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25. September 2013

VertrauenssacheErnst Krenek

Kammeroper von Ernst Krenek

»What Price Confidence?« oder, in Ernst Kreneks eigener Übersetzung, »Vertrauenssache« ist eine Kammeroper in neun Szenen, zu der der Komponist auch das Libretto schrieb. Die kleine Gesellschaftskomödie ist im London des frühen 20. Jahrhunderts angesiedelt ...

»What Price Confidence?« oder, in Ernst Kreneks eigener Übersetzung, »Vertrauenssache« ist eine Kammeroper in neun Szenen, zu der der Komponist auch das Libretto schrieb. Die kleine Gesellschaftskomödie ist im London des frühen 20. Jahrhunderts angesiedelt und weist in ihrem romantisch-sentimentalen Helden Edwin auf einen Typus hin, der in Max aus Kreneks Jahrhunderterfolg »Jonny spielt auf« seinen Vorgänger hat. Gleichzeitig ist das Werk aber auch Herman Melville verpflichtet, insbesondere dessen Gesellschaftssatire »Maskeraden oder Vertrauen gegen Vertrauen«. Dieser amerikanische Klassiker hatte es Ernst Krenek anscheinend angetan, denn auch seine zwei folgenden Opern »Dark Water« und »The Bell Tower« gehen auf Erzählungen Melvilles zurück.

Krenek komponierte »Vertrauenssache« im Winter 1944/45 in St. Paul in den USA; es war sein zweiter Versuch, eine spezifisch »amerikanische« Oper zu schreiben. Die Metropolitan Opera hatte sich ein leicht zu realisierendes Tournee-Stück gewünscht, und daraus erklärt sich die Kammerbesetzung mit nur vier Sängern und einem Klavier. Dann aber fanden die Sänger nicht mehr die Zeit, das Werk in der erhofften und notwendigen Qualität zu realisieren, und so kam »What Price Confidence?« erst 1960 auf die Bühne. Allerdings war Krenek von den Qualitäten seiner Kammeroper so überzeugt, dass er beschloss, sie beim Bärenreiter-Verlag herausgeben zu lassen. Und dadurch blieb ihr das Schicksal so vieler anderer Krenek-Werke erspart: im Strudel des 20. Jahrhunderts unterzugehen.

Der Witz des Stückes besteht in der Überkreuzung verschiedener Lebensauffassungen, wobei sich Krenek, ähnlich wie Mozart in »Così fan tutte«, jedes moralischen Kommentars enthält. Gloria wirft ihrem Mann seine misstrauische Natur und mangelndes Selbstvertrauen vor. Woraufhin Edwin verspricht, in einer Art Schicksalsprobe der nächsten ihm begegnenden Person sein Vertrauen zu schenken. Zur gleichen Zeit leidet Richard darunter, dass seine Frau Vivian so gar nicht eifersüchtig ist. Doch sie erwidert nur: »Ich habe vollkommenes Vertrauen – in mich. Wie sollte ich dir sonst vertrauen?« Später aber kommen ihr Zweifel, und sie beschließt, in einem Experiment auf Leben und Tod herauszufinden, ob sie auch einem anderen Menschen ein solches Selbstvertrauen einflößen kann.

Es kommt, wie es kommen muss: Die vier Protagonisten treffen überkreuz aufeinander, und nach einer turbulenten Handlung, in der es um Spielschulden und Juwelen, ungedeckte Schecks und unausgeführte Selbstmorde geht, finden die Paare zu einer bitteren Schlusserkenntnis: »Nichts ist so teuer wie Vertrauen!« – »Ja, sicher. Aber wer zahlt den Preis?«


voraussichtlich 0:45 h | keine Pause
VORWORT
Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn

KLEINE NACHTSCHICHT
im Anschluss an die Vorstellungen am 28 | 29 SEP und 06 OKT 2013 jeweils um 21.30 Uhr.
MEHR: www.staatsoper-berlin.de/de_DE...
  • Pressestimmen

    »Die wunderbar ausbalancierte Mischung der Stimmen befördert noch die Überzeugungskraft der doppelbödigen Umsetzung durch Regisseur Neco Çelik. Stets lässt der Kontrast zwischen Edwins (Timothy Sharp) Ringen nach innerer Festigkeit und Glorias (Narine Yeghiyans) ironisch-scharfkantiger Virtuosität die kreneksche Ambivalenz durchschimmern, die Günther Albers vom Klavier aus in ein wohltuend luftiges Gewand hüllt. Leichtfüßiger Fluss verhindert jede Schwere und lässt die atonale Faktur wie Salonmusik klingen.«
    (Der Tagesspiegel, 23. September 2013)

    »Kammeropern dieses Taschenformats scheint die wandelbare Werkstattbühne der Staatsoper ein ausgesprochen zuträgliches Ambiente zu bieten. Frei von den Dimensionen und Assoziationen der traditionellen Oper erlaubt das Understatement des rudimentär ausgestatteten Raums, der wie ein unbeschriebenes Blatt wirkt, Miniaturen wie Kreneks ›Vertrauenssache‹, ihre volle Wirkung zu entfalten.«
    (Die Deutsche Bühne, 23. September 2013)

    »Kammeropern dieses Taschenformats scheint die wandelbare Werkstattbühne der Staatsoper ein ausgesprochen zuträgliches Ambiente zu bieten. Frei von den Dimensionen und Assoziationen der traditionellen Oper erlaubt das Understatement des rudimentär ausgestatteten Raums, der wie ein unbeschriebenes Blatt wirkt, Miniaturen wie Kreneks ›Vertrauenssache‹, ihre volle Wirkung zu entfalten.«
    (Die Deutsche Bühne, 23. September 2013)