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16. März 2014

Klavierrecital

Piotr Anderszewski

Der aus Warschau stammende Piotr Anderszewski gehört zu den interessantesten Pianisten seiner Generation und gilt international als Experte für das deutsch-romantische Repertoire. Nun gastiert er mit einem Klavierrecital im Schiller Theater und spannt ...

Der aus Warschau stammende Piotr Anderszewski gehört zu den interessantesten Pianisten seiner Generation und gilt international als Experte für das deutsch-romantische Repertoire. Nun gastiert er mit einem Klavierrecital im Schiller Theater und spannt in seinem Programm einen weiten Bogen, von Bach über Beethoven und Schumann bis zu Leoš Janáčeks »Auf verwachsenem Pfade«.

1735 veröffentlichte Johann Sebastian Bach den zweiten Teil seiner insgesamt vierteiligen Stilstudie mit dem Titel »Clavierübung«. Interessanterweise wählte er für die hierin enthaltene »Ouvertüre nach Französischer Art« ausgerechnet die Form der Orchestersuite nach dem Vorbild Jean-Baptiste Lullys.

Stets beteuerte Robert Schumann den Einfluss Bachs auf sein eigenes kompositorisches Schaffen und bemerkte, als er 1838 in Leipzig seine autobiografisch geprägten »Novelletten« komponierte: »Namentlich ist es sonderbar, wie ich fast Alles canonisch erfinde und wie ich nachsingende Stimmen immer erst hinterdrein entdecke, oft auch in Umkehrungen, verkehrten Rhythmen«. Analog zur literarischen Form der »Novelle« sollten hierin »größere zusammenhängende abenteuerliche Geschichten« erzählt werden. Von besonderer Innigkeit ist die achte und letzte Novellette, in der Schumann seine Frau Clara als »Stimme aus der Ferne« skizzierte.

Auch Leoš Janáčeks »Auf verwachsenem Pfade« trägt autobiografische Züge. So stürzte der Tod seiner Tochter Olga 1903 den Komponisten in eine tiefe Krise. In dem 10teiligen Klavierzyklus beschreibt er seine Erinnerungen und den Schmerz des Verlustes.

Als Ludwig van Beethoven seine 31. Klaviersonate op. 110 komponierte, war er ebenfalls in einer krisenhaften Lebenssituation und klagte über die Gelbsucht, von der er 1821 befallen war sowie die ihm lästigen »Brod-Arbeiten«. Dennoch verstand er es hieraus künstlerisches Kapital zu schlagen, denn sowohl die Krankheit als auch die anschließende Genesung fanden programmatisch Einzug in das Werk.


JOHANN SEBASTIAN BACH
»Ouvertüre nach Französischer Art« BWV 831

ROBERT SCHUMANN
Aus den »Novelletten« op. 21, Nr. 8 fis-moll

(Pause)

LEOŠ JANÁČEK
»Auf verwachsenem Pfade« (»Po zarostlém chodníčku«), Zweite Reihe

LUDWIG VAN BEETHOVEN
Sonate für Klavier Nr. 31 As-Dur op. 110
ca. 1:40 h | inklusive 1 Pause