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25. April 2015

TarquinErnst Krenek

Kammeroper von Ernst Krenek

1938 emigrierte Ernst Krenek in die USA und übernahm einen Lehrauftrag am Vassar College 100 Kilometer nördlich von New York City. Zwei Jahre später komponierte er als sein op. 90 die Kammeroper Tarquin auf ein Libretto seines Freundes Emmet Lavery ...

1938 emigrierte Ernst Krenek in die USA und übernahm einen Lehrauftrag am Vassar College 100 Kilometer nördlich von New York City. Zwei Jahre später komponierte er als sein op. 90 die Kammeroper Tarquin auf ein Libretto seines Freundes Emmet Lavery, der als Zeitungsredakteur im nahen Poughkeepsie arbeitete. Für Workshops am Vassar College geschrieben, sieht »Tarquin« eine kleine Besetzung aus zwei Klavieren, Violine, Klarinette, Trompete und Schlagzeug vor. Die Zwölftontechnik, der sich Krenek Mitte der 30er Jahre zugewandt hatte, stellte die studentischen Sänger aber wohl vor zu große Schwierigkeiten, sodass sie 1941 lediglich zwei Szenen aufführten. Als ganzes wurde »Tarquin« erst 1950 auf Deutsch an der Kölner Oper uraufgeführt.



    In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
    VORWORT
    Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn

    Das Internationale Opernstudio wird gefördert durch die Liz Mohn Musik- und Kulturstiftung.
    • Handlung

      Ernst Krenek und sein Librettist Emmet Lavery unternehmen mit Tarquin den Versuch, anhand der Geschichte exemplarischer Figuren die Strukturen der Entstehung von Diktatur und Terror nachzuvollziehen.

      Die Handlung folgt zunächst einem einfachen Muster:

      Zwei Jungen konkurrieren um die Liebe eines Mädchens und um den ersten Platz in der Schule. Marius, der Junge, der unterliegt, geht hinaus in die Welt und wird Diktator. Er verdrängt seine alte Identität und nennt sich fortan »Tarquin«. Der Diktator entfesselt einen Krieg und etabliert ein Terrorsystem.

      Cleon, der andere Junge, wird Wissenschaftler. Aufgrund eines »missglückten Experimentes« ist er körperlich versehrt. Corinna, das Mädchen, wird Ärztin.

      Das Land befindet sich im Bürgerkrieg. Cleon betreibt einen geheimen Radiosender während sich Corinna um die Verletzten beider Seiten kümmert. Sie wird vom Volk als Heilige verehrt.

      Als sich die drei Jugendfreunde erneut begegnen, erwacht die verdrängte menschliche Seite im Diktator - Tarquin verliert zunehmend die Kontrolle. Sein System aber hat sich längst verselbstständigt.

      Die Personen im Stück sind allegorisch: Der Diktator, der Narr, die Gute.
      Die Kirche, die Kunst, die Politik, das Radio, der Kriegstreiber.

      Mascha Pörzgen

    • Pressestimmen

      »Man wünscht sich angesichts der exzellenten musikalischen Umsetzung nach diesem Abend häufigere Begegnungen mit dem Opernkomponisten Krenek: Dirigent Max Renne koordiniert perfekt zwischen den Musikern der Staatskapelle und den sechs Sängern, allesamt Mitglieder des Opernstudios, die ihre Rollen mit bewundernswerter Souveränität im Griff haben. Das hervorragende Ensemble wird vom stimmgewaltigen und zugleich fein differenzierenden Bariton Maximilian Krummen und der mit müheloser Höhe beeindruckenden Sopranistin Sónia Grané angeführt.« (Der Tagesspiegel, 21. April 2015)

      »Maxililian Krummen singt einen bös verhärteten Tarquin, Sopran Sónia Grané als Corinna gewinnt Kreneks Musik warme Gesanglichkeit ab, Stephen Chambers als Corinnas Freund Cleon verkörpert mit wunderschönem Barock-Tenor auch stimmlich das Gute seiner Figur. Das Ensemble aus Staatskapelle-Musikern unter der Leitung von Max Renne spielt so sprechend wie elegant.« (Berliner Zeitung, 21. April 2015)

      »Effektvolles Musiktheater geht auch mit Zwölftontechnik… Regisseurin Mascha Pörzgen zeigt die schwer verdauliche Mischung aus Didaktik und Sentimentalität in einer wohltuend nüchternen Versuchsanordnung: Die Handlung vollzieht sich im klinisch weißen Bühnen-rechteck als Labor-Experiment.« (Der Tagesspiegel, 21. April 2015)