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15. Dezember 2013

Il trovatore

Oper von Giuseppe Verdi

»IL TROVATORE ist ein Emotionsgewitter« - Philipp Stölzl inszeniert Verdi

Er hat an den Münchner Kammerspielen Bühnenbildner gelernt, wurde mit Videos für Rammstein und Madonna berühmt und ist als Filmregisseur nach »Nordwand« und »Goethe!« in die ...

»IL TROVATORE ist ein Emotionsgewitter« - Philipp Stölzl inszeniert Verdi

Er hat an den Münchner Kammerspielen Bühnenbildner gelernt, wurde mit Videos für Rammstein und Madonna berühmt und ist als Filmregisseur nach »Nordwand« und »Goethe!« in die Hollywood-Liga aufgestiegen. Als Opernregisseur hat Philipp Stölzl, dessen Erfolgsstück »Orpheus in der Unterwelt« weiterhin im Repertoire der Staatsoper bleibt, nun seinen ersten Verdi inszeniert: »Il trovatore«.



    In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
    2:40 h | inklusive 1 Pause
    VORWORT
    Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
    Eine Koproduktion der Staatsoper Unter den Linden mit den Wiener Festwochen
    • Handlung

      Im Spanien des 15. Jahrhunderts ist ein Thronfolgestreit zwischen dem Infanten Ferdinand und dem Herzog von Urgel entbrannt. Graf Luna ist ein Parteigänger des Infanten, während Manrico die Truppen des aufständischen Urgel unterstützt. Beide lieben zudem die Hofdame Leonora. Was die jungen Widersacher nicht wissen können, ist, dass sie zugleich Brüder sind, weil Manrico vor 15 Jahren von einer Zigeunerin geraubt und als deren eigenes Kind aufgezogen wurde.

      1. TEIL – Das Duell

      Graf Luna bewacht jede Nacht eifersüchtig den Balkon seiner Angebeteten. Ferrando, ein Hauptmann des Grafen, erzählt seinen Soldaten derweil Schauriges aus der Geschichte des Hauses Luna. Der alte Graf hatte nämlich zwei Söhne, von denen der jüngere von einer Zigeunerin verhext wurde, die man deswegen auf dem Scheiterhaufen hinrichtete. Die Tochter dieser Zigeunerin habe anschließend aus Rache den verhexten Jungen entführt und verbrannt. Der jetzige Graf – also der Bruder des entführten Kindes – habe seinem Vater schwören müssen, sein Leben lang nach der Mörderin zu suchen. Und noch jetzt spuke der Geist der alten Zigeunerin im Schloss.

      Tiefe Nacht. Inez will ihre Herrin Leonora an ihre höfischen Pflichten erinnern. Doch diese gesteht ihr, dass sie noch Manrico erwartet. Sie habe sich in den jungen Mann verliebt, als er ein Turnier gewann, ihn dann aber aus den Augen verloren. Jetzt sei er aus dem Krieg zurückgekommen und bringe ihr nächtliche Ständchen. Schon erklingt aus dem Dunkel Gesang. Ekstatisch eilt Leonora ihrem Troubadour entgegen, fällt aber in der Dunkelheit Luna in die Arme. Als Manrico zornig erscheint, erkennt der Graf in ihm nicht nur seinen Nebenbuhler, sondern auch seinen politischen Feind im Bürgerkrieg. Ein Duell auf Leben und Tod findet statt, aber der siegreiche Manrico bringt es letztlich nicht über sich, den Grafen zu töten.

      2. TEIL – Die Zigeunerin

      Morgendämmerung. Irgendwo fernab haust eine Schar von Zigeunern.
      Die alte Azucena wird seit Langem durch die Erinnerungen vom Flammentod ihrer Mutter gequält. Sie erzählt ihrem verwundetem Sohn Manrico, wie sie damals den Sohn des Grafen entführt, dann aber ihr eigenes Kind ins Feuer geworfen habe, weil sie durch den Tod ihrer Mutter verwirrt war. Manrico folgert entsetzt, dass er demnach nicht der Sohn Azucenas sein könne, aber diese versteht es, ihn mit Ausflüchten abzulenken.

      Ein Bote kommt: Manrico solle die Verteidigung der Festung Castellor übernehmen. Leonora hingegen werde in ein Kloster eintreten, weil sie ihren Geliebten seit dem Duell für Tod hält. Manrico ist außer sich und eilt gegen den Widerstand seiner Mutter fort.

      Graf Luna lauert vor dem Kloster. Dort will er Leonora entführen, die sich auf ihre Einkleidung vorbereitet. Ein unübersichtlicher Kampf entbrennt, als auch Manrico mit seinen Truppen eintrifft. Schließlich gelingt es Manrico, Leonora nach Castellor zu entführen.

      3. TEIL – Der Sohn der Zigeunerin

      Luna belagert mit seinen Truppen die Festung Castellor, die von Manrico verteidigt wird. Vor den Mauern treibt sich Azucena auf der Suche nach ihrem Sohn herum. Sie wird als Spionin aufgegriffen und vor Luna geführt. Doch Ferrando erkennt in der Zigeunerin die Frau, die damals den jüngeren Bruder des Grafen entführt und verbrannt hat. Azucena wird gefoltert und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

      Manrico und Leonora bereiten eine Nothochzeit auf der Burg vor, als unerwartet die Nachricht von Azucenas Verurteilung eintrifft. Manrico beschließt, seine Mutter zu retten.

      4. TEIL – Die Hinrichtung

      Manricos Befreiungsschlag missglückt. Er selbst ist nun mit seiner Mutter eingekerkert; weithin hört man seine traurigen Lieder. Leonora, die entkommen konnte, will ihn befreien. Sie erscheint beim Grafen Luna und bittet ihn, Manrico zu begnadigen. Als er ablehnt, bietet sie sich selbst als Preis für Manricos Leben an. Der Graf gibt sofort nach, weil er hofft, endlich am Ziel seiner Wünsche zu sein. Doch heimlich nimmt Leonora Gift ein, um der Leidenschaft des Grafen zu entgehen.

      Im Gefängnis wird die sterbende Azucena von düsteren Visionen gequält. Manrico gelingt es, sie zu besänftigen; beide träumen von der alten Heimat. Schon stark geschwächt erscheint Leonora im Kerker und will Manrico zur Flucht überreden. Weil sie aber nicht mitfliehen will, glaubt Manrico, dass sie ihn betrogen habe. Erst als sie in seinen Armen stirbt, begreift er, dass sie sich für ihn geopfert hat.

      Luna, der die Szene beobachtet hat, will nun kurzen Prozess machen und lässt seinen Nebenbuhler hinrichten. Erst als dieser tot ist, verrät ihm Azucena, dass er seinen Bruder getötet habe. Sie hat nun ihre Mutter gerächt. Der Graf bleibt fassungslos zurück.

    • Pressestimmen

      »Treibhaus der Gefühle: Anna Netrebko und Placido Domingo feiern Triumph mit Verdis ›Il trovatore‹.« (Der Tagesspiegel | 02.12.2013)

      »Sängerfest an der Berliner Lindenoper. Plácido Domingo hat immer noch ab der Mittellage aufwärts großartiges Tenormetall im Forte zu bieten, egal, wie baritonal er sich abdimmt. Gaston Rivero als Manrico hat Schmelz und Durchschlagskraft. Die Prudenskaya singt überwältigend, sie liefert ein beklemmendes Rollenporträt ab. Und alle werden überstrahlt von der Netrebko. Diese Sängerin ist, jeder Zoll und jede Sekunde, den erhöhten Eintrittspreis dreifach wert. Jeder Ansatz, jedes Crescendo, jede Geste, jedes Pianissimo, jeder Triller: Es passt.« (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung | 01.12.2013)

      »Geradezu sensationell ist Daniel Barenboims Debüt in der Leitung dieses Werks. Im Klang zugleich bestimmt und ohne Härten, im Tempo strikt und dennoch melodisch atmend, die Sänger sensibel begleitend und zugleich die Musik führend, gelingt hier ein ›Trovatore‹, dessen schlagende Qualitäten in den Arien und Chören nicht einfach abgerufen werden, sondern von Grund auf neu durchdacht sind.« (Berliner Zeitung | 02.12.2013)

      »Daniel Barenboim und die Staatskapelle begleiten so feinfühlig, so aufmerksam, mit so spannungsreich gesetzten Pausen, so weichen Wiedereinsätzen, dass man in diesem Strom manchmal nur besinnungslos mitschwimmen möchte.« (FAZ | 02.12.2013)

      »Und dann tritt die Leonora im vierten Akt für ihre große Liebesarie an die Rampe und jeder im Saal spürt, dass die berühmteste Sopranistin unserer Tage einen atemberaubenden Auftritt vorbereitet. Netrebkos Stimme ist makellos, zärtlich, die Koloraturen freizügig girrend, aufblühend. Dieses letzte Aufbäumen zwischen Leben und Tod wird zum Triumph, mit Ovationen wird die Netrebko an der Rampe festgehalten. Sie verharrt reglos, in sich gesunken.« (Berliner Morgenpost | 02.12.2013)

      »Daniel Barenboim erschafft wunderbare Momente im Leisen. Dann erzählt dieser grandiose Musiker jede Menge über das Personal, deren Motive und Emotionen. Immer leicht ungeduldig, oft an gern übersehenen Nebenstimmen oder Akkordfolgen interessiert, bringt er einen ungewöhnlichen, aber stets faszinierenden Verdi zum Vorschein.« (Süddeutsche Zeitung | 02.12.2013)

      »Was also ist das Geheimnis von Oper? Nach ihrer letzten großen Arie, nach einem unendlich traurigen, unendlich langen Schlusston sinkt Anna Netrebko in ihrem weißen Nonnenkostüm auf die Knie, und das Publikum fängt an zu jubeln, Szenenapplaus. Netrebko kniet an der Rampe, die Augen niedergeschlagen, die Leute klatschen und klatschen, aber sie zeigt keine Regung. Barenboim, keine zehn Meter von ihr entfernt, hält ergriffen inne, sieht zu ihr hinüber. Da schaut Netrebko für den Bruchteil einer Sekunde auf und ihre Blicke treffen sich. Sie kennen das Geheimnis.« (Die Welt | 02.12.2013)