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31. Mai 2014

Punch and JudyHarrison Birtwistle

A Tragical Comedy or a Comical Tragedy

Als »brutalisiertes Kasperletheater mit surrealistischen Elementen« bezeichnete der Opernkenner Ulrich Schreiber einst Harrison Birtwistles »Punch and Judy«. Und das ist gar nicht so abwegig: Zum einen sind die handelnden Figuren die englischen Pendants ...

Als »brutalisiertes Kasperletheater mit surrealistischen Elementen« bezeichnete der Opernkenner Ulrich Schreiber einst Harrison Birtwistles »Punch and Judy«. Und das ist gar nicht so abwegig: Zum einen sind die handelnden Figuren die englischen Pendants zu den deutschen Kasper- und Hanswurst-Figuren, zum anderen prägt ein bizarrer, teils regelrecht »schwarzer« Humor das Bühnengeschehen.

Der abendfüllende Einakter, vom Komponisten im Untertitel paradoxerweise »A Tragical Comedy or a Comical Tragedy« genannt, sorgte anlässlich seiner Uraufführung bei Benjamin Brittens Musikfestival in Aldeburgh 1968 für einen veritablen Skandal. Verantwortlich dafür waren sowohl die nicht unbedingt leicht verdauliche Handlung, bei der sich u. a. Punch als Serienmörder entpuppt, als auch die mit grellen Farben arbeitende, manchmal geradezu aggressiv wirkende Musik. »Punch and Judy« ist ein »Theater der Grausamkeiten« mit zahlreichen Verweisen auf die Musikgeschichte, sei es die italienische Opera seria, seien es die Bach’schen Passionen oder Strawinskys scharfkantige »Geschichte vom Soldaten«. Bei alledem ist Birtwistles Musik hoch originell, witzig, frech und beweist Sinn für Skurrilitäten und Abgründe – das Werk eines damals »jungen Wilden« der britischen Avantgarde.



    VORWORT
    Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn