Cecilia BartoliSängerin (Gast)

Wenn Cecilia Bartoli singt, ist vieles anders. Kritiker suchen nach neuen Metaphern, weil das gängige Vokabular nicht ausreicht. In ihrer Kehle, heißt es, müsse »ein Nest von Nachtigallen verborgen« sein. Und überhaupt: Ihr angemessen seien schlicht ...

Wenn Cecilia Bartoli singt, ist vieles anders. Kritiker suchen nach neuen Metaphern, weil das gängige Vokabular nicht ausreicht. In ihrer Kehle, heißt es, müsse »ein Nest von Nachtigallen verborgen« sein. Und überhaupt: Ihr angemessen seien schlicht und einfach »Liebesbekenntnisse«. In nüchterne Worte lässt sich das Phänomen Bartoli nicht fassen, auch nicht in Fakten und Zahlen. Aber sie belegen auf ihre Weise, wie viel Cecilia Bartoli mit ihrer Musik bewegt.
Von ihren Bild- und Tonträgeraufnahmen, die exklusiv beim Label Decca erscheinen, wurden mehr als zehn Millionen weltweit verkauft. Cecilia Bartoli ist, an Zahlen gemessen, die erfolgreichste Klassik-Künstlerin der Gegenwart und eine der populärsten Sängerinnen unserer Zeit. Dabei kommt sie ohne jede marktübliche Popularisierung aus. Offen für Entdeckungen, macht sie erlesene, thematisch durchdachte Projekte zu Welterfolgen. »The Vivaldi Album«, »Italian Arias« (von Gluck), »The Salieri Album«, »Opera proibita«, »Maria«, »Sacrificium«, »Mission« und »St. Petersburg« wurden mit zahlreichen Schallplattenpreisen ausgezeichnet, darunter mit fünf Grammys.
Ihre Konzerte führen sie in die bedeutendsten Säle Europas, Amerikas, Asiens und Australiens. Zuletzt waren es vor allem Spitzenensembles der historischen Aufführungspraxis, die sie auf ihren Erkundungen begleitet haben. Selbstverständlich hat Cecilia Bartoli auch mit führenden Sinfonieorchestern musiziert. Höhepunkte dieser Arbeit waren Programme, die sie mit den Wiener Philharmonikern entwickelt und realisiert hat.
Im Sommer 2016 wurden unter der künstlerischen Leitung von Cecilia Bartoli Les Musiciens du Prince – Monaco ins Leben gerufen. Das Orchester, das der historischen Interpretationsweise verpflichtet ist, ist an der Oper Monte-Carlo beheimatet und wird von Fürst Albert II. und Prinzessin Caroline von Monaco unterstützt.
2012 wurde Cecilia Bartoli Künstlerische Leiterin der Salzburger Pfingstfestspiele; ihr Vertrag wurde kürzlich bis 2021 verlängert. Ihre besondere Fähigkeit, Künstlerisches mit Konzeptionellem zu verbinden, findet hier ein ideales Wirkungsfeld. Salzburg ist nun auch wichtiger Schauplatz ihrer Tätigkeit als Opernsängerin. 2013 fand hier Cecilia Bartolis Bühnendebüt als Norma statt – ein Meilenstein ihrer Karriere. Das Programm der Pfingstfestspiele 2016 stand unter dem Motto »Romeo und Julia«, mit einer Neuproduktion von Bernsteins »West Side Story« unter der Leitung von Gustavo Dudamel und Cecilia Bartoli in der Rolle Maria. Zu Pfingsten 2017 wird Cecilia Bartoli gleich in zwei Rollendebüts zu erleben sein: in der Titelrolle in einer szenischen Neuproduktion von Händels »Ariodante« sowie in einer konzertanten Aufführung von Rossinis »La donna del lago«.
Stationen ihrer Bühnenlaufbahn waren zuvor schon die Metropolitan Opera in New York, das Royal Opera House Covent Garden London, die Mailänder Scala, die Bayerische Staatsoper München, das Opernhaus Zürich und das Théâtre des Champs-Élysées in Paris. Zürich bildete im Herbst 2015 die erste Station einer Tournee der Salzburger Produktion von »Norma«: Nach Monte-Carlo im Februar 2016 und der Eröffnung des Edinburgh Festival 2016 singt Cecilia Bartoli die Rolle auch am Théâtre des Champs-Élysées in Paris und in Baden-Baden. Zum 200-jährigen Jubiläum der Uraufführung von Rossinis »La Cenerentola« wird Cecilia Bartoli im Februar 2017 mit einer semi-konzertanten Produktion auf Europa-Tournee gehen.
Einen »Karriereplan«, erinnert sich die in Rom geborene Sängerin, habe es nicht gegeben: nur den Wunsch, Musik zu machen. Ihre Mutter, Silvana Bazzoni, unterrichtete sie in Gesang und blieb ihre einzige Lehrerin. Daniel Barenboim, Riccardo Muti, Herbert von Karajan und Nikolaus Harnoncourt suchten schon früh die Zusammenarbeit mit ihr.
Cecilia Bartoli erhielt höchste staatliche Auszeichnungen – in Italien ist sie »Cavaliere«, in Frankreich »Chevalier de la Légion d’Honneur« und »Officier des Arts et des Lettres«. Berühmte Institutionen wie die Royal Academy of Music und die Königlich Schwedische Musikakademie machten sie zum Ehrenmitglied, andere, wie das University College Dublin, verliehen ihr das Ehrendoktorat. 2010 nahm sie den Léonie-Sonning-Musikpreis entgegen, 2012 den Herbert-von-Karajan-Preis, und 2016 wurde sie mit dem Polar Music Prize geehrt.

Foto: Decca / Uli Weber