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21. Juni 2014

Macbeth

Tre atti senza nome von Salvatore Sciarrino

Im Fokus des diesjährigen Festivals für Neues Musiktheater INFEKTION! steht der aus Palermo stammende Komponist Salvatore Sciarrino, der als Autodidakt bereits in den 1960er Jahren eine unverwechselbare Klangästhetik, jenseits serieller Denkmuster entwickelte ...

Im Fokus des diesjährigen Festivals für Neues Musiktheater INFEKTION! steht der aus Palermo stammende Komponist Salvatore Sciarrino, der als Autodidakt bereits in den 1960er Jahren eine unverwechselbare Klangästhetik, jenseits serieller Denkmuster entwickelte und zu den bedeutendsten Vertretern der Neuen Musik gehört. Seine 2002 uraufgeführte Kammeroper Macbeth bezeichnete er schlicht als »Drei namenlose Akte«. Nach der Dramenvorlage William Shakespeares, geht es hierin um das Prinzip der Wiederkehr des Immergleichen, des Bösen und der Gewalt. Ein doppelter Sinn ergibt sich auf musikalischer Seite, da Sciarrino sich in seinem »Macbeth« ganz bewusst mit den »klassischen« Vorbildern auseinandersetzt, die er, wie der Komponist selbst es formuliert, als An- oder Abknüpfungspunkt, immer brauche. »So werfen die Gräber der Musik wieder Mozart und Verdi aus«, kommentiert Sciarrino die auftauchenden Zitate aus den Opern »Don Giovanni«, »Macbeth« und »Un ballo in maschera«.

Ein wahres Highlight bietet bereits die Wahl des Aufführungsortes: Jürgen Flimm wird dieses Werk im ehemaligen Orchesterprobensaal der sich derzeit in Sanierung befindlichen Staatsoper Unter den Linden inszenieren.



    In italienischer Sprache
    2:00 h | keine Pause
    VORWORT
    Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn

    ADRESSE
    Baustelle der Staatsoper Unter den Linden
    Orchesterprobensaal
    Unter den Linden 7
    10117 Berlin

    HINWEIS
    Der Eingang zum Orchesterprobensaal befindet sich über den Baustellenzugang Unter den Linden 3-5/Oberwallstraße zwischen dem Kronprinzen- und dem Prinzessinnenpalais.

    › STADTPLAN

    Der Zugang ist nicht barrierefrei.

    Um festes Schuhwerk wird gebeten.
    • Pressestimmen

      »Otto Katzameier lebt in der Titelrolle, seit er sie in der Schwetzinger Uraufführung kreiert hat. Mit Jürgen Flimm begreift er den Macbeth als einen gebrochenen Mann von Anfang an, der fast stirbt vor Angst, bevor er mordet. Maskenhaft trägt er sein Kreuz auf der Stirn, und gesanglich trifft er die verhetzten und weiten Intervalle mit unbeirrbarer Kondition. Dieser Sängerdarsteller trägt wesentlich dazu bei, dass die Weihe des Kunstraums auf der Baustelle ein Fest ist. Das Publikum feiert die Aufführung mit einem Beifall, der zu Herzen geht.«
      (Der Tagesspiegel vom 23. Juni 2014)

      »Kongenial spielen der halbfertige Raum, ein brillantes Ensemble unter Regisseur Jürgen Flimm und die vielschichtige, nie ermüdende Komposition zusammen. Macbeth, als Schwächling erschütternd wahrhaftig und wunderschön gesungen vom Bassbariton Otto Katzameier, scheitert an seinem Gewissen. Seine Lady singt und spielt Carola Höhn so fies, so intrigant, so eisern böse, dass eine Glenn Close in Gefährliche Liebschaften dagegen naivlieb wirkte. Die Seelenqualen des Macbeth, seine Grausamkeit und sein Scheitern verwoben mit den Geschichten der Toten und der nachfolgenden Mächtigen hat Staatsopernintendant Jürgen Flimm in düstere und poetisch schöne Bilder gesetzt.«
      (ARD Hörfunk, 21. Juni 2014)

      »David Coleman leitet die Partitur mit Emphase. Mit faszinierender stimmlicher Ausdrucksbreite gestaltet Otto Katzameier die Titelpartie. Großartig, wie Carola Höhn die Wahnsinnsszene gestaltet. Sehr intensiv auch Katharina Kammerloher als Sergeant, Fleance, Mörder und Wachsoldat. Nach knapp zwei Stunden jubeln die 120 Besucher den Künstlern zu und spenden insbesondere dem anwesenden Komponisten Ovationen.«
      (Berliner Morgenpost, 23. Juni 2014)

      »Salvatore Sciarrinos Musik erzählt genau von den Zuständen des Mannes und seiner Frau, die Schottlands König und seine Getreuen ermorden, aber zu warmblütig sind, diese Tat zu verkraften. Carola Höhn - hoch und leicht singend, tief und voll sprechend - macht das so virtuos wie ein weiblicher Klaus Kinski in einem Edgar-Wallace-Krimi. Otto Katzameier als Macbeth ist mit der klingenden Sprechakt-Malerei Sciarrinos ohnehin schon so verwachsen, dass er dieses Wimmern und Stöhnen, dieses hysterische Überschlagen ins Jodelregister bewältigt mit der Leichtigkeit einer Kaffeehauskonversation. Die Instrumentalisten erweitern diesen Klangraum des Hechelns und Zitterns, des Schwellens und Bellens mit großer Kunst und einigem Vergnügen.«
      (Berliner Zeitung, 23. Juni 2014)

      »Von den beiden getrennten Orchestern, die Sciarrinos Partitur verlangt, spielt eines durch die offene Tür von draußen. Wundersame lyrische Korrespondenzen ergeben sich daraus unter den Musikern und Sängern, Echos, skelettierter Ausdruck, Flageoletts und Klappengeräusche, verfremdete oszillierende Klänge. Die Macht des Tons (etwa des Cellos) dominiert in der Hörlandschaft, die David Robert Coleman beherrscht. Er ist ein Dirigent, der mit der Musik atmet. Hervorragende Partner hat er in der Gruppe Opera Lab Berlin.«
      (Der Tagesspiegel vom 23. Juni 2014)