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11. Januar 2017

Berliner Atonale III - Die Kriminellen der Frau A.Auf dem Weg zu Ovartaci

Eine Schriftstellerin und 13 Komponisten auf dem Weg zu einer Gemeinschaftsoper

Nach Texten von Tanja Langer

Teilinszeniertes Konzert mit der Uraufführung des kompletten Zyklus »Die Kriminellen der Frau A.« nach Texten von Tanja Langer und Kompositionen von Rainer Rubbert, Gabriel Iranyi, Samuel Tramin, Martin Daske, Susanne Stelzenbach, Charlotte Seither ...

Teilinszeniertes Konzert mit der Uraufführung des kompletten Zyklus »Die Kriminellen der Frau A.« nach Texten von Tanja Langer und Kompositionen von Rainer Rubbert, Gabriel Iranyi, Samuel Tramin, Martin Daske, Susanne Stelzenbach, Charlotte Seither, Laurie Schwartz, Stefan Lienenkämper, Mayako Kubo, Helmut Zapf, Thomas Hennig, Eres Holz, Péter Köszeghy

  • Sopran
    • Ramina Abdulla-Zade
  • Mezzosopran
    • Claudia Herr
  • Bariton
    • Thorbjörn Björnsson
    • Manuel Nickert
  • Violoncello
    • Ulrike Brand
  • Percussion
    • Alexandros Giovanos
  • Klavier
    • Martin Schneuing
  • ELEKTRONIK
    • Martin Daske
  • Moderation
    • Tanja Langer

      IRINI AMARGIANAKI
      »Tunk die Feder in die Tinte« - Lied für Barbara Suckfüll (2016)
      für Bariton und Schlagzeug

      Zyklus »Die Kriminellen der Frau A.«
      inspiriert von den Bildern der Künstlerin Ina Abuschenko-Matwejewa

      THOMAS HENNIG
      »Wer fragte Isaak?« (2016)
      für Bariton und Percussion

      GABRIEL IRANYI
      »Feuerkopf« (2016)
      für Sopran und sprechende Violoncellistin (Uraufführung)

      SAMUEL TRAMIN
      »Tigermann« (2016)
      für Mezzosopran und Klavier

      Szenen aus der »Oper Ovartaci - crazy, queer & loveable«

      RAINER RUBBERT
      »Ovartaci als Heizer im Frachtdampfer hört Stimmen« (2016)
      für Bariton, Percussion und Klavier (Uraufführung)


      Pause


      ERES HOLZ
      »Der Gang des Psychiaters durch den Klinikflur / Transmigration« (2006)
      für Elektronik

      GABRIEL IRANYI
      »Er ist zweifelsohne unser interessantester Patient« (2016)
      für Mezzosopran und Violoncello (Uraufführung)

      MARTIN DASKE
      »Get it over - Smoking with the Chinese Man« (2016)
      für Bariton, zwei Sängerinnen, Klavier, Violoncello und Elektronik (Uraufführung)
      (Dirigat: Thomas Hennig)

      MAYAKO KUBO
      »Puma, Blume, Schmetterling / 64 times I was born« (2016)
      für Bariton, zwei Sängerinnen und Percussion (Uraufführung)

      CHARLOTTE SEITHER
      »Wanting to fly I« für Sopran und Violoncello (2016)

      HELMUT ZAPF
      »Heiß ist das Blut, kalt ist der Stahl« (2016)
      für Bariton, Violoncello und Klavier (Uraufführung)

      SUSANNE STELZENBACH
      »Liebe« (2016)
      für Bariton, Sopran, Klavier und Percussion (Uraufführung)

      STEFAN LIENENKÄMPER
      »Sleep well, my love - Ovartaci und seine ‚Pferdefrauen‘« (2016)
      für Bariton, zwei Sängerinnen, Steine und Elektronik (Uraufführung)
      • Aus dem Programmbuch

      • Hintergrund

        Die Oper Ovartaci - crazy, queer & loveable
        Von Tanja Langer

        ... ist inspiriert von Werk und Leben des dänischen Künstlers Louis Marcussen (1894–1985), der 56 Jahre seines Lebens in psychiatrischen Einrichtungen verbrachte. Er selbst gab sich den Namen Ovartaci, frei nach dem jütländischen Wort Overtossi: Ober-Idiot. Ovartaci, der an einer schweren paranoiden Schizophrenie litt, hatte das Glück, dass seine Ärzte ihm erlaubten, künstlerisch tätig zu sein. Er erlebte durchaus glückliche Phasen seines Lebens und war höchst produktiv. Er malte und baute eigenwillige Fabelwesen, halb Mensch, halb Tier, aus Pappmaché, »smoking phantoms«, d.h. Pfeifenhalter aus Zahnpastatuben und anderem Material, Musikinstrumente und Flugobjekte wie seinen Helikopter. Er fand noch zu Lebzeiten Anerkennung, auch von bekannten Künstlern wie Jean Dubuffet und Asger Jorn,und seine Arbeiten sind heute in einem eigenen Museum in Aarhus/Dänemark zu besichtigen. Ovartaci war fasziniert von spirituellen Gedanken, er glaubte, mehrfach wiedergeboren zu sein. Er brachte sich selbst Englisch, Spanisch und Chinesisch bei und kreierte kleine Wörterbücher für eine künftige Weltsprache. Er erfand sich ein Universum aus Spielgefährten, mit denen er sprach und lebte. Was ihn darüber hinaus zu einer faszinierenden Gestalt macht, ist sein dringlicher Wunsch, eine Frau zu sein; wiederholt versuchte er sich zu kastrieren, was ihm schließlich gelang und dazu führte, dass ein amerikanischer Chirurg bei ihm im Alter von 63 Jahren die Geschlechtsumwandlung vollzog.
        Bei ihren Vorkonzerten - u. a. in der Alten Nervenheilanstalt der Charité in Berlin-Mitte - stellten Tanja Langer und die Atonale e.V. 2016 ihr Sujet und die KomponistInnen der Atonale (und ihre Gäste) vor, und zwar mit Werken, die von KünstlerInnen und SchriftstellerInnen inspiriert wurden, die entweder einen Teil ihres Lebens in psychiatrischen Kliniken verbracht oder zumindest außergewöhnliche seelische Erfahrungen gemacht haben, darunter Edvard Munch, Camille Claudel, Unica Zürn, Jakob van Hoddis, Ernst Herdeck und Barbara Suckfüll.
        Auf dem Weg zu Ovartaci, in der Auseinandersetzung mit Fragen nach der Bedeutung der Kunst im Zusammenhang mit der Psychiatrie entstanden die Lieder des Zyklus Die Kriminellen der Frau A., die Tanja Langer ausgehend von Bildern der Künstlerin Ina Abuschenko-Matwejewa für die Gruppe der KomponistInnen verfasste. Die bildende Künstlerin, die selbst als Kunsttherapeutin mit Patienten in der forensischen Psychiatrie tätig ist, schuf eindringliche, fiktive Porträts. Der Liederzyklus thematisiert das Verhältnis von seelischer Krankheit, Verbrechen, kunsttherapeutischer Arbeit und Kunst.
        Die Oper Ovartaci - crazy, queer & loveable soll einem breiten Publikum ermöglichen, den außergewöhnlichen Künstler kennenzulernen, aber auch die Tatsache, dass ein Mensch unter erschwerten Bedingungen etwas Wertvolles schaffen kann, und dass die Kunst eine Brücke zu bilden vermag zwischen dem, was wir »verrückt« nennen und »normal«, also zwischen sehr verschiedenen Weisen, in der Welt zu sein. Dass eine ganze Gruppe von KomponistInnen dieses Werk gemeinsam vertont, in dem die unterschiedlichen Facetten des Künstlers und Menschen erfasst werden, darf durchaus als eine kleine Utopie verstanden werden.