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08. Mai 2015

Emma und Eginhard

Oper von Georg Philipp Telemann

René Jacobs und die Akademie für Alte Musik Berlin widmen sich erneut einem der viel zu selten gespielten Meisterwerke der deutschen Barockoper: einer romantisch-komisch-gesellschaftskritischen Liebesgeschichte vom Hofe Karls des Großen.

René Jacobs und die Akademie für Alte Musik Berlin widmen sich erneut einem der viel zu selten gespielten Meisterwerke der deutschen Barockoper: einer romantisch-komisch-gesellschaftskritischen Liebesgeschichte vom Hofe Karls des Großen.


In deutscher Sprache mit Übertiteln
Einführungsmatinee am 19. APR 2015

VORWORT
Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
  • Handlung

    Emma und Eginhard oder Die Last-Tragende Liebe

    Nach Telemanns Orpheus und Der geduldige Sokrates und Reinhard Keisers Croesus widmen sich René Jacobs und die Akademie für Alte Musik erneut einem der viel zu selten gespielten Meisterwerke der deutschen Barockoper. Emma und Eginhard oder Die Last-Tragende Liebe erzählt – mit vielen Verwicklungen und komisch-tragischen Spiegelungen angereichert – die Legende von der nicht standesgemäßen Liebesbeziehung einer Tochter Kaiser Karls des Großen zu seinem Geheimschreiber Einhard, bekannt als Verfasser der Karls-Vita. Es inszeniert die junge Regisseurin Eva-Maria Höckmayr.

    Damit keine Abdrücke von Männerschuhen zu ihrer Tür führen, trägt die Kaisertochter Emma ihren Liebhaber nach einer gemeinsam verbrachten Liebesnacht auf dem Rücken durch den frisch gefallenen Schnee und wird dabei von ihrem von Schlaflosigkeit geplagten Vater beobachtet – diese Szene kennen wir heute allenfalls aus einer satirischen Bildergeschichte Wilhelm Buschs. Im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert war die Legende von Emma und Eginhard – Eginhard ist die romanische Variante des Namens des in Deutschland meist Einhard genannten Verfassers der Karls-Vita und Vertrauten Karls des Großen – jedoch ein beliebtes Sujet.
    In seinem 1728 anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Hamburger Bürgeroper am Gänsemarkt für Telemann entstandenen Libretto erzählt Christoph Gottlieb Wend vor dem historischen Hintergrund der Sachsenkriege und höfischer Intrigen von den Gewissensnöten des zum engsten Vertrauten des Karls des Großen aufgestiegenen nicht-adeligen Eginhard, der sich plötzlich von dessen Tochter geliebt fühlt und erkennt, dass er diese Liebe auch erwidert. Zunächst wollen beide diese allen Anstandsregeln widersprechende und gefährliche Liebe nicht leben, schreiben sich dann aber doch in immer kürzerer Folge von Dienern überbrachte glühende Liebesbriefe, verbringen schließlich die Nacht miteinander und werden vom wütenden Kaiser entdeckt. Während Wend hier teils wörtlich aus den Helden-Briefe verliebter Personen von Stand des bedeutenden Barockdichters Christian Hofmann von Hoffmannswaldau zitiert, gelingt es ihm dank zahlreicher weiterer Figuren und seinem ausgeprägten Sinn für Situationskomik und die karnevalistischen Aspekte einer Geschichte, in der eine Prinzessin einen Bürger auf dem Rücken trägt, virtuos diese elegante und erotisch-anspielungsreiche Liebeslyrik mit grotesker Komik und einem Schuss herber Adelssatire zu verbinden. Immer wieder werden die Liebesverwicklungen der adeligen Figuren – neben Emma und Eginhard treten Karl der Große und Emmas Stiefmutter Fastrath, sowie ein als Geisel genommener sächsischer Prinz namens Heswin und eine fränkische Prinzessin namens Hildegard auf – durch Auftritte von gewitzten Dienerfiguren, lächerlichen Hofschranzen und eines schlagfertigen Hofnarren unterbrochen, kommentiert und satirisch beleuchtet. Ähnlich vielfältig ist Telemanns Musik; für jede Figur, ihren Stand und ihre Seelennöte findet er eine eigenen Ton, indem er, wie es gerade für die Hamburger Barockoper typisch ist, auf unterschiedlichste musikalische Idiome und Geschmacksrichtungen zurückgreift.
    Die Vielfalt ist jedoch keineswegs willkürlich. Alle Szenen und Figuren umkreisen aus unterschiedlichsten Perspektiven dieselbe Frage: Welche Art von Verbindung führt in eine glückliche Zukunft und ein tugendhaftes Leben? Ist es die spielerisch-galante Liebe? Oder eher die empfindsam-vernünftige Liebe? Eine standesgemäße Allianzehe? Eine Ehe, die sozialen Aufstieg bedeutet? Die tragisch-romantische Liebe? Eine Liebesheirat? Der Verzicht auf Liebe? Für die Liebe zu sterben?
    Dies sind zentrale Fragen des frühen 18. Jahrhunderts; sie weisen jedoch zugleich weit über diese weitgehend vergessene Epochenschwelle hinaus. Nicht zuletzt deshalb lohnt es sich, Emma und Eginhard oder Die Last-Tragende Liebe des lange Zeit zu Unrecht als »Vielschreiber« verunglimpften Opernkomponisten Telemann wiederzuentdecken.

    Mark Schachtsiek

  • Pressestimmen

    »Eine Inszenierung, die intelligent und glänzend unterhält und an der man sich kaum satt schauen kann.« Berliner Morgenpost, 28. April 2015

    »Ein vergessenes Juwel glänzt wieder in der Staatsoper« B.Z., 27. April 2015

    »René Jacobs und die Akademie für Alte Musik übernehmen einmal mehr glorios den Orchestergraben. Ihr Telemann-Klang hat einen schönen Drang nach vorne und glänzt dabei silbrig, die Akademisten stürzen sich mit Lust in halsbrecherische Corno-da-caccia-Attacken und gurrende Flauto-d'amore-Flirts«. Der Tagesspiegel, 28. April 2015

    »Das Herz des Abends schlägt in Robin Johannsen, die der Emma ein unentrinnbares Erröten schenkt. « Der Tagesspiegel, 28. April 2015

  • Programmheft