbotschafter der Städte Shenzhen und Shenyang. Im Juli 2012 trug er in London unmittelbar vor der Eröffnung der XXX. Olympischen Spiele das Olympische Feuer.

Auch wenn die Begeisterung der Chinesen für das Klavier nicht einzig und allein von ihm ausgelöst wurde, so ist seine Rolle als Vorbild, das mehr als 40 Millionen chinesische Kinder dazu ermutigt, das Klavierspiel zu erlernen, nicht zu unterschätzen – ein Phänomen, das die »Today Show« als den »Lang Lang-Effekt« bezeichnete. Als das »Lang Lang Piano« in China vorgestellt wurde, verwendete Steinway zum ersten Mal in der über 150-jährigen Firmengeschichte für ein Klaviermodell den Namen eines Solokünstlers. Dieses Klavier, das speziell für die musikalische Früherziehung entwickelt wurde, erscheint derzeit in fünf unterschiedlichen Versionen.

Das Kind, das Lang Lang einmal war und welches womöglich immer noch in ihm steckt, würde sich über den Beitrag, den er für die Unterstützung von Kindern weltweit leistet, gewiss freuen. Als Mentor betreut er einige begabte Nachwuchspianisten, versammelt jeweils hundert Klavierschüler in gemeinsamen Konzerten, spielt für Kinder in Krankenhäusern, gibt Recitals an entlegenen Orten, an denen Musik ansonsten unterrepräsentiert ist und stellt seine musikalische Begabung unentgeltlich für Benefizveranstaltungen zur Verfügung. All diese ehrenamtlichen Aktivitäten führten zur Gründung der Lang Lang International Music Foundation, die es sich mit ihren Zielen zur Aufgabe macht, durch Förderung der besten Pianisten von morgen, Musikerziehung mit Unterstützung modernster Technologie und musikalischen Veranstaltungen zur Heranbildung eines jungen Publikums die nächste Generation von Musikern und Musikliebhabern zu inspirieren. »In seinem Bestreben, die klassische Musik populärer zu machen, gleicht Lang Lang einem Evangelisten«, so die »Financial Times«. Im Mai 2009 spielte Lang Lang gemeinsam mit drei in den USA von ihm ausgewählten Stipendiaten seiner Stiftung im Alter zwischen sechs und zehn Jahren bei der »Oprah Winfrey Show« im Rahmen von »Oprah’s Search for the World’s Most Smartest and Most Talented Kids«.

2011 eröffnete in den Städten Shenzhen und Chongqing die Lang Lang Music World. Hierbei handelt es sich um multifunktionale Kunstzentren, wo Kinder Klavierunterricht erhalten, an Meisterkursen und Wettbewerben teilnehmen, Konzerte besuchen können und zur Ausbildung gehörende Produkte angeboten werden. Weiterhin gibt er weltweit Meisterkurse auf Einladung der führenden Musikhochschulen, darunter die Juilliard School, das Curtis Institute, die Manhattan School of Music, die Musikhochschule Hannover und alle führenden Konservatorien Chinas, an denen er Ehrenprofessuren innehat. Eliteuniversitäten wie Oxford, Harvard und Columbia haben ihn für Vorträge eingeladen.

Lang Lang erfreut sich daran, sein Publikum unabhängig von der Zuhörerzahl zu erreichen, jedoch sind die Dimensionen beim YouTube Symphony Orchestra wohl kaum zu übertreffen. Er war der erste offizielle Botschafter dieses Orchesters und konnte in diesem von YouTube und Google entwickelten Projekt seine beiden großen Leidenschaften, nämlich Musik und Bildungsengagement unter Verwendung moderner Technologien, miteinander verbinden. Zehntausende besuchten seine Open-Air-Konzerte, sei es im New Yorker Central Park, in der Hollywood Bowl in Los Angeles, beim Ravinia Festival in Chicago, auf dem Theaterplatz in Dresden und im Hamburger Derby-Park. Er wirkte beim Konzert zum Auftakt der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Münchner Olympiastadion unter Mariss Jansons mit und musizierte mit den Wiener Philharmonikern unter Zubin Mehta anlässlich des Finales der Fußball-Europameisterschaft 2008 vor dem Schloss Schönbrunn. Er war der Solist der Silvestergala anlässlich der Eröffnung des National Center for the Performing Arts in Peking unter einem weiteren großen Dirigenten, Seiji Ozawa.

Im Dezember 2007 war Lang Lang Solist des Nobelpreis-Konzerts in Stockholm in Anwesenheit der Preisträger und Mitgliedern der königlichen Familie. 2009 trat er bei der Verleihung des Friedensnobelpreises an den amerikanischen Präsidenten Barack Obama in Oslo auf.

Auch im Fernsehen ist Lang Lang regelmäßig zu sehen; er war unter anderem Gast in »The Today Show«, der »Tonight Show« mit Jay Leno sowie bei »Good Morning America«, »CBS Early Show«, »60 Minutes«, »El Número Uno« und »Wetten, dass..?«. Berichte über ihn wurden weltweit von jedem großen Fernsehsender ausgestrahlt und erschienen in führenden Zeitungen und Zeitschriften, darunter so unterschiedliche Publikationen wie »The New Yorker«, »Esquire«, »Vogue«, »The Times«, »Financial Times«, »GQ«, »Cosmopolitan«, »Reader's Digest«, »People« und »Die Welt«.

Lang Lang musizierte für zahlreiche Staatsoberhäupter und führende Persönlichkeiten, darunter sowohl der ehemalige als auch der amtierende Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan bzw. Ban Ki-Moon, US-Präsident Barack Obama, die ehemaligen US-Präsidenten George H. W. Bush, George W. Bush und William J. Clinton, Her Majesty Queen Elizabeth II., der ehemalige chinesische Staatspräsident Hu Jintao, der ehemalige deutsche Bundespräsident Horst Köhler, His Royal Highness Prince Charles sowie der russische Präsident Wladimir Putin, der ehemalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Beatrix der Niederlande, Seine Majestät König Willem-Alexander der Niederlande und der frühere polnische Präsident Lech Kaczynski. Er hatte die Ehre, für Präsident Barack Obama und den damaligen Präsidenten Hu Jintao beim Staatsbankett im Weißen Haus zu spielen und trat im Rahmen des Konzerts anlässlich des diamantenen Thronjubiläums von Elizabeth II. vor dem Buckingham Palace auf.

Wo immer er kann, versucht Lang Lang, seine Unterstützung zu geben. Im Jahr 2004 wurde er von UNICEF zum Internationalen Goodwill-Botschafter ernannt. Lang Lang setzte sich aktiv für die Unterstützung der Erdbebenopfer in China und Haiti ein und sammelte Spenden; dazu zählte auch die Versteigerung des roten Steinway-Flügels, auf dem er bei seinem Konzert im Central Park 2008 gespielt hatte sowie ein Benefizkonzert in der Carnegie Hall. Die Nettoeinnahmen kamen dem China Earthquake Fund des amerikanischen Roten Kreuzes beziehungsweise dem Nothilfeprogramm von UNICEF in Haiti zugute. Eine weitere Facette seines Einsatzes für die Kultur zeigt er als Vorsitzender des Montblanc de la Culture Arts Patronage Award Project. Lang Lang gehört darüber hinaus dem Beirat des Weill Music Institute im Rahmen des Education-Programms der Carnegie Hall an und ist das jüngste Mitglied des Artistic Advisory Board der Carnegie Hall.

Lang Lang erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen: vom World Economic Forum wurde er als einer der 250 »Young Global Leaders« benannt und erhielt 2010 den Crystal Award in Davos. Im Mai 2011 wurde Lang Lang am Royal College of Music von Prinz Charles mit der Ehrendoktorwürde der Musik geehrt. Ein weiterer Ehrendoktortitel der Musik wurde ihm im Mai 2012 an der Manhattan School of Music in New York verliehen. Im Dezember 2011 wurde er mit dem höchsten Preis ausgezeichnet, den das Kulturministerium der Volksrepublik China vergibt. Im August 2012 wurde er für seine herausragenden Verdienste um die deutsche Musikkultur mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt und im Januar 2013 wurde ihm vom französischen Kulturminister der Ordre des Arts et des Lettres verliehen.

Lang Lang ist auch mit seinen Aufnahmen einer der erfolgreichsten und prominentesten Musiker weltweit. Er übernahm den umfangreichen Klavierpart der von Alexandre Desplat komponierten und mit einem Golden Globe ausgezeichneten Filmmusik für »The Painted Veil«. Ebenso wirkte er beim Soundtrack für den Film »The Banquet« mit, der aus der Feder von Tan Dun stammt, auch im Film »My Week With Marilyn« war er zu hören. Jede seiner CDs erreichte die Spitzenposition der Klassik-Charts und hielt auch Einzug in zahlreiche Pop-Charts rund um den Globus. Seine Einspielung der Klavierkonzerte Nr. 1 und 4 von Beethoven gemeinsam mit dem Orchestre de Paris unter Christoph Eschenbach für die Deutsche Grammophon erreichte auf Anhieb Platz 1 der klassischen Billboard Charts. Für diese Aufnahme wurde er als erster Chinese in der Kategorie »Best Instrumental Soloist« für einen Grammy nominiert. Er wurde außerdem im Jahr 2007 von der Recording Academy mit dem Presidential Merit geehrt (zu früheren Preisträgern zählen Zubin Mehta und Luciano Pavarotti). Zu Einspielungen der letzten Zeit zählen der Soundtrack für den japanischen Blockbuster »Nodame Cantabile«, alle 24 Etüden von Chopin für das »Project Chopin«, dem größten Projekt zu Ehren von Chopins 200. Geburtstag, außerdem wirkte Lang Lang bei Plácido Domingos CD »Nuit de Mai« mit. Für die Eröffnungssequenz von »Gran Turismo«, dem erfolgreichsten Videospiel unserer Zeit, spielte er den Soundtrack ein. Seit Februar 2010 ist Lang Lang Exklusivkünstler von Sony Music Entertainment. Seine erste Veröffentlichung für Sony ist ein Live-Mitschnitt seines Recitals aus dem Jahr 2010 im legendären Wiener Musikverein, der auch einen in 3D gefilmten Abschnitt enthält. Seine CD »Liszt, My Piano Hero« und die DVD »Liszt, Now!« erschienen zur Feier des 200. Geburtstags des großen Komponisten, im Jahr 2012 brachte er »The Chopin Album« heraus. Im Oktober 2013 erschien seine Einspielung von Prokofjews 3. und Bartóks 2. Klavierkonzert mit den Berliner Philharmonikern und Sir Simon Rattle.

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Foto: © Harald Hoffmann/Sony Classical