X

02. April 2014

Die Blinden/Die VerwandlungPaul-Heinz Dittrich

Texte nach dem Theaterstück von Maurice Maeterlinck und der gleichnamigen Erzählung von Franz Kafka

Wer sich in der DDR dem oktroyierten Stilideal des Sozialistischen Realismus verweigerte, wurde von den Machthabern misstrauisch beäugt. Musiktheatralische Werke von Komponisten wie dem 1930 geborenen Paul-Heinz Dittrich hatten es schwer, auf die Bühne ...

Wer sich in der DDR dem oktroyierten Stilideal des Sozialistischen Realismus verweigerte, wurde von den Machthabern misstrauisch beäugt. Musiktheatralische Werke von Komponisten wie dem 1930 geborenen Paul-Heinz Dittrich hatten es schwer, auf die Bühne zu kommen. Dittrich bezog sich in seinen szenischen Kompositionen u. a. auf Autoren wie Franz Kafka oder Maurice Maeterlinck, die als sogenannte »Dekadente« dem offiziellen Kulturweltbild der DDR nicht entsprachen. Seine Bühnenwerke, die er trickreich »szenische Kammermusiken« nannte, kamen daher an opernfernen Häusern heraus. Auch Dittrichs Umsetzung von Kafkas Erzählung »Die Verwandlung«, geschrieben für fünf Vokalisten, einen Sprecher, einen Pantomimen und drei Instrumentalisten, wurde 1984 zwar von der Berliner Staatsoper produziert, aber in der (Ost-)Akademie der Künste aufgeführt. Ähnliches passierte Dittrich zwei Jahre später mit seiner Vertonung von Maeterlincks »statischem Drama« »Die Blinden« (für fünf Sprecher und sechs Instrumente), deren Uraufführung im Berliner Ensemble stattfand. Angeregt durch Adorno rückte Dittrich in den 1980er Jahren in seinem Komponieren von klassischen Formen und linearem Denken ab. Mit Hilfe von Auswahlprinzipien wie z.B. der Häufigkeit von Konsonanten und Vokalen übertrug er seine literarischen Vorlagen in Tonmaterial.

Mit diesem Doppelabend setzt die Werkstatt- Bühne nach Friedrich Goldmanns »R. Hot bzw. Die Hitze« und Reiner Bredemeyers »Der Neinsager« erneut den Fokus auf jenes Opernschaffen, das in den Zeiten des Kalten Krieges hinter der Mauer entstand.


Mitglieder der Staatskapelle Berlin und der Orchesterakademie bei der Staatskapelle Berlin
In deutscher Sprache
ca. 1:30 h | keine Pause
VORWORT
Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
  • Pressestimmen

    »Paul-Heinz Dittrichs szenische Kammermusiken haben es in sich: Verrätselt sind sie, düster, ahnungsvoll, von einer atemberaubenden Komplexität, aus denen unvermittelt virtuose Klangschönheit ausbricht und wieder verstummt. Das ist sperrig, aber spannend, eher episch als dramatisch – und damit ziemlich heutig. Was Regisseur und Ausstatter Thomas Goerge mit seinem faszinierenden Raum aufgreift: Ein Schau-Labyrinth ist dieser Raum in der Werkstatt des Schiller-Theaters, eine Kunstinstallation voller Rätselbilder und Verweise.«
    (Berliner Morgenpost, 1. April 2014)

    »Ein toller Erfolg. Minutenlanger Beifall. Außerordentliche Leistungen der Interpreten. Die Regie hervorragend. Ein Raum, so originell ausgestaltet, dass es eine Lust war, den Spielenden darin zuzuschauen und zu lauschen. Paul-Heinz Dittrich, der große alte Meister der Neuen Musik, nahm den Erfolg dankbar entgegen.«
    (Neues Deutschland, 2. April 2014)

    »Komponisten aus der DDR brauchen heute mutige Mentoren. An der Lindenoper wird jetzt an die erlesene Musik von Paul-Heinz Dittrich erinnert.«
    (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. April 2014)

    »Ein völlig neues Raumempfinden. Die Atmosphäre: surreal. Ein Tisch hängt kopfüber von der Decke, das Essen noch darauf. Vinylplatten, von Spazierstöcken aufgespießt. Partituren prangen an der Wand, Schwarzlicht. Beklemmung und Bedrohung breiten sich aus wie Gift. Dazu ein Bläserquintett: scharfzüngiges Flötenspiel, schrilles Oboenpfeifen, ein Cembalo, das unter Frank Gutschmidts Händen fast elektrisch klingt.«
    (Der Tagesspiegel, 1. April 2014)