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22. April 2014

Le Vin herbéDer Zaubertrank

Weltliches Oratorium von Frank Martin

Als ein persönliches Schlüsselwerk, in dem er seine eigene Sprache gefunden habe, empfand Frank Martin sein »Le Vin herbé«. Nach dem Roman »Tristan et Iseut« von Joseph Bédier schuf er sein kammerartiges profanes Oratorium zum Drama um die beiden Liebenden Tristan und Isolde.

Als ein persönliches Schlüsselwerk, in dem er seine eigene Sprache gefunden habe, empfand Frank Martin sein »Le Vin herbé«. Nach dem Roman »Tristan et Iseut« von Joseph Bédier schuf er sein kammerartiges profanes Oratorium zum Drama um die beiden Liebenden Tristan und Isolde.



    Mitglieder der Staatskapelle Berlin
    In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
    1:40 h | keine Pause
    VORWORT
    Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
    • Handlung

      Der PROLOG kündigt das Lied von Liebe und Tod des Ritters Tristan und der Königin Iseut an.


      ERSTER TEIL : Der Liebestrank

      Iseut wird von Tristan auf einem Schiff nach Cornwall gebracht. Gegen ihren Willen soll sie dort mit König Marc, dem Herrn und Onkel Tristans, verheiratet werden.

      Aus Kräutern, Blumen und Wurzeln braut Iseuts Mutter heimlich den für die zukünftig Vermählten bestimmten Zaubertrank.

      Sie bittet Iseuts Gefährtin Branghien, diesen dem Hochzeitspaar vor der Hochzeitsnacht zu reichen: Nur König Marc und Königin Iseut sollen ihn trinken, damit sie sich lieben mit allen Sinnen, im Leben und im Tod.

      Auf dem Schiff dürstet es Iseut. Tristan versucht, seine zukünftige Königin zu trösten. Eine junge Dienerin, die den Zaubertrank versehentlich als Wein gegen den Durst hält, überreicht Iseut den gefüllten Becher. Iseut und Tristan leeren ihn in langen Zügen. Jäh entflammt in beiden die Leidenschaft und lässt sie in unbezwingbarer Liebe zueinander entbrennen. Verzweifelt entdeckt Branghien als Erste das Versehen: Sich selbst verfluchend, eröffnet sie Tristan und Iseut das Geheimnis des Kräuterweins, der Liebe und Tod bringe.

      Währenddessen nähert sich das Schiff dem Land König Marcs.


      ZWEITER TEIL : Der Wald von Morois

      König Marc und Iseut heiraten.

      Durch Intrigen erfährt er von der heimlichen Liebe zwischen seiner Königin Iseut und Tristan.

      Auf der Flucht vor der morddrohenden Rache des Königs, dringt das Liebespaar in den tiefen Wald von Morois. Dort führen sie ein raues Leben. Eines Tags überrascht König Marc auf seiner Verfolgung das ruhende Paar. Dabei bemerkt er, dass zwischen den beiden Schlafenden Tristans Schwert liegt. Tief berührt erkennt er die Wahrhaftigkeit dieser Liebe, verzeiht ihnen und verschont sie vorm Tod durch seine Hand. Aus dem Schlaf erwacht, erkennen Tristan und Iseut die durch König Marc widerfahrene Gnade. Seiner Schuld bewusst, bittet und betet Tristan um die Kraft, dem König die Gemahlin zurück zu geben. Auch Iseut klagt sich ihrer Untreue an; beide beschließen, sich zu trennen.


      DRITTER TEIL : Der Tod

      Herzog Hoël bietet Tristan Iseut die Weißhändige an, damit er seine Geliebte Iseut vergesse. Tristan willigt in diese Heirat ein.

      Eines Tages wird Tristan lebensbedrohlich verwundet. Seinem Tode nah, wünscht er nach seiner geliebten Iseut, da nur sie ihn heilen könne. Er bittet Kaherdin, Iseut diese Bitte zu überbringen. Iseut die Weißhändige belauscht deren Gespräch und erfährt, dass bei glücklicher Rückkehr des ausgesandten Schiffes ein weißes Segel gesetzt sein solle, und ein schwarzes jedoch, wäre Iseut nicht an Bord.

      Tristans letzten Wunsch erfüllend, begibt sich Iseut auf die Reise zum Geliebten.

      Die Fahrt ist beschwerlich. Unwetter und spätere Windnot behindern den Fortgang. Doch das Schiff hat weiße Segel gesetzt.

      Rachsüchtig meldet Iseut die Weißhändige dem Sterbenden, dass das nahende Schiff schwarze Segel gehisst habe. Tristan stirbt.

      Als Iseut Land betritt, vernimmt sie allerorten Totenklagen und Glockengeläut.

      Auf Tristans Totenbett legt sie sich in Umarmung zu ihm und stirbt. Davon berührt und erschüttert, lässt König Marc beide nebeneinander bestatten.


      Der EPILOG beendet die Sage und verkündet im Namen aller Dichter dieses Epos’, dass es für alle Liebenden Trost gäbe: »... gegen das Unrecht, gegen den Verdruss, gegen die Qual und gegen alle Leiden der Liebe ...«

    • Pressestimmen

      »Es war ein kalt-sengendes Feuer, das Franck Ollu mit nur acht Musikern im Orchestergraben entzündete - zusammen mit dem poetischen Minimalismus von Katie Mitchell entstand so ein Abend von unmittelbarer Wirkung, von düsterem Zauber und bedrückender Schönheit.« (Deutschlandfunk, 26. Mai 2013)

      »Überraschend zart von Katie Mitchell auf die Bühne gestellt, ergibt Frank Martins Oratorium einen feinen Kontrapunkt im laufenden Wagner-Jahr. Anna Prohaskas Isolde sticht heraus, allein wegen ihrer das stille Ritual beinahe sprengenden Erregbarkeit. Matthias Klinks Tristan ist vollends dem Schicksal ergeben und darin unbedingt glaubwürdig. Der Bass Ludvig Lindström verkörpert einen würdevollen König Marke aus der Mitte des Lebens.« (Der Tagesspiegel, 27. Mai 2013)

      »Wenn Katie Mitchell das Stück in einem verfallenen Theater mit zerrissenem Vorhang und geplatzten Scheinwerfern ansiedelt, gespielt von zwölf Flüchtlingen in Mantel und Hut, dann zeigt sie, was ›Le Vin herbé‹ auch ist: ein Alternativ-›Tristan‹ in der Zeit des schlimmsten Wagner-Missbrauchs. Statt Wagners ›Unendlicher Melodie‹ schreibt Frank Martin formelhafte Melodiemodelle. Die Musik betäubt nicht durch Reichtum, im Gegenteil muss man ihren Reichtum unter der monochromen Oberfläche erst entdecken. Das gelingt in dieser Produktion hervorragend.« (Berliner Zeitung/Frankfurter Rundschau, 27. Mai 2013)

      »Franck Ollu dirigiert das kleine Ensemble und man muss sich die Ohren reiben, dass es wirklich nicht mehr Musiker sind - eine Sattheit des Klanges, die auch die Archaik der Chorpassagen attraktiv ummantelt.« (RBB Kulturradio, 27. Mai 2013)

      »Wenn dieses Oratorium so präzise, ohne vom Kern der unglücklichen Liebe wegführend, in Szene gesetzt wird wie jetzt in der Berliner Staatsoper, dann gewinnt diese Geschichte auf dem Theater eine zusätzliche Eindringlichkeit und lässt den Besucher äußerst berührt zurück.« (Märkische Oderzeitung, 27. Mai 2013)

      »Ein Theater meditativer Kraft, in dem Epos, Lyrik und Drama sich reduziert in der Schwebe halten. Überragend im starken Ensemble das Liebespaar: Anna Prohaska als betörende Iseut im Timbre stiller Verzückung und Matthias Klink als ihr Tristan der unbedingten Leidensfähigkeit« (Süddeutsche Zeitung, 7. Juni 2013)