X

21. Juni 2014

LohengrinSalvatore Sciarrino

Azione invisibile per solista, stromenti e voci

Sciarrinos »Azione invisibile per solista, stromenti e voci« von 1982 gehört zu seinen erfolgreichsten Werken und gilt zugleich als ein Eckpfeiler seines reiferen Schaffens. In »Lohengrin« zeigen sich idealtypisch die radikale Reduktion der Klangereignisse ...

Sciarrinos »Azione invisibile per solista, stromenti e voci« von 1982 gehört zu seinen erfolgreichsten Werken und gilt zugleich als ein Eckpfeiler seines reiferen Schaffens. In »Lohengrin« zeigen sich idealtypisch die radikale Reduktion der Klangereignisse und die extreme Stilisierung, die Sciarrinos Werk unverwechselbar machen. Die dramaturgische Konzeption ist überaus anspruchsvoll: »Die Töne sind bereits Theater. Das Drama dessen, was man hört, bringt Wirkung mit sich, ein Gast des Raumes.« Literarische Quelle ist Jules Laforgues »Lohengrin, fils de Parsifal«, den der 26jährige Dichter gemeinsam mit fünf weiteren Parodien berühmter Archetypen 1886 veröffentlichte. Salvatore Sciarrino reduzierte und gestaltete den Text drastisch um. Dabei tilgte er fast gänzlich die frivolen Aspekte, die satirisch eingesetzten Redundanzen und das enzyklopädische Feuerwerk des Originals, behielt jedoch das nächtliche Ambiente und den sich immer wieder durchdringenden Kontrast von Dunkelheit und Helligkeit bei.

Die Musikdramaturgie sucht und findet ihre Wirkung in der geradezu gnadenlosen Reduktion auf das Wesentliche. Fast kaum zu realisieren ist der Gesang. Die Solostimme muss sich auf eine Kompletterkundung des stimmlichen Ausdrucks einlassen: vom eigentlichen Wort über den Laut und das Geräusch bis hin zum Seufzer – und dies ununterbrochen, während sie von einer psychischen Situation in die andere hinübergleitet. Ähnliches gilt für den kleinen Männerchor, der quasi instrumental eingesetzt wird. Das klein besetzte Orchester ist meist extrem ausgedünnt und beschränkt sich oft auf einfache Klangbänder, wenn es nicht überhaupt über lange Strecken schweigt. Als Protagonist agiert es nur an theatralisch kritischen Punkten – dann interveniert es mit äußerster Vehemenz. Ansonsten bleibt es im wesentlichen ein Echo der Worte. Meist »hören« wir also die Geschichte durch die geschlossenen (invisibile) Augen der Protagonistin Elsa. Dadurch stellt »Lohengrin« an uns die Forderung, die Wirklichkeit von Musik mehr denn je durch unvoreingenommenes Hören zu entdecken.


      VORWORT
      Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn