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21. Januar 2017

King Arthur

Semi-Opera in fünf Akten von Henry Purcell
Text von John Dryden

Der Gründungsmythos des britischen Inselreiches kreist vor allem um die Geschichten vom legendären König Arthur. Auch in der »dramatick opera« des renommierten Dichters John Dryden und Henry Purcells, des originellsten englischen Komponisten der Barockzeit ...

Der Gründungsmythos des britischen Inselreiches kreist vor allem um die Geschichten vom legendären König Arthur. Auch in der »dramatick opera« des renommierten Dichters John Dryden und Henry Purcells, des originellsten englischen Komponisten der Barockzeit, steht dieser »British worthy« im Zentrum der Handlung: Arthur muss England vor den einfallenden Sachsen verteidigen, die wie eine Naturgewalt über das Land hereinbrechen. Auch Arthurs Liebesglück ist in Gefahr, denn der Sachsenkönig Oswald erhebt Anspruch auf seine Braut, die blinde Emmeline. Sowohl Arthur als auch Oswald werden in ihrem Kampf von Magiern und Geisterwesen unterstützt, in die Irre geführt und gerettet, doch letztlich hängt alles, das Schicksal Englands wie auch das Emmelines von einem Duell zwischen den beiden Kontrahenten ab.
»King Arthur« ist eine typisch britische Semi-Opera, in der Schauspiel, Musiktheater und Tanz eine geradezu magische Symbiose eingehen und sich erhabene Kunst von großer Ernsthaftigkeit mühelos mit humorvollen Elementen und spektakulären Showeffekten mischt. Während die Hauptfiguren von Schauspielern verkörpert werden, bieten heidnische Rituale, Momente von Liebesglück aber auch magische Kämpfe und diverse Naturerscheinungen immer wieder Anlass für allerlei Phantastisches, Übernatürliches und vor allem für eindrucksvolle musikalische Tableaus mit Gesangssolisten und Chor.



    Musikalische Nummern in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
    Schauspielszenen in deutscher Sprache
    ca. 3:10 h | inklusive 1 Pause
    Die Vorstellung ist ab 19 Uhr als kostenloser Livestream auf www.staatsoper-berlin.de verfügbar.

    VORWORT
    Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
    Referent: Dr. Detlef Giese
    • Handlung

      Der kleine Arthur wird acht Jahre alt. Zu seiner Geburtstagsfeier sind Verwandte und Freunde der Familie erschienen. Arthur vermisst seinen Vater, der als Soldat ums Leben gekommen ist. Die Mutter hat lange um ihn getrauert, jetzt aber will sie in die Zukunft schauen. Sie leidet unter dem trotzigen Ungehorsam ihres Sohnes, der ihr das Gefühl vermittelt, am Tod des Vaters schuld zu sein.
      Zum Geschenk bekommt Arthur von seinem Großvater ein altes Sagenbuch, in dem von den Anfängen des britischen Königreichs berichtet wird, außerdem mehrere Puppen, die Gestalten aus jenen mythischen Geschichten darstellen. Der Großvater beginnt, vom legendären Krieg der Briten gegen die Sachsen zu erzählen.

      Die Könige Arthur und Oswald stehen sich gegenüber, unterstützt von ihren Zauberern Merlin und Osmond. Um Macht und Einfluss geht es, nicht minder aber auch um die schöne, blinde Emmeline, die von beiden geliebt und begehrt wird, deren Herz jedoch allein dem Britenkönig Arthur gehört. Merlin ruft zum Kampf gegen die heidnischen Sachsen auf, in den Arthur mit seinen Mitstreitern Conon, dem Vater Emmelines, dem Mönch Aurelius sowie einem schlagkräftigen Heer ziehen. Die Kriegstrompeten rufen: Zuvor jedoch erklärt Arthur Emmeline seine Liebe. Sie und ihre Amme Mathilda wünschen ihm Glück und Sieg. Inzwischen haben sich die Sachsen versammelt, um sich ihrerseits für die Schlacht zu rüsten. Sie beschwören Wotan und die anderen Götter, von denen sie Beistand erbitten. Der Erdgeist Grimbald hat bereits die Opfer herbeigeführt, die zum rituellen Sterben auserwählt sind. Nach der Opferung werden alle Sachsen in Wotans Saal gerufen, um dann gestärkt in den Kampf zu ziehen. Die Briten aber tragen den Sieg davon, die geschlagenen Sachsen müssen das Feld räumen.

      Im Radio hört der kleine Arthur, dass die englische Air Force erfolgreich feindliche Stellungen bombardiert hat. Spielend stellt er die Szene nach. Sein Großvater erzählt ihm weiter von den Briten und den Sachsen, wie es sich vor langer Zeit zugetragen hat.

      Der Luftgeist Philidel, der von der Seite der Sachsen auf die der Briten gewechselt ist, beklagt die Opfer des Kampfes. Merlin animiert ihn dazu, König Arthur und seinem Gefolge den richtigen Weg durch das unwegsame Land zu weisen, während Grimbald sie in die Irre zu führen sucht. Arthur erkennt in Grimbald, der sich als Schäfer ausgegeben hat, einen Boten der Hölle und des Bösen.

      Nach dem Geburtstagsfest wird der Großvater, begleitet von der Gouvernante und den kleinen Arthur, in das Veteranenheim gebracht, wo er seit einiger Zeit lebt. Der Großvater möchte seinem Enkel noch den Rest des Kapitels vorlesen.

      Noch bevor König Arthur von Kampf zurück ist, begeben sich Emmeline und Mathilda zu den verwundeten Kämpfern. Sie haben vom glänzenden Sieg der Briten erfahren und wollen die Heerführer jetzt erwarten. Emmeline erinnert sich an Arthurs Liebe zu ihr, die beständig bleiben soll.

      Die Heimbewohner feiern den Tag von Saint George, dem Schutzpatron Britanniens. Die Stimmung wird immer ausgelassener.
      Der kleine Arthur wird zu Bett gebracht. Seine Mutter erzählt ihm die begonnene Geschichte weiter.

      Auf ihrem Heimweg werden Emmeline und Mathilda von fremden Männern überrascht. Es sind Oswald und Osmond. Der Sachsenkönig und sein Magier rauben die Frauen. König Arthur stellt Oswald zur Rede: Wenn er Emmeline herausgibt, würde er dem im Kampf Unterlegenen seine Krone lassen. Oswald geht auf Arthurs Bestechungsversuche jedoch nicht ein. Erst wenn die Liebe Emmelines gewonnen hat, wird er sich dem Duell stellen. Merlin spricht Arthur Mut zu: Die blinde Emmeline soll durch ein Zaubermittel wieder sehend werden, auch werde Arthur sie nicht an Oswald verlieren. Osmond jedoch spielt sein eigenes Spiel: Er verabreicht Oswald einen Schlaftrunk, um selbst der Herr zu sein.

      Der kleine Arthur liegt mit starkem Fieber im Bett. Die Mutter hat deshalb Doktor Oswald rufen lassen, mit dem sie offenbar ein Verhältnis hat. Nachdem der Doktor gegangen ist, liest die Mutter dem kranken Kind ein weiteres Kapitel aus dem alten Buch vor: »Der Zauberwald«.

      Philidel hat sich zu Oswalds Burg begeben, um Emmeline zu befreien. Dort trifft er auf Grimbald, der dem abtrünnigen Luftgeist eine Lektion erteilen will. Philidel aber überlistet Grimbald und setzt ihn mittels eines Zauberspruchs gefangen.

      Der Junge ist inzwischen eingeschlafen. Die Mutter hat das Zimmer verlassen.

      Merlin begibt sich in den Zauberwald, um zu erkunden, wie die Briten wieder wohlbehalten aus ihm herausfinden können. Philidel macht derweil durch eine magische Tinktur die Augen Emmelines wieder sehend. Zunächst erkennt sie ihr eigenes Spielgelbild, dann dasjenige Mathildas, bevor sie zum ersten Mal ihren geliebten König Arthur erblickt. Philidel verbietet ihnen, sich zu berühren, da sonst der Zauber wieder verfliegt.

      Der kleine Arthur sieht sich gemeinsam mit seiner Mutter und dem Traumbild seines Vaters ein Puppenspiel an. Die dargestellte Geschichte zweier sich Liebenden übt auf alle eine starke Wirkung aus.

      Pause

      Merlin mahnt König Arthur, den Ort zu verlassen. Emmeline aber kann nicht entfliehen, da sie immer noch von der Zauberkraft Osmonds in Bann gehalten wird. Gemeinsam mit Mathilda bleibt sie in der Burg gefangen. Auch König Oswald ist der Gefangene Osmonds, sie alle will sich der Magier nun gefügig machen. Er initiiert ein Spiel von frierenden Geistern und Menschen, die durch die Kraft der Liebe wieder erwärmt werden. Emmeline jedoch lässt sich nicht von diesem Zauberwerk beeindrucken. Osmond will sie jetzt mit Gewalt erobern, wird aber von dem eingesperrten Grimbald vor drohender Gefahr gewarnt. Osmond vertraut auf den Schutz des Zauberwaldes, kann jedoch nicht die Flucht von Emmeline und Mathilda verhindern.

      Im Traum erlebt der kleine Arthur, wie sein Vater zu ihm spricht. Er nimmt ihn mit auf eine Reise in den Zauberwald, wo ihn die merkwürdigsten Gestalten erwarten. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, die Mutter aus den Fängen der bösen Könige und Zauberer zu befreien: Der heldenhafte König Arthur wird seine Emmeline zurückgewinnen.

      Im Zauberwald begegnet König Arthur Sirenen, Nymphen und anderen Wunderwesen. Sie suchen ihn zu verführen, Conon und Aurelius aber schreiten ein. Sie rufen ihm seine Liebe zu Emmeline ins Gedächtnis, woraufhin die Geistererscheinungen verschwinden. Die beiden Briten haben Grimbald gefesselt, während Merlin dem Zauberwald seine Kraft genommen hat. König Arthur ist fest entschlossen, Oswald zum Zweikampf herauszufordern, der endgültig über Sieg und Niederlage entscheiden soll.
      Osmond lamentiert über das Misslingen aller seiner Pläne und Aktivitäten. Noch hofft er auf Oswald, dass er gegen König Arthur bestehe. Der Sachsenkönig aber verliert den Kampf, Arthur und die Briten haben auf ganzer Linie triumphiert: England ist vollends in ihrer Hand, mit den alten Göttern ist es aus. Jetzt finden auch Arthur und Emmeline zusammen. Oswald fügt sich in sein Schicksal, der Unterlegene zu sein, die Schmach ist allein bei Osmond. Merlin feiert den Sieg und blickt in die glanzvolle Zukunft Britanniens: Die Angelsachsen und die Briten werden schon bald zu einem für die Welt vorbildhaften Volk zusammenwachsen.


      Mit dem Großvater und all den anderen Verwandten ist der kleine Arthur zu der Hochzeitsfeier der Mutter geladen. Bräutigam ist Doktor Oswald, der in seiner Rede an die versammelte Gesellschaft Frieden, Glück und Liebe beschwört. Der blutige Krieg ist nun zu Ende, die Zukunft gehört den Lebenden, die sie nun gestalten müssen. Das Bankett wird von einer Gruppe Betrunkener gestürmt. Der Lauf der Welt sei dies, so der Großvater zum kleinen Arthur, »was eben noch uns ewig heilig schien, ist morgen schon vergessen!« Sein Sohn, Arthurs Vater, solle ihm immer Vorbild sein und bleiben. Noch einmal erscheint er dem Jungen wie ein Traumbild. Ihm gleich solle er zu einem wahren Patrioten werden und der Nation dienen. Der kleine Arthur wird dies beherzigen: Er hat seine Lektion gelernt.

    • Hintergrund

      Der britische Orpheus
      Henry Purcell und »King Arthur«


      Ein Ausschnitt aus dem Programmheft

      Er war eine Jahrhundertbegabung als Komponist, bewundert von seinen Zeitgenossen, hoch geschätzt von der Nachwelt. Was Henry Purcell für die englische – und die europäische – Musik getan hat, ist sicher kaum zu überschätzen. Auch wenn seine Werke im 18. Jahrhundert nach und nach von denjenigen Georg Friedrich Händels in den Hintergrund gedrängt wurden, so blieb doch noch lange nach Purcells Tod die Erinnerung an ihn lebendig. Seine eindrucksvolle Sakralmusik ‒ insbesondere seine feierlichen Anthems und liturgischen Stücke ‒ spielte dabei ebenso eine Rolle wie seine vielgestaltigen Instrumentalwerke, unter ihnen zwei Serien von Sonaten, eine Sammlung von Fantasien sowie diverse Ouvertüren, Tanzsätze und Cembalo-Suiten. Zudem brachten ihm auch seine Odenkompositionen, rund zwei Dutzend an der Zahl, große Anerkennung bei Hofe wie in der städtischen Öffentlichkeit ein ‒ mit seinen anlässlich des Festtags der Heiligen Cäcilie, der Schutzpatronin der Musik, entstandenen Oden, wurde er geradezu identifiziert.
      Vor allem aber war es seine Theatermusik, die für Aufsehen sorgte und den Ruf Purcells, der originellste englische Komponist seiner Generation zu sein, wesentlich begründete. Dass sich England auch nach der glanzvollen Epoche der Renaissance, innerhalb derer Komponisten wie Thomas Tallis, William Byrd, John Dowland oder Orlando Gibbons Weltgeltung besaßen, als gewichtige Stimme innerhalb der europäischen Musik behaupten konnte, ist in hohem Maße seinem Wirken und seiner Ausstrahlungskraft zu danken.
      Indes ist Purcells erstaunliche Karriere ohne die günstigen, für ihn sehr vorteilhaften kulturpolitischen Voraussetzungen kaum denkbar. Seine Lebens- und Schaffenszeit fällt in eine spürbare Aufschwungphase des englischen Musiklebens, nachdem ihr vormaliger hoher Stand während des Bürgerkrieges und der Herrschaft der Puritaner merklich gelitten hatte. Unter dem Regiment der Stuart-Könige Charles II. und James II., aber auch nach der »Glorious Revolution« von 1688 unter William III. von Oranien besserte sich die Lage zusehends. Insbesondere betraf das die höfische Kultur, die sich durch die Neukonstitution der Chapel Royal als eines ausgesprochen leistungsfähigen und weithin ausstrahlenden Ensembles von Sängern und Instrumentalisten wieder glänzend entfaltete, aber auch das bürgerliche Konzertwesen erlebte eine erste Blüte.
      Purcell, aus einer musikalischen Familie stammend und hochgradig talentiert, konnte sich in beiden Sphären als Musiker und Komponist einbringen. So war er etwa der Chapel Royal seit seiner Kindheit und Jugend verbunden: zunächst als Chorist, nach dem Stimmbruch dann als »Keeper of the Royal Instruments« (in dessen Verantwortung die Pflege und Stimmung der Tasten- und Blasinstrumente lag), schließlich als Organist. Die Orgel spielte er über einige Jahre hinweg auch an prominenter Stelle in Westminster Abbey, zudem wirkte er als Leiter des royalen Streichorchesters (den »25 Violinen des Königs«) und war als königlicher Hofkomponist in Whitehall Palace, dem bevorzugten Sitz der Monarchen, aktiv. Darüber hinaus unterhielt er enge Kontakte zu verschiedenen Londoner Theaterunternehmern – Purcell als eine Zentralgestalt der englischen Kultur des späten 17. Jahrhunderts zu begreifen, trifft sicher den Kern der Sache.
      Im Umkreis der Chapel Royal kam er intensiv mit der Musik seiner Zeit in Berührung. Das betraf nicht allein die reichhaltige Tradition der englischen Kirchenmusik, sondern auch die modernen Entwicklungen, vor allem aus Frankreich und Italien, den führenden musikalischen Kulturen auf dem Kontinent. Diese produktiv aufgegriffen und zu einem sehr eigenen Stil ausgeformt zu haben, gehört ebenso zu Purcells individuellem Profil als Komponist wie eine staunenswerte melodische Erfindungsgabe und satztechnische Souveränität, die es ihm möglich machten, Werke von beispielgebender Qualität zu schreiben – ob nun für Kirche, Kammer oder Bühne.
      Purcells Schaffen für das Theater ist äußerst vielfältig und nicht leicht zu überblicken. Ab 1680 steuerte er Musik zu zahlreichen Bühnenstücken bei, sei es in Gestalt von eingestreuten Airs und Songs, Vokalensembles und Chören oder von Instrumentalsätzen, die häufig als Einstimmung und »offizielle« Eröffnung der Vorstellungen gespielt wurden, als Zwischenaktmusiken erklangen, aber auch Auf- und Abtritte jeglicher Art begleiteten: Das Spektrum reichte dabei von der Darstellung religiöser Rituale und lyrischen Pastoralen über laute Kriegsmusik und Stücken mit merklichem folkloristischen Einschlag bis hin zu teils derben Trinkliedern und Tänzen. Für alle diese Szenerien musste Purcell das richtige Gespür haben und den richtigen Ton finden.
      Ein besonderes Merkmal dieser Aufführungen bestand darin, dass in ihnen – mit typisch britischem Pragmatismus – verschiedene Genres auf originelle Weise miteinander vermischt wurden. Aus Schauspiel, Musik und Tanz, höfischem Zeremoniell entwickelte sich eine eigentümliche Art von »Gesamtkunstwerk«, die es in anderen Ländern in dieser Form nicht gegeben hat. Erhabene Kunst von großer Ernsthaftigkeit stand nicht selten unmittelbar neben Elementen, die einzig und allein dem Zweck des »Entertainment« dienten, selbst wenn dies gehobener Art war. Im produktiv-ergebnisorientierten Zusammenwirken von Dichtern, Komponisten, Choreographen, Schauspielern, Sängern, Tänzern und nicht zuletzt Bühnenbildnern und -maschinisten wurde eine wahre »Multimedia-Show« inszeniert, die ihre Wirkung auf das Publikum keineswegs verfehlte. Die Londoner Musiktheateraufführungen der Restaurationszeit mit ihrem sehr besonderen Gepräge besaßen einen hohen Schauwert und waren entsprechend attraktiv.
      […]
      Die 1691 uraufgeführte »Semi-Opera« King Arthur war – nach allem was bekannt ist – der zu Lebzeiten wohl größte Erfolg Henry Purcells: Sujet wie Musik waren dazu angetan, ein breites Publikum anzusprechen und zu begeistern. Aber auch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten, sogar bis ins 19. Jahrhundert hinein, ist dieses Werk, als Ganzes wie in Teilen, wiederholt zur Aufführung gebracht worden – ein Sonderfall, wie er außerhalb Englands kaum denkbar gewesen wäre, aber auch ein deutliches Zeichen für die ungebrochene Popularität des Stückes. Und in der durch die historisierende Aufführungspraxis in Gang gesetzten Wiederbelebung des barocken Repertoires spielte die Musik Purcells bekanntlich eine wichtige Rolle: Hierbei war es neben der einzigen »richtigen« Oper aus seiner Feder, Dido and Aeneas, wiederum King Arthur, dem das besondere Interesse galt. Als ein Werk von großem musikalischem Reichtum und einer enormen Bühnenwirksamkeit wurde es von Interpreten wie Hörern gleichermaßen geschätzt. Viele seiner Melodien besitzen einen regelrechten »Ohrwurmcharakter«, viele seiner Rhythmen sind von großer Vitalität getragen, von geradezu mitreißender Art, und auch seine originelle, erstaunliche harmonische Sprache lässt oft genug aufhorchen.
      Henry Purcell ist »der« Komponist der Restaurationszeit ‒ und King Arthur ist eines seiner Markenzeichen, das große Werk eines wahrhaft großen Künstlers. Als Purcell im November 1695 im Alter von erst 36 Jahren starb, trauerte das musikalische England, wohl wissend, dass man einen Verlust erlitten hatte, der nicht zu ermessen war. Seine Anthems und Oden, seine Sonaten und Songs, in entscheidender Weise aber auch seine Theatermusik bezeugen eindrucksvoll den Ausnahmerang Purcells. Der »britische Orpheus« hat ein Werk geschaffen, das höchste Bewunderung verdient.

      Detlef Giese