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11. April 2017

Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg

7 | Choreographie von Martin Schläpfer
Musik von Gustav Mahler

Tänzer in schweren Stiefeln und dunklen Mänteln kommen wie von einer langen Reise in einer Welt an, die vielleicht eine neue Heimat werden könnte. Musik und Tanz verbinden sich zu einem Psychogramm getriebener Existenzen. Ein Getriebener war auch Gustav ...

Tänzer in schweren Stiefeln und dunklen Mänteln kommen wie von einer langen Reise in einer Welt an, die vielleicht eine neue Heimat werden könnte. Musik und Tanz verbinden sich zu einem Psychogramm getriebener Existenzen. Ein Getriebener war auch Gustav Mahler, wie seine Frau Alma berichtet: „Oft sagte er: Ich bin dreifach heimatlos: als Böhme unter den Österreichern, als Österreicher unter den Deutschen und als Jude in der ganzen Welt. Überall ist man Eindringling, nirgends ‚erwünscht‘.“ In seinen Kompositionen suchte Mahler immer wieder künstlerische Auswege aus seinem Dilemma, standen seine Lebens- und Kunstwirklichkeit doch in einem engen Bestimmungsverhältnis zueinander.
Leben und Werk des Sinfonikers gäben genug Stoff für einen Ballettabend. Doch Martin Schläpfer geht in „7“ andere Wege, folgt seiner seit vielen Jahren immer weiter entwickelten Dramaturgie einer collagenhaften Verknüpfung unterschiedlichster Bilder: Gegensätze gehen organisch ineinander über und lassen so auf der Bühne eine ganz eigene Energie entstehen; Ausschnitte von Welt können, einer Art Logik des Traums folgend, aber auch hart aufeinander prallen. Wie Mahler in seiner Musik viele „Sprachen“ spricht, Tonfälle aus einer akustischen Umgebung aufnimmt und verarbeitet – vom Naturlaut über Volkslieder, Signale, Zitate und Anklänge an andere Kunstmusik –, so spricht auch Martin Schläpfer viele Bewegungssprachen und lässt hochemotionale, gestische und in ihrem erzählerischen Duktus durchaus konkrete Bilder auf reine Tanzszenen treffen. Die Formen des klassischen Balletts werden dabei nicht nur weitergedacht, sondern zugleich auch zu einer Chiffre für eine Grazie, die ihre Schönheit aus dem Wissen um ihre Begrenztheit bezieht. Die Suche nach Heimat bildet die Grundierung zu einem Stück, das sich immer mehr zu einem Tanz auf dem Vulkan verdichtet. Mit einer „Reise nach Jerusalem“ dreht sich das existenzielle Spiel der Ausgrenzung in die Raserei. Was bleibt, ist eine Tänzerin im Spitzenschuh – das fragile Bild einer Ballerina über dem Abgrund.


        90 Minuten ohne Pause
        Erfahren Sie mehr: 45 Minuten vor Aufführungsbeginn erhält das Publikum am Veranstaltungsort eine kostenlose Einführung, gestaltet von Caecilia Brenninkmeyer, Dramaturgin, Ballett am Rhein.