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28. September 2014

Des Simplicius Simplicissimus JugendKarl Amadeus Hartmann

Bilder einer Entwicklung aus dem deutschen Schicksal | Idee und Szenarium von Hermann Scherchen nach H. J. Chr. Grimmelshausen

1934 entdeckte Karl Amadeus Hartmann auf eine Empfehlung des Dirigenten Hermann Scherchen hin Grimmelshausens Roman als Opernstoff. Die im Dreißigjährigen Krieg spielende Geschichte habe ihn, sagte er später, sofort in ihren Bann gezogen, denn »da war ...

1934 entdeckte Karl Amadeus Hartmann auf eine Empfehlung des Dirigenten Hermann Scherchen hin Grimmelshausens Roman als Opernstoff. Die im Dreißigjährigen Krieg spielende Geschichte habe ihn, sagte er später, sofort in ihren Bann gezogen, denn »da war der einzelne hilflos der Verheerung und Verwilderung einer Epoche ausgeliefert«. Hartmann erkannte darin das Schicksal der eigenen Zeit – ein Jahr zuvor hatten die Nazis die Macht ergriffen. Hartmann, damals 29, sah hellsichtig, dass dies in die Katastrophe eines neuen Krieges führen würde. Er entschied sich für die innere Emigration und komponierte fortan für die Schublade. Aber auch die sinfonischen Werke, die Hartmann nach dem Zusammenbruch des »Tausendjährigen Reichs« bis zu seinem Tod 1963 schrieb, widmen sich den dunklen Seiten menschlicher Erfahrung.



    VORWORT
    Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
    • Handlung

      I. TEIL
      Der Sprecher ruft die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges in Erinnerung. Millionen von Menschen sind umgekommen. Nur einer weiß von alledem nichts: Simplicius Simplicissimus.
      1. Bild
      Der Bauernjunge Simplicius ist angehalten, die Schafe seines Vaters zu hüten. Nach kurzer Zeit schläft er ein – im Traum erscheint ihm die Vision eines Baumes, der von Personen verschiedener gesellschaftlicher Stände bevölkert ist. Als Simplicius erwacht, steht vor ihm ein Landsknecht, den er für den Wolf hält. Simplicius soll ihm den Weg zum Hof des Bauern zeigen.
      2. Bild
      Das Dorf wird von einer plündernden und brandschatzenden Soldateska überfallen. Simplicius’ Vater bricht zusammen, der Sprecher berichtet, wie die Landsknechte die Mord- und Gewalttaten begehen. Eine Spur der Verwüstung und des Elends bleibt zurück.

      II. TEIL
      1. Bild
      Der überlebende Simplicius trifft im Wald auf den Einsiedel, der sich in die Natur zurückgezogen hat. Auch in ihm sieht er zunächst den Wolf. Als ihm der fromme Mann jedoch zu essen gibt, legt sich seine Furcht. Simplicius möchte beim Einsiedel bleiben. Nachdem sich dieser nach der Herkunft des Jungen erkundigt und dessen offenkundige Einfalt erkannt hat, willigt er ein. Er lehrt ihn das Vaterunser und möchte ihn so unterweisen, dass ein guter Mensch aus ihm werde.
      2. Bild
      Zwei Jahre hat Simplicius beim Einsiedel gelebt und ist in allem Nötigen unterrichtet worden. Nun spürt der Einsiedel sein Ende nahen. Er bereitet sich sein Grab, ermahnt Simplicius, auch weiterhin ein gottgefälliges Leben zu führen, und nimmt Abschied von der Welt. Der tief betroffene Simplicius betrauert seinen Tod.
      3. Bild
      Ein Trupp Landsknechte und ein Feldwebel prahlen mit ihren Taten, die sie in der Stadt Gelnhausen vollbracht haben. Sie entdecken Simplicius, der sie nicht versteht und den sie nicht verstehen. Die Soldaten nehmen ihn gefangen und führen ihn mit sich fort.

      III. TEIL
      Der in Hanau residierende Gouverneur gibt ein Bankett. Man tanzt, trinkt und feiert. Der Landsknecht bringt den aufgegriffenen Simplicius zum Fest. Auch hier glaubt man, dass Simplicius ein Narr sei und amüsiert sich über seine vermeintlichen Scherze. Vom Gouverneur zu einer Rede aufgefordert, erinnert sich Simplicius an das Traumbild des Baumes aus seiner Zeit als Hütejunge. Er entwirft eine hierarchische ständische Ordnung, vom Adel auf den obersten Ästen bis hinunter zu den Bauern, Handwerkern und Tagelöhnern, die an den Wurzeln das gesamte Gewicht zu tragen haben, vor allem dasjenige des Kriegsvolks. Dieser Zustand – so Simplicius – wird jedoch nicht von Dauer sein, da sich die Unterdrückten schon bald gegen ihre Unterdrücker erheben werden. Und tatsächlich: Bewaffnete Bauern dringen in den Saal und töten den Gouverneur, den Hauptmann und den Landsknecht. Einzig Simplicius lassen sie am Leben. Der Sprecher wiederholt die mahnenden Worte des Beginns.

    • Pressestimmen

      »Mitglieder der Berliner Staatskapelle setzen die reizvoll-farbige Partitur unter der umsichtigen und präzisen Leitung von Adrian Heger ins beste Licht. Angeführt wird das Solistenensemble von Anna Alàs i Jové, die in der Titelrolle mit anmutigem Spiel und charakteristischer, in allen Lagen durchschlagskräftiger Stimme überzeugt. Musikalisch lohnt die Begegnung mit Hartmanns einziger abendfüllender Oper in der aufregenden Werkstattreihe unbedingt.« (Der Tagesspiegel, 30. September 2014)


      »Des Simplicius Simplicissismus Jugend ist großes Musiktheater. Es ist aktuell, es öffnet mehrere Perspektiven in den Koordinaten geschichtlicher Zeit. Das klar und anschaulich vorzuführen gelang der Inszenierung aufs Eindringlichste. Auch im Musikalisch-Technischen darf die Inszenierung als meisterlich gelten.« (Neues Deutschland, 30. September 2014)


      »Die Musiker der Staatskapelle Berlin unter Adrian Heger spielen mit viel Sinn für die komponierten Klangfarbenwechsel, Anna Alàs i Jové als Simplicius überzeugt mit ihrem klar geführten Sopran.« (Berliner Zeitung, 30. September 2014)


      »Die kleine Bühne in der Werkstatt des Schiller Theater läßt einen Musiktheater in größtmöglicher Nähe erfahren. Die Inszenierung ist wohldurchdacht, fesselnd und technisch auf hohem Niveau. Musikalisch wie szenisch handelt es sich um eine herausragende Darbietung.« (junge welt, 30. September 2014)