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06. November 2014

Il barbiere di SivigliaDer Barbier von Sevilla

Oper von Gioachino Rossini

Die wohl bekannteste Rossini-Oper in der Inszenierung von Ruth Berghaus aus dem Jahr 1968 erlebt in dieser Spielzeit ihre 350. Aufführungen. Dennoch hat sie seit ihrer Premiere nichts an jugendlicher Frische und vitaler Fröhlichkeit eingebüßt. Sie erinnert ...

Die wohl bekannteste Rossini-Oper in der Inszenierung von Ruth Berghaus aus dem Jahr 1968 erlebt in dieser Spielzeit ihre 350. Aufführungen. Dennoch hat sie seit ihrer Premiere nichts an jugendlicher Frische und vitaler Fröhlichkeit eingebüßt. Sie erinnert in ihrer theatralen Direktheit, unterstützt von dem bestechend einfachen Bühnenentwurf des jungen Achim Freyer, an den Ursprung der Opera buffa in der italienischen Stegreifkomödie. Auf der Grundlage des Schauspiels von Beaumarchais schuf Rossini 1816 sein Buffowerk, dessen Lebendigkeit, Situationskomik und raffinierter musikalischer Witz es zu einem Hauptwerk der komischen Oper werden ließ. Die Figur des Figaro entwickelte sich, gemeinsam mit ihrem Vorläufer bei Mozart, zum Synonym eines ganzen Berufsstandes.



    In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
    2:45 h | inklusive 1 Pause
    • Handlung

      ERSTER AKT
      Graf Almaviva hat sich Hals über Kopf in Rosina, das Mündel des Doktor Bartolo aus Sevilla verliebt. Um ihr seine Liebe zu zeigen, bringt er ihr jeden Morgen heimlich ein Ständchen. Zufällig trifft Almaviva Figaro, der in Sevilla als Barbier, Gehilfe Bartolos und dessen Faktotum in ewigen Geldnöten sein Leben fristet.
      Rosina ist um ihr Los nicht zu beneiden, denn Bartolo, ihr geiziger und poltriger Vormund, will sie selbst ob der zu erwartenden Mitgift heiraten. Sie hat sich aber bereits in den jungen Mann, der sich ihr als Student Lindoro vorstellt, verliebt. Gegen entsprechende Belohnung bietet Figaro dem Grafen seine Dienste bei der Eroberung Rosinas an.
      Rosina verbringt ihre Tage inzwischen in Sehnsucht, Trotz und Langeweile. Da kommt der Musiklehrer Basilio zu seinem Freund Bartolo und warnt ihn. Almaviva sei in der Stadt. Es gäbe nur ein Mittel, ihn unschädlich zu machen: die Verleumdung. Von Figaro erfährt Rosina, dass Lindoro sie heiraten will. Sie schreibt rasch ein Briefchen an den Geliebten.
      Bartolos Misstrauen ist wach, als er an Rosinas Händen Tinte bemerkt und feststellt, dass ein Schreibblatt fehlt. Wie Figaro ihm geraten hat, dringt Almaviva als betrunkener Soldat bei Bartolo ein. Da der aber einen Dispens von jeder Einquartierung vorweisen kann, kommt es zu einem Krawall. Dies alarmiert die Stadtwache. Als Almaviva ins Gefängnis soll, gibt er sich dem Offizier zu erkennen. Bartolo ist erstaunt über diesen unerwarteten Ausgang.

      ZWEITER AKT
      Als Musikmeister Alonso und Vertreter des angeblich erkrankten Basilio macht Almaviva Bartolo seine Aufwartung. Es gelingt ihm, Bartolos Misstrauen zu besänftigen. Rosina erkennt natürlich in Alonso ihren Lindoro. Zum Schein wird rasch eine Musikstunde improvisiert. Bartolo findet selbstverständlich die moderne Musik abscheulich. Figaro versteht es, Bartolo den Schlüssel zum Balkon zu entwenden. Zur großen Überraschung aller tritt da Basilio ein, der über die Anteilnahme an seinem Gesundheitszustand sehr verwundert ist. Nur die volle Börse des Grafen bewegt ihn abzugehen. Rosina ist begeistert über den Plan, sie um Mitternacht zu entführen. Da er neue Heimlichkeiten vermutet, jagt Bartolo alle davon.
      Berta ist böse, denn sie sieht sich durch Bartolos Werben um Rosina in ihrer Hoffnung, sie könnte seine Frau werden, betrogen. Bartolo beschließt zu handeln. Basilio soll zum Notar gehen, um den Ehevertrag aufzusetzen. Seinem Mündel offenbart er, sie solle nur mit Almaviva verkuppelt werden. In ihrer Verzweiflung ist Rosina bereit, Bartolo sofort zu heiraten. Sie erzählt ihm auch, dass sie um Mitternacht entführt werden soll. Bartolo eilt weg, um die Wache zu alarmieren. Über den Balkon sind der Graf und Figaro inzwischen ins Haus eingestiegen. Als Rosina erfährt, dass Almaviva und Lindoro eins sind, sieht sie sich am Ziel ihrer Wünsche. Gerade als sie fort wollen, kommt Basilio mit dem Notar. Ring und Pistole stimmen Basilio willens, den Ehekontrakt zwischen Almaviva und Rosina zu unterschreiben. Bartolo macht schließlich auch gute Miene zum bösen Spiel, als er vom Grafen die Mitgift von Rosina zum Geschenk erhält.

    • Aus dem Programmbuch

      Bettina Beutler-Prahm zur Enstehung von »Il barbiere di Siviglia«

      Die Uraufführung von Gioachino Rossinis komischer Oper »Il barbiere di Siviglia ossia la inutileprecauzione« fand am 20. Februar 1816, neun Tage vor dem 24. Geburtstag des Komponisten, im römischen Teatro Argentina statt. Rossini, Musikerkind aus Pesaro, war zu diesem Zeitpunkt bereits ein berühmter, wenn nicht der berühmteste Opernkomponist Europas. [...]

      Von den 34 von ihm komponierten Opern war der »Barbier« bereits Rossinis 17. Oper und sollte sein größter Triumph werden. Die Premiere rief einen der bekanntesten Skandale der Musikgeschichte hervor. Einem Bewunderer, der ihn Jahrzehnte später um eine kurze Beschreibung der Entstehung und der Uraufführung des »Barbier« gebeten hatte, schrieb Rossini 1860: »Ich wurde 1815 nach Rom bestellt, um am Teatro Valle die Oper »Torvaldo e Dorliska« zu komponieren, die recht erfolgreich war. Meine Sänger waren Galli, Donzelli und Remorini, die schönsten Stimmen, die ich je gehört habe. Duca Cesarini, der Besitzer des Teatro Argentina und sein Direktor während der gleichen Karnevalsspielzeit, fand die geschäftlichen Verhältnisse unbefriedigend und schlug mir vor, daß ich schnellstens eine Oper für das Ende der Saison schreiben solle. Ich nahm an und machte mich zusammen mit Sterbini, einem Schatzsekretär und Dichter, auf die Suche nach einem Stoff für die Dichtung, die ich vertonen sollte. Die Wahl fiel auf »Le Barbier«, ich machte mich an die Arbeit, und in 13 Tagen war ich fertig.

      Meine Darsteller waren Garcia, Zamboni und Giorgi Righetti, alle drei mutig. Ich schrieb einen Brief an Paisiello [Giovanni Paisiello hatte Beaumarchais‘ Stück mit Giuseppe Petrosellini als Librettisten ebenfalls vertont und bereits im September 1782 in St. Petersburg mit großem Erfolg zur Uraufführung gebracht] und erklärte ihm, daß ich nicht einen Wettkampf mit ihm eingehen wolle, da ich mir meiner Unterlegenheit bewußt sei, aber daß ich lediglich ein Thema behandeln wolle, das mir Freude mache und dabei nach Möglichkeit gleiche Episoden in seinem Eibretto vermeiden wolle. Nachdem ich diesen Verzicht gemacht hatte, glaubte ich mich gegen die Kritik seiner Freunde und seiner echten Bewunderer geschützt zu haben. Ich hatte Unrecht! Als meine Oper herauskam, stürzten sie wie wilde Tiere auf den bartlosen kleinen Maestro, und die erste Aufführung war eine der stürmischsten. Ich war aber nicht beunruhigt, und während die Zuschauer pfiffen, klatschte ich den Aufführenden zu. Nachdem der Sturm vorbei war, hat der »Barbier«, der ein »ausgezeichnetes Messer« (Beaumarchais) hatte, den Bart der Römer so gut rasiert, daß ich im Triumph getragen wurde.«
      [...]
      Diesen und weitere Artikel finden Sie im Programmbuch.

    • Pressestimmen

      Der unsterbliche Barbier kommt uns nicht spanisch vor
      Hin und wieder glückt jemandem irgendwo auf der Welt eine Inszenierung, mit der ein Werk so perfekt getroffen und gültig interpretiert ist, dass sie über Jahre hinweg weder veraltet noch langweilig wird. Dieses Wunder genialer Zeitlosigkeit gelang Ruth Berghaus 1968 mit Gioacchino Rossinis "Il Barbiere di Siviglia" an der Staatsoper. Der Witz, die Grazie und die unglaubliche Musikalität jener Aufführung überstand Generationen von Sängern, Dirigenten, Assistenten und auch den Fall der Mauer. Sie blieb kontinuierlich im Spielplan - nun gibt es in dieser Saison die 300. Vorstellung. Ruth Berghaus starb 1996, der Bühnenbildner Achim Freyer und der ursprüngliche Dirigent Otmar Suitner sind indes altwürdige Herren. Doch - Figaro hin, Figaro her - die Inszenierung hat nach wie vor keine grauen Haare.
      - Irene Bazinger, BERLINER ZEITUNG, 12.2.2009 -