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19. November 2014

Wissen Sie, wie man Töne reinigt? Satiesfactionen

Texte und Musik von Erik Satie

Jürgen Flimms großartiger SATIE-Abend ist in der Spielzeit 2014/2015 wieder zu sehen!

»Die Inszenierung hat zweifellos alles, um ein Publikumsrenner zu werden: Virtuose Darsteller, Tempo und Witz.« (Berliner Morgenpost)

Zeitlich noch vor Dada und ...

Jürgen Flimms großartiger SATIE-Abend ist in der Spielzeit 2014/2015 wieder zu sehen!

»Die Inszenierung hat zweifellos alles, um ein Publikumsrenner zu werden: Virtuose Darsteller, Tempo und Witz.« (Berliner Morgenpost)

Zeitlich noch vor Dada und dem Absurden Theater schrieb der französische Komponist und Lebenskünstler Erik Satie 1913 den Einakter »Le Piège de Méduse« oder zu deutsch »Die Falle des Qualle«. Gattungsmäßig handelt es sich dabei um eine Comédie lyrique, also um eine heitere Komödie Saties mit "Tanzmusik desselben Herrn". Damals im Alter von 54 Jahren hatte er sein kleines Stück als Abrechnung mit seinem eigenen Leben als Künstler bezweckt und äußerte sich: "Ein Scherz. Sehen Sie darin nichts anderes." Satie, der sich nicht Musiker, sondern "Phonometrograph" nannte - die Nähe zur Selbstbeschreibung "Photometrograph" des befreundeten Man Ray wurde dabei ganz gezielt verwendet - entwirft in seiner Figur Baron Qualle das Portrait eines uninspirierten Mannes, dessen größtes Anliegen sein Geld zu sein scheint. Das Rechnen und Zählen bedeutet für ihn jedoch Lust und Last zugleich. Ein Schicksal, dass er mit seinen Besuchern, dem Diener Polycarpe, dem Bräutigam Astolfo, seiner Tochter Frisette und seinem Affen Jonas teilt.


  • Pressestimmen

    »Ein veritabler Theatercoup. Was Liefers, Kurt und Schreiber samt Pianist Arno Waschk mit ihren archaischen Fräcken und artig hochgesteckten Frisuren bieten an überdrehter Rezitations- und Singsang-Kunst, ist brillantestes Schauspielertheater mit einer Prise Brettl und Kabarett … Der Hochgenuss ihres eigenen Könnens, den da Schauspieler und ihr Regisseur zelebrieren, ist mit Händen zu greifen.«
    (Süddeutsche Zeitung)

    »Es ist absurdes Theater, eine Aneinanderreihung von Blasen und Phrasen, Manieriert­heiten … das ergibt natürlich keinen Sinn, es passt aber so gut zu den Eitel- und Weh­leidigkeiten unserer sogenannten Wirklichkeit, dass Satie auch vorgestern erst fertig geworden sein könnte … Es gibt Abende, nach denen man das Theater vergnügt pfeifend verlässt; heute ist so ein Abend, was für ein Glück.«
    (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

    »Jürgen Flimm inszeniert diese musikalisch-szenische Groteske mit spürbarem Augenzwinkern; nie um eine Pointe verlegen, dabei aber stets die sehnsüchtig-elegische Seite von Saties Musik bedenkend. Komik mit Geist also … Musik kann so einfach sein und doch so schön, denkt man da. Und Theater so leicht, so lakonisch, so unbeschwert und spielfreudig.«
    (Frankfurter Rundschau)

    »Die Inszenierung hat zweifellos alles, um ein Publikumsrenner zu werden: Virtuose Darsteller, Tempo und Witz.«
    (Berliner Morgenpos)

  • Hintergrund

    Erik Satie
    WAS ICH BIN

    Jeder wird Ihnen sagen, ich sei kein Musiker. Das stimmt.

    Schon zu Beginn meiner Laufbahn habe ich mich sogleich zu den Phonometrographen gezählt. Meine Aufzeichnungen sind rein phonometrisch. Ob man nun den FILS DES ÉTOILES oder die MORCEAUX EN FORME DE POIRE, EN HABIT DE CHEVAL oder die Sarabandes nimmt: Immer wird man feststellen, dass der Entstehung dieser Werke keinerlei musikalische Idee zugrunde liegt. Vielmehr dominiert ein rein wissenschaftliches Denken.

    Überhaupt macht es mir mehr Spaß, einen Ton zu messen, als ihn zu hören. Mit dem Phonometer in der Hand arbeite ich frohgemut und sicher.

    Was habe ich nicht schon alles gewogen und gemessen! Den ganzen Beethoven, den ganzen Verdi etc. Das ist schon recht kurios.

    Das erste Mal, als ich mich eines Phonoskops bediente, untersuchte ich ein B von mittlerer Größe. Ich versichere Ihnen, nie habe ich etwas derart Widerwärtiges gesehen. Ich rief meinen Diener und zeigte es ihm.

    Auf der Phonowaage erreichte ein schlichtes, ganz gewöhnliches Fis das Gewicht von 93 Kilogramm. Es stammte von einem sehr dicken Tenor, an dem ich Maß nahm.

    Wissen Sie, wie man Töne reinigt? Das ist eine ziemlich schmutzige Angelegenheit. Das Spinnen der Töne ist sauberer. Sie einzuordnen, ist sehr knifflig und verlangt gute Augen. Und damit sind wir auch schon bei der Phonotechnik.

    Was die häufig so unangenehmen Tonexplosionen angeht, so werden sie durch Watte in den Ohren eigentlich ganz ordentlich gedämpft. Und damit wären wir bei der Pyrophonie.

    Um meine PIÈCES FROIDES zu schreiben, bediente ich mich eines Kaleidophon-Aufzeichners. Das dauerte sieben Minuten. Ich rief meinen Diener und spielte sie ihm vor.

    Ich glaube sagen zu können, dass die Phonologie der Musik weit überlegen ist. Sie bietet mehr Möglichkeiten. Der finanzielle Ertrag ist sehr viel größer. Ihr verdanke ich meinen Reichtum.

    Auf alle Fälle kann ein halbwegs geübter Phonometer mit dem Motodynamophon leicht mehr Töne aufzeichnen, als es der geschickteste Komponist im gleichen Zeitraum mit gleichem Aufwand vermag. Dank dessen habe ich so viel geschrieben.

    Die Zukunft gehört deshalb der Philophonie.
    (aus den Memoiren eines Gedächtnislosen, 1912)