X

21. Dezember 2013

Orpheus in der UnterweltOrphée aux enfers

Operette von Jacques Offenbach | Fassung von Christoph Israel und Thomas Pigor

Eine Operette in ungewöhnlicher Gestalt – ohne großes Orchester, dafür mit Combo-Klängen und schrägem Witz. Der Opern-, Theater- und Filmregisseur Philipp Stölzl kreierte 2011 mit Schauspielern und Sängern einen »neuen Offenbach«.

Die Ehe zwischen ...

Eine Operette in ungewöhnlicher Gestalt – ohne großes Orchester, dafür mit Combo-Klängen und schrägem Witz. Der Opern-, Theater- und Filmregisseur Philipp Stölzl kreierte 2011 mit Schauspielern und Sängern einen »neuen Offenbach«.

Die Ehe zwischen Orpheus und Eurydice ist absolut unerträglich geworden. Eurydice, Tochter eines real existierenden Halbgotts, hat sich leider den ödesten Mann Griechenlands ans Bein gebunden. Außer der Einführung des Hexameters hat er nichts Nennenswertes auf die Reihe bekommen. Es reicht. Längst hat man sich in die Arme anderer vielversprechender Liebhaber geflüchtet. Doch dann stirbt Eurydice und ist mit ihrem Geliebten Pluto »mal eb'n über die Wupper«.

Die absurd-witzige Neubearbeitung des Librettos von Thomas Pigor und das Arrangement für kleines Orchester von Christoph Israel bringen die Respektlosigkeit ihres originalen Vorbilds voll zur Geltung. Ganz im Sinne Offenbachs treten fünf manchmal leidenschaftlich singende Schauspieler auf, während die virtuose Gesangskunst Eurydice vorbehalten bleibt.


In deutscher Sprache
2:35 h | inklusive 1 Pause
  • Handlung

    ERSTER AKT

    Szene 1 | Vor Aristeus Hütte
    Orpheus und Eurydice, das Vorzeigepaar der Antike, haben sich auseinander gelebt. Orpheus, ambitionierter Geiger und Erfinder des Hexameters, betrügt seine Frau mit allerlei Nymphen und Eurydice ist in den Schäfer Aristeus verliebt. Beide sind sich einig, dass eine Scheidung die beste Lösung wäre. Doch damit ist die Öffentliche Meinung überhaupt nicht einverstanden, sie appelliert an die Moral der Eheleute und hält sie an, sich mit der Situation zu arrangieren.

    Eurydice weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sich hinter ihrem Geliebten Aristeus eigentlich Pluto, der Gott der Unterwelt, verbirgt. Sein Ziel ist es, Eurydice in die Unterwelt zu entführen, was ihm mithilfe einer giftigen Schlange auch gelingt. Orpheus ist mehr als zufrieden mit dieser Entwicklung und meint sich nun ganz ungestört seinen Nymphen widmen zu können. Doch wieder macht ihm die Öffentliche Meinung einen Strich durch die Rechnung. Sie zwingt ihn, seiner antiken Rolle gerecht zu werden und Eurydice zu retten. Die Öffentliche Meinung und Orpheus fliegen daraufhin in die Welt der Götter.

    Szene 2 | Auf dem Olymp
    Bei den Göttern auf dem Olymp herrscht nach einer offenbar ausgelassenen Nacht Katerstimmung. Der oberste Gott Jupiter hat sich mit anderen Frauen vergnügt und gerät mit seiner Gattin Juno in Streit. Sie beschuldigt ihn, Eurydice entführt zu haben und auch die anderen Anwesenden unterstützen diesen Verdacht. Jupiter leugnet vehement.

    In der Zwischenzeit sind Orpheus und die Öffentliche Meinung im Olymp angekommen. Nach kurzfristiger völliger Verwirrung klären sich die Verhältnisse und Pluto wird als Entführer Eurydices entlarvt. Obwohl Pluto alles leugnet, spricht Jupiter Eurydice offiziell Orpheus zu. Zudem beschließt Jupiter mit allen Beteiligten in die Unterwelt zu reisen, um den Fall gänzlich aufzuklären.


    ZWEITER AKT

    Szene 3 | Höllengrotte
    Eurydice ist von der Eintönigkeit der Unterwelt gelangweilt und erbost darüber, dass sich Pluto nicht ausreichend um sie kümmert. Dazu kommen die unangenehmen Avancen ihres betrunkenen Bewachers Styx.

    Währenddessen führt Pluto seine Mitreisenden durch die Unterwelt. Sie treffen auf Eurydice, die von Plutos Verhalten schwer enttäuscht ist. Jupiter verliebt sich sofort in die schimpfende Eurydice. Völlig von Sinnen überlegt er wie er Eurydice am besten erobern könnte. Die anderen Götter raten ihm, sich in eine Ziege zu verwandeln, da sich Eurydice schon einmal in den Geruch des Pluto in Gestalt des Hirten Aristeus verliebt hatte. Jupiter versteht allerdings statt Ziege Fliege und wird so zum Insekt.

    Als Fliege verführt er Eurydice und die beiden entscheiden sich für eine gemeinsame Zukunft. Um die Unterwelt über den einzigen Weg durch den Ballsaal verlassen zu können, verwandelt Jupiter auch Eurydice in eine Fliege.

    Szene 4 | Ballsaal in der Hölle
    Ein von Pluto veranstaltetes Höllenfest mit Musik, Tanz und Wein ist in vollem Gange. Jupiter und Eurydice kommen immer noch als Fliegen dazu und wollen fliehen. Pluto bemerkt das Vorhaben und will diesen Schritt verhindern. Juno erscheint und Jupiter muss vom eigentlichen Plan ablenken. Er bestraft Pluto für die Entführung Eurydices, wiederholt schweren Herzens sein Urteil und gibt Eurydice an Orpheus zurück. Einzige Bedingung ist, dass sich Orpheus auf dem Weg aus der Hölle nicht zu Eurydice umdreht. Trotzdem schaut er zurück und damit ist die Ehe der Beiden gänzlich, aber glücklich verloren. Eurydice muss zu ihrer eigenen und aller Anwesenden Freude in der Unterwelt bleiben.

  • Pressestimmen

    »Was im Schillertheater unter Offenbachs Name aufgeführt wird, ist ein Text des Kabarettisten Thomas Pigor, gespielt von Leuten, die zum Besten gehören, was das deutschsprachige Kino und Fernsehen zurzeit zu bieten hat. Hans-Michael Rehberg, Stefan Kurt, Gustav Peter Wöhler, Ben Becker und Cornelius Obonya. Rehberg vor allem steuert mit seinem Totenwächter Styx, der hier nicht der »Prinz von Arkadien«, sondern von »Nord-Lappalien« ist, einen emotionalen Höhepunkt voller Melancholie bei. Die anderen lassen einfach ihrer puren Spielfreude freien Lauf. Das ist hinreißend komisch bei Stefan Kurts Orpheus, putzig bei Wöhlers Jupiter und von donnernder Bühnenpräsenz bei Beckers Pluto.« (taz vom 19.12.2011)

    »Die Stärke der Regie ist, dass sie nicht auf das altherkömmliche Operettenmodell setzt, sondern ihre Lebendigkeit aus Revuevorlagen und Einflüsterungen des Kabaretts saugt. Sorgfalt herrscht, Überlegung, Könnerschaft.« (Berliner Morgenpost vom 19.12.2011)

    »Stefan Kurt als Orpheus landet virtuos näselnd einen Witz nach dem anderen. Hans-Michael Rehberg aber als John Styx ist durch sein Spiel auf so anmutige Weise plemplem, dass er durch das Gekicher hindurch zu rühren vermag als einer, der seine Welt verlor und dazu noch Schaden nahm an seiner Seele.« (FAZ vom 19.12.2011)

    »Die Berliner Staatsoper hat aus Offenbachs »Orpheus« eine kurzweilige Revue greller Späße gemacht. Die Götter über und unter der Erde vertreiben sich die Zeit mit karnevalistischem Klamauk. Passend dazu das Bühnenbild als Popup-Bilderbuch. Die zusammengeschlagenen riesigen Bilderbuchseiten auf dem Boden und rundherum werden je nach Bedarf mit Seilwinden von den Revuegöttinnen aufgezogen. So öffnet sich die Unterwelt aus wackelndem Pappmaschee und gibt den Blick frei an Tropfsteinsäulen vorbei auf den Totenfluss Styx oder auf ein Varieteambiente in Jupiters Himmel.« (Deutschlandfunk vom 17.12.2011)

    »In der Hölle ist der Teufel los in Philipp Stölzls unglaublich komischer Inszenierung in der Schiller-Oper. Das bunte Bühnenbild klappt wie Kinderbücher auf und zu. Die neuen Texte von Thomas Pigor sind der Brüller und die singenden Schauspieler der Hit! Ein herrlicher Spaß, mit viel Gejuchze, grad recht zum Fest!« (B.Z. vom 17.12.2011)