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  • Pressestimmen Premieren 2011/2012

    Ausgewählte Pressestimmen zu »Dionysos« von Wolfgang Rihm
    (Premiere: 08. Juli 2012)


    »Mit Rihm und Meese haben zwei kongeniale Kinder zu einer hinreißend fröhlichen und unterhaltsamen Aufführung zusammengefunden, der gar nichts heilig ist … Meeses Bilder übersetzen Rihms musikalische Sprache überaus präzise in ein Medium, in dem sie sich voll ausleben darf. Beide sind auf ernsthafte Weise ironisch, weil sie Distanz schaffen, ohne sich über ihren Gegenstand lustig zu machen. Ein wunderbares Beispiel modernen Musiktheaters.« (taz, 10.7.2012)

    »Es ist ein Traumspiel der faszinierendsten Art, auskomponiert mit aller Wucht und Verve. Ingo Metzmacher leitet das Orchester mit dem Höchstmaß an Verständnis und Leidenschaft an. Er liefert den Träumen (und Albträumen) Rihms die unermüdlich fesselnde musikalische Grundlage.« (Berliner Morgenpost, 10.7.2012)

    »Diese starke Wölbung der Stirn, über der das Haar gleich einer gebrochenen Welle zurücksinkt, die dunklen Höhlen, in denen ein glimmendes Augenpaar mehr zu ahnen denn zu sehen ist, der gewaltige Schnauz, der eher ein Tier als Träger vermuten lässt als einen Menschen. Das Bild Nietzsches ist eine Ikone – und es muss nur ganz kurz aufleuchten auf dem Gazevorhang, um seine Wirkung zu entfachen … Und Ingo Metzmacher dirigiert - mit glühender Begeisterung.« (Der Tagesspiegel, 10.7.2012)

    »Ingo Metzmacher dirigiert das großartig: Er lässt in allen Anspielungen den inneren Zusammenhalt der Rihmschen Musik spürbar werden und findet unter der Oberfläche einen weiträumigen Schwung, der die Partitur zusammenhält.« (Berliner Zeitung, 10.7.2012)

    »Rihm lässt die Peitsche knallen, Trommeln wirbeln wie ein Erdbeben. Gut zwei Stunden sorgt er für ein faszinierendes Klangbild mit wunderschönen Gesangslinien, großen dynamischen Spannungen und wachsender Entfremdung. Nietzsche-Phantasien als selbstzerstörerischer Höhenflug. Ingo Metzmacher und die Staatskapelle setzen das farbig um. Ein wichtiges Werk..« (Braunschweiger Zeitung, 10.7.2012)

    »Die Sopranistin Mojca Erdmann überzeugte mit Leichtigkeit und Schönheit bis in die allerhöchsten Töne noch funkelnd leuchteten und der leicht erkältete Bariton Georg Nigl konnte das Zurücknehmen seiner Stimme bestens überspielen… Die Staatskapelle Berlin zeigte sich in Bestform. Öffnete intime Einsichten als dienender Begleiter und schuf klangvolle dichte Räume für den Ausbruch großer Gefühle.« (NDR Kultur, 9.7.2012)




    Ausgewählte Pressestimmen zu »Don Giovanni« von Wolfgang Amadeus Mozart
    (Premiere: 24. Juni 2012)


    »Donnerwetter! Geradezu auf den letzten Drücker der Opernsaison strahlt ihr Höhepunkt auf: der 'Don Giovanni' Mozarts in der Staatsoper.« (Berliner Morgenpost, 26.6.2012)

    »Guths Inszenierung ist spannend bis zum Schluss. Was die Figuren machen (es wird von allen grandios gespielt), bezwingt in jedem Moment.« (Berliner Zeitung, 26.6.2012)

    »Wenn Daniel Barenboim den Taktstock zum ersten gewaltigen Musikschlag erhebt, meint man geradezu, die Türen zu einer Neudeutung des unsterblichen Werkes aufspringen und sich geschlagene dreieinhalb Stunden lang nicht mehr schließen zu hören.« (Berliner Morgenpost, 26.6.2012)

    »Claus Guth inszeniert seinen „Don Giovanni“ als mega-spannendes Beziehungsdrama im dunklen Wald. Keine Sekunde langweilig. Allerdings auch wegen der hohen musikalischen Qualität dieser Mozart-Premiere im Schiller Theater. Dafür sorgen Daniel Barenboim, die Staatskapelle und ein herausragendes Sängerensemble.« (B.Z., 25.6.2012)

    »Maltmans Bariton bleibt bis zum Schluss kräftig, markant, dämonisch.« (Der Tagesspiegel, 26.6.2012)

    »Daniel Barenboim und die Staatskapelle präsentieren ihrerseits einen feurigen, lebendig ausgestalteten Mozart.« (Der Tagesspiegel, 26.6.2012)

    »Christian Schmidt hat das aufwendige, auf der Drehbühne immer wieder rotierende Waldbühnenbild gebaut. Man kann sich nicht satt an ihm sehen, so spektakulär ist es ausgefallen.« (Berliner Morgenpost, 26.6.2012)

    »Durch dieses Gefühls-Dickicht sang und spielte sich das Ensemble hinreißend komisch (Schrott) und leidenschaftlich (Dorothea Röschmann als Donna Elvira).« (BILD, 25.6.2012)

    »Die Aufführung mündet in Großartigkeit und erringt sich endlosen Jubel.« (Berliner Morgenpost, 26.6.2012)




    Ausgewählte Pressestimmen zum Gastspiel der Staatskapelle Berlin in Wien II

    »Was die Staatskapelle diesmal leistete, war in seiner klanglichen Harmonie berauschend… Daniel Barenboim hat aus seiner Berliner Staatskapelle (…) das beste Orchester der deutschen Hauptstadt gemacht. Wie einst die Philharmoniker unter Karajan, exerziert jetzt die Staatskapelle atemberaubendes Einvernehmen mit ihrem künstlerischen Leiter.« (Die Presse, 12.6.2012)

    »Mit Gelassenheit baut Barenboim Bruckners gewaltige Architekturen in überlebensgroßer Monumentalität auf; spannt weite Bögen und türmt in den typischen Steigerungswellen gleichsam einen Block auf den anderen bis hin zur zermalmenden Entladung. Seinem leidenschaftlichen Einsatz folgte dieses Spitzenensemble mit Hingabe. Helle Begeisterung.« (Wiener Zeitung, 13.6.2012)

    »Auch bei Bruckners 'Fünfter' gelang eine Aufführung, bei der man das Gefühl hatte, es gehe um Leben und Tod, als setzten die Musizierenden alles auf eine Karte. Der Staatskapelle Berlin ist nicht nur die Freude und die Hingabe zur Musik anzusehen und anzuhören, neben der überdeutlichen Leidenschaft ist es die Freude und der Ernst am Erschaffen von großer Kunst, die diese Menschen zu einem besonderen Klangkörper eint.« (Kronen Zeitung, 14.6.2012)

    »Mozarts 'Krönungskonzert' führte das Publikum auf eine Reise in nie gehörte Welten: Es blitzte, leuchtete, strahlte in verschiedensten Farben. Neben der Technik überzeugte Barenboim mit seiner Gabe, die Überraschungen und Wendungen der Mozart'schen Musik so zu spielen, als habe er sie selbst noch nie gehört.« (Kronen Zeitung, 14.6.2012)

    »Bruckner selbst wollte seine Symphonien im Konzertsaal, und Barenboim zelebriert ihm ein überragendes Fest. Diese Vierte ist in jeder Hinsicht eine Offenbarung, denn Barenboim lässt alle Stimmgruppen mit einem phänomenalen Aufbau ihre Klänge ausreizen… Hier erfüllt sich triumphal der innere Zeitraum, wie das eine aus dem anderen hervorwächst (Bruckner), in einer memorialen Sternstunde!« (Dolomiten Zeitung, 14.6.2012)

    »Die Staatskapelle Berlin ist ein ebenso exzellenter wie zuverlässiger Klangkörper und entfacht schon deshalb fantastische Wirkungen. Der Jubel für Maestro und Orchester kannte keine Grenzen.« (Der Standard, 18.6.2012)

    »Der Maestro dirigierte und spielte Mozarts A-Dur-Konzert auf faszinierende Weise: Bravourös, mit feinfühligem Anschlag und bestechender Schlichtheit. Und das Orchester bewährte sich bestens auf dem musikalisch so glatten 'Mozart-Parkett', auf dem so mancher guter Klangkörper bisweilen ausrutscht. Ein wahrer Triumph für die Musik.« (Kurier, 18.6.2012)

    »Mystische Momente und Verklärung stellt Barenboim bei Bruckners „Neunter“ gegen dramatische Entladungen, gegen fast schon theatralisch empfundene Szenen und Episoden. Kraftstrotzend hämmert das Scherzo, wunderbar entrückt gelingt ihm der dritte Satz mit all seiner Sehnsucht, Abgeklärtheit und Resignation. Großes Finale.« (Kronen Zeitung, 18.6.2012)




    Ausgewählte Pressestimmen zu »Rappresentatione di Anima et di Corpo« von Emilio de' Cavalieri
    (Premiere: 08. Juni 2012)


    »Die Ästhetisierung der theologischen Botschaft gelingt Achim Freyer mehr als nur überzeugend. Das Ensemble besticht durch musikalische Inspiration und vokale Genauigkeit. So entsteht der in Kontrasten choreographierte Rhythmus aus Kostümen und Bewegung, Gestik, Mimik, Stimmen, die in anderthalb Stunden Dauer Verzauberung hervorrufen.« (Süddeutsche Zeitung, 11.6.2012)

    »Aus Cavalieris ‚Rappresentatione’ wird bei Achim Freyer und René Jacobs in Berlin ein altes Mysterienspiel, ein ‚großes Welttheater’ mit eigener Mechanik, eine formal strenge, doch heitere Gaukelei. René Jacobs, der das alles federnd und anmutig dirigiert, hat viel Phantasie in der instrumentalen Ausstattung walten lassen. Frank Markowitsch hat den wandlungsreich und deutlich singenden Staatsopernchor einstudiert. Und die Solisten sind ein Hochgenuss.« (FAZ, 11.6.2012)

    »Aus dem im Ganzen wohlklingenden Ensemble ragen hervor: Johannes Weisser als Corpo, in seiner Verwundbarkeit kostümiert wie ein durchbohrter Heiliger Sebastian, Marie-Claude Chappuis als Anima mit einer schönen Echo-Szene, in der sie den Himmel befragt, Gyula Orendt als Tempo, sehr präsent trotz Indisposition, Marcos Fink mit dunkler Farbe als Mondo und zur Strafe für seine Verführungen als Anima dannata. Besonders eindringlich in Gesang und Darstellung der Mozart-Tenor Mark Milhofer als Intelletto/Piacere. Dazu der Staatsopernchor, exzellent vorbereitet von Frank Markowitsch und eingebunden in das musikalische Spiel als Madrigal- und Höllenchor. Ein Zaubermärchen in musikalischer Gloriole im Schiller Theater.« (Der Tagesspiegel, 10.6.2012)

    »Musikalisch geht schon von der Generalbassgruppe mit vier Harfen, drei Lauten, Orgel und Cembalo ungeheure Pracht aus, von der übrigen Akademie für Alte Musik Berlin ganz zu schweigen, die hier die innigsten Klänge entwickelt. Bei aller Opulenz werden die Sänger und der klein besetze Staatsopernchor auf Händen getragen.« (Berliner Zeitung, 9.6.2012)

    »René Jacobs brachte das Werk in eine Fassung, die von den Experten der Akademie für alte Musik Berlin mustergültig stilgetreu und in farbiger Klangschönheit aufgeführt werden kann. So entstand ein Gesamtkunstwerk, das 90 Minuten lang das reine Vergnügen für Ohren und Augen ist. Stürmischer Applaus des Premierenpublikums.« (taz, 11.6.2012)



    Ausgewählte Pressestimmen zum Gastspiel der Staatskapelle Berlin in Wien I

    »Mit begeistertem Applaus begann am Donnerstag im Musikverein eines der ambitioniertesten Projekte der diesjährigen Festwochen, zugleich ein Höhepunkt im Jahr des 200-jährigen Bestehens der Gesellschaft der Musikfreunde.« (Kurier, 9.6.2012)

    »Die Staatskapelle Berlin, Orchester des Opernhauses Unter den Linden, und ihr Chefdirigent auf Lebenszeit haben Bruckners Erste in unangreifbarer Vollkommenheit verwirklicht, klanglich zwischen allen Gruppen ideal austariert und auch in den wuchtigsten Höhepunkten niemals derb oder knallig. Auf dem Weg zur Meisterschaft!« (Wiener Zeitung, 9.6.2012)

    »Barenboim interpretierte die Erste so, als hätte Bruckner danach doch noch die Abzweigung zum Opernkomponisten genommen: dauerdynamisiert, handfest theatralisch. Die vielen Crescendi, Akzente, Schweller wurden flugs ins Forte geführt und strotzten vor fleischlicher Festigkeit: du, holde Brunst. « (Der Standard, 9.6.2012)

    »Bruckners "Erste" wird fulminant inszeniert. Welche Gipfelstürme! Solide das Klanggeflecht. Jubel! « (Kronen Zeitung, 9.6.2012)

    »Dass Barenboim seine Individualität, ja seinen Eigensinn als Interpret auch dirigierend auf die Spitze zu treiben imstande ist, hat er jüngst mit den Wiener Philharmonikern bei Debussy demonstriert. Bei Mozart gelingt es ihm nicht minder erstaunlich: Wenn er etwa die Musik am Beginn der Durchführung des Stirnsatzes fast zum Stehen bringt, um mit rhetorisch insistierenden Pausen auf die ungeheuerlichen harmonischen Abenteuer aufmerksam zu machen, in die Mozart seine Hörer schickt.« (Die Presse, 9.6.2012)



    Ausgewählte Pressestimmen zu »Moskau Tscherjomuschki« von Dmitri Schostakowitsch
    (Premiere: 02. Mai 2012)


    »Über die begrüßenswerte Stadtpädagogik hinaus ist es auch musikalisch wichtig, ‚Moskau – Tscherjomuschki’ wieder auf die Bühne zu bringen, damit sich das Klischee von Schostakowitsch als dem Schmerzensmann unter Stalins Knute nicht verfestigt.«
    (FAZ, 7.5.2012)

    »Die jungen Sänger des Projekts ‚Charlottengrad’ sind der Motor und das Glück dieser Produktion. Dieser Projektchor ist eine Wucht.«
    (RBB Kulturradio, 3.5.2012)

    »Ein ganz und gar großartiger Projektkinderchor namens Charlottengrad streute in Schostakowitschs Plattenbau-Operette ‚Moskau Tscherjomuschki’ Konfetti, ließ Seifenblasen schweben und sang famos im Mao-Blaumann. Endlich wurde eine Berliner Repertoirelücke geschlossen.«
    (Die Welt, 7.5.2012)

    »Ralf Böhmes Arrangement der Partitur für Bläser-Combo (und zwei tapfere Streicher) passt gut zur ‚Moskau Tscherjomuschki’-Aufführung der ‚Jungen Staatsoper’ in der Werkstatt des Schillertheaters, weil sie einerseits verdichtet und gleichzeitig wie improvisiert klingt.«
    (Der Tagesspiegel, 5.5.2012)

    »Ursula Stigloher steht am Pult einer kleinen, vorzüglich aus lautstarken Bläsern zusammen­gequetschten Kapelle. Adriane Queiroz setzt sich mühelos an die Spitze der hörenswert besetzten Singpartien.«
    (Berliner Morgenpost, 4.5.2012)

    »Maria, Philipp und all die anderen Jugendlichen mischen sich im heiteren Dreivierteltakt von Schostakowitsch souverän und gesanglich stark unter die Solisten. Profis und Laien kommen am Premierenabend zu einem gelungenen Ganzen zusammen. Ein Abend für Jugendliche, aber auch für Erwachsene.«
    (RBB Inforadio, 3.5.2012)



    Ausgewählte Pressestimmen zu »Lulu« von Alban Berg
    (Premiere: 31. März 2012)


    »Dirigent Daniel Barenboim, streng wie ein Höllenfürst, lädt zur Besichtigung von Abgründen der Leidenschaft. Dabei hilft ihm die fürs Orchester grandiose Akustik im Schillertheater. Fast klingt Barenboims Deutung von Alban Bergs unvollendeter zweiter Oper so, als hätte nicht der grelle Provokateur Frank Wedekind den Text dazu geliefert, sondern als hätte der noch grellere und noch provokantere Charles Baudelaire seine ‚Fleurs du mal’ zur Vertonung freigegeben. Die Staatskapelle agiert prägnant und solistisch wie ein Kammerensemble, dröhnt aber auch, tänzelt, lockt, droht, kreischt, betört, täuscht… So wird der staunende Hörer durch fahle Welten voll wunderlicher Erscheinungen geführt.«
    (Süddeutsche Zeitung, 3.4.2012)

    »Mojca Erdmann leiht der Lulu in Berlin ihre glatte, kühle Pamina-Stimme mit den anbetungswürdig treffsicheren Höhen. Das Sängercasting ist absolut osterfestspiel­würdig.«
    (FAZ, 2.4.2012)

    »Die ‚Lulu’-Welt ist ein wirres Panoptikum, doch so traumhaft wie jetzt in der Berliner Staatsopern-Premiere hat man sie selten gesehen. Andrea Breths Inszenierung begibt sich als konsequente Choreografie der Erinnerung. Barenboim lässt den schneidenden Gestus des Schreckens aus der sensationell virtuosen Staatskapelle so ungehemmt hereinfahren, als entsetze sich die Musik vor dem Stoff, den sie vertont. Ein sensationeller Abend.«
    (Rheinische Post, 2.4.2012)

    »Wahrscheinlich hat Alban Berg selbst nicht geglaubt, dass irgendeine Sängerin alles singen kann, was er in die Rolle seiner Lulu hineingeschrieben hat. Er kannte Mojca Erdmann nicht. Sie kann das alles nicht nur irgendwie über die Rampe bringen, sie kann es singen. Mit vollkommen beherrschter, klarer Stimme selbst in jenen Höhen, die eigentlich nicht mehr singbar sind, und passt ihr Timbre mühelos allen Gattungen an, mit denen Berg herumgespielt hat, als der dieses seltsame Stück schrieb… Statt erneut einzutauchen in den schwülen Sexualdunst der (literarischen) Vorlage, hat Andrea Breth das Stück einer close lecture unterzogen… Das ist keine Sekunde langweilig. Das liegt vor allem daran, dass Breths Methode auch Alban Berg von der erdrückenden Last einer angeblich bedeutsamen Männerfantasie befreit hat. Ebenso frei kann Daniel Barenboim nun mit seiner Staatskapelle den unglaublich weiten Horizont dieser Musik öffnen… In Berlin ist die ‚Lulu’ ein Abenteuer des Verstandes geworden, nicht des Gefühls.«
    (taz, 3.4.2012)

    »Andrea Breths Inszenierung gehört zum Intensivsten, was zur Zeit auf Berliner Opernbühnen zu sehen ist… Im Orchester herrschen Reichtum und Differenz. Die ingeniöse Konstruktion dieser Musik verbergen Daniel Barenboim und die Staatskapelle hinter einer grandios auf ihren gestischen Ausdruck gebrachten und harmonisch lustvoll ausgehörten Interpretation.«
    (Frankfurter Rundschau/ Berliner Zeitung, 2.4.2012)

    »Ein Meilenstein in Andrea Breths Karriere.«
    (Nürnberger Nachrichten, 3.4.2012)

    »Das Wunder in Breths Inszenierung ist, wie sie zwischen all diesen Abgründen das Menschsein und Menschbleiben sucht. Das Wunder im Orchestergraben ist, das Barenboim und die Staatskapelle Seelisches nach außen wenden und dabei so treffsicher in der Differenzierung, so hellwach, feurig, durchdrungen im kammer­musikalischen Miteinander sind, dass am Ende nur ein begeistertes Staunen ist.«
    (Märkische Allgemeine Zeitung, 2.4.2012)




    Ausgewählte Pressestimmen zu »Al gran sole carico d'amore« von Luigi Nono
    (Premiere: 01. März 2012)


    »Das Mysterium lebt in Nonos Klangsprache, die dem Meer gleicht, mit seiner gespannten Stille, seinen Wellen, die alles Gegenständliche auflösen und im Fluss halten, unaufhörlich … Mit Ingo Metzmacher wacht ein umsichtiger Dirigent über die Partitur des Venezianers, die trotz des harten Takts der Unterdrückungsmaschinerie den Klang immer wieder aufbricht und für das Zarte, das dolcissimo, atmet. Die großbesetzte Staatskapelle flicht engmaschigste Klangwände und hält souverän die Spannung aus. Der Staatsopernchor unter Eberhard Friedrich kann sich mit Nelke im Knopfloch ganz auf seinen fordernden Part konzentrieren, von darstellerischen Aufgaben weitgehend entbunden ebenso wie die treffsicheren Gesangssolisten.« (Der Tagesspiegel vom 3.3.2012)

    »Mit der Aufführung des provokanten Werks im Kraftwerk Mitte ist die Staatsoper ein großes Risiko eingegangen – optisch und dramaturgisch. Aber es hat sich gelohnt … Katie Mitchells Regiearbeit ist zweifellos gelungen. Die Engländerin konnte sich auf keine einzige szenische Anweisung Nonos stützten, sie musste das Stück für die Bühne komplett neu erfinden. Und (schaffte) eindringliche Bilder.« (Berliner Morgenpost vom 3.3.2012)

    »Luigi Nonos 'Al gran sole carico d’amore', uraufgeführt 1975, kommt hier im Kraftwerk Mitte erst wirklich zu sich. Und das in doppelter Hinsicht: Zum einen spielt Nonos 'Azione scenica' zwar im privaten Raum, reflektiert aber unmittelbar die Auseinandersetzungen der Industriegesellschaft. Die handlungsbestimmenden Frauen kämpfen um die Emanzipation der selbstbestimmten Arbeit als humane Hoffnung. Und zum anderen hat Nonos Musik, das hört man wohl ein halbes Menschenleben nach der Premiere und im Lichte der seitherigen Entwicklungen besser, tatsächlich auch eine religiöse Dimension, die hier mit der Gewalt des Raumes vielleicht sogar besser korrespondiert als in der Salzburger Felsenreitschule.« (Märkische Allgemeine vom 3.3.2012)




    Ausgewählte Pressestimmen zu »Il trionfo del Tempo e del Disinganno« von Georg Friedrich Händel
    (Premiere: 15. Januar 2012)


    »Wie Sylvia Schwartz mit dem kaum Hörbaren einen Theatersaal füllen kann, dem Leisesten noch Farben und Nuancen abgewinnen kann, das Verschwindende noch verklingen lässt, war ebenso zu Herzen gehend wie sensationell. Die berühmte Stecknadel hätte man fallen hören können, bevor endlich der Jubel losbrach.« (Neues Deutschland)

    »Besser kann diese Musik nicht klingen. Dirigent Marc Minkowski setzte mit seinen Leuten neue Maßstäbe: Das Zusammenspiel zwischen Graben und Bühne grenzte an Perfektion, alle Beteiligten atmeten die Einmütigkeit eines Streichquartetts. Virtuoseste Läufe bei atemberaubenden Tempi, Lautstärkewechsel auf engstem Raum, wie sie nur mit Barockinstrumenten möglich sind, dazu eine Spielfreude wie beim Jugendorchester. Beste Sängerin war die Sopranistin Inga Kalna mit ihrer wunderbar beweglichen Piacere-Darbietung. Gefühlvoll und gerade bei Ensembles klug ausbalanciert: Delphine Galou (Alt) als Disinganno und Charles Workman (Tenor) als Tempo. Die Sopranistin Sylvia Schwartz hatte als Hauptfigur Bellezza jede dritte Nummer zu singen. Sie tat es mit viel Gespür für die nachdenklichen Seiten der Figur.« (Die Welt)

    »Die Inszenierung lässt Raum für die eigene Phantasie, ist im Grunde ähnlich minimalistisch wie die legendäre Calisto-Aufführung von Herbert Wernicke – die damals beste Aufführung der Barock-Strecke an der Berliner Staatsoper. Und sie ist auch die beste Inszenierung einer Barock-Oper in Berlin seitdem.« (RBB Kulturradio)

    »Hier kommt alles zusammen: Musik, Bildhaftigkeit, Orchestersprache, Bühnenaufriss, Gesang und Regie, um aus Händels Oratorium ein durch und durch fesselndes Bühnenerlebnis zu machen. Jürgen Flimms Regie wird am Schiller Theater mit Recht bejubelt.« (Berliner Morgenpost)

    »Der Schauplatz von Flimms Inszenierung, ein großes Restaurant im Retroschick, bietet zahlreiche szenische und symbolische Möglichkeiten. Die Stimmung kurz vor Schluss, wenn die Lichter erkaltet, alle Tische abgeräumt sind und die Putzfrau vor den letzten Gästen bereits ihre Arbeit beginnt, ist ein wunderbarer Ausdruck für die Tabula rasa im Leben der 'Schönheit'.« (Berliner Zeitung)

    »Magischer Händel an der Staatsoper« (The Epoch Times)

    »Jürgen Flimms Inszenierung ist ein wahres Vergnügen, auch dank dem starken Sängerquartett und den großartigen Musiciens du Louvre · Grenoble mit Marc Minkowski.« (B.Z.)

    »Ein herrlicher Opernabend.« (BILD)




    Applaus, Applaus! (Leserbrief im Tagesspiegel, 22.01.2012)
    »Schwankende Engel« vom 17. Januar

    Was für ein wunderbarer Händel-Abend in der Staatsoper im Schillertheater: »Il Trionfo del Tempo e del Disinganno«. Eine kluge, interessante, textgenaue Inszenierung, eindrucksvoll gesungen und musiziert, so dass man am nächsten Tag davon noch erfüllt war. Das einzig Ärgerliche war die Kritik von Ulrich Amling, der anscheinend eine andere Inszenierung erlebt hat als ich.

    Die kluge Versuchsanordnung von Jürgen Flimms Regie macht aus diesem schweren Allegorienspiel eine interessante und vielfältige Lebensreise. Ein verblüffend moderner Dialog zwischen den vier Hauptfiguren entsteht, so dass man die verschiedenen Positionen, Haltungen, Argumente und Lebenszeiten selber moralinfrei beurteilen und überdenken kann und sogar der Schluss, aus der Sicht des christlichen 17. Jahrhunderts eine mögliche Konsequenz, zumindest nach einer durchzechten Nacht, denkbar ist.

    Aber der Rezensent wollte eine andere Inszenierung sehen, die ihn in Schwaben einst beeindruckt hatte. Er ließ sich bei der Berliner Neuinszenierung nicht von den Bildern und Arrangements eines fabelhaften Ensembles inspirieren und scheint den enorm langen und begeisterten Applaus und die Bravi der Zuschauer nicht gehört zu haben.

    Norbert Kentrup, Berlin-Wannsee

    DER TAGESSPIEGEL >>



    Ausgewählte Pressestimmen zu »Orpheus in der Unterwelt« von Jacques Offenbach
    (Premiere: 16. Dezember 2011)


    »Was im Schillertheater unter Offenbachs Name aufgeführt wird, ist ein Text des Kabarettisten Thomas Pigor, gespielt von Leuten, die zum Besten gehören, was das deutschsprachige Kino und Fernsehen zurzeit zu bieten hat. Hans-Michael Rehberg, Stefan Kurt, Gustav Peter Wöhler, Ben Becker und Cornelius Obonya. Rehberg vor allem steuert mit seinem Totenwächter Styx, der hier nicht der »Prinz von Arkadien«, sondern von »Nord-Lappalien« ist, einen emotionalen Höhepunkt voller Melancholie bei. Die anderen lassen einfach ihrer puren Spielfreude freien Lauf. Das ist hinreißend komisch bei Stefan Kurts Orpheus, putzig bei Wöhlers Jupiter und von donnernder Bühnenpräsenz bei Beckers Pluto.« (taz vom 19.12.2011)

    »Die Stärke der Regie ist, dass sie nicht auf das altherkömmliche Operettenmodell setzt, sondern ihre Lebendigkeit aus Revuevorlagen und Einflüsterungen des Kabaretts saugt. Sorgfalt herrscht, Überlegung, Könnerschaft.« (Berliner Morgenpost vom 19.12.2011)

    »Stefan Kurt als Orpheus landet virtuos näselnd einen Witz nach dem anderen. Hans-Michael Rehberg aber als John Styx ist durch sein Spiel auf so anmutige Weise plemplem, dass er durch das Gekicher hindurch zu rühren vermag als einer, der seine Welt verlor und dazu noch Schaden nahm an seiner Seele.« (FAZ vom 19.12.2011)

    »Die Berliner Staatsoper hat aus Offenbachs »Orpheus« eine kurzweilige Revue greller Späße gemacht. Die Götter über und unter der Erde vertreiben sich die Zeit mit karnevalistischem Klamauk. Passend dazu das Bühnenbild als Popup-Bilderbuch. Die zusammengeschlagenen riesigen Bilderbuchseiten auf dem Boden und rundherum werden je nach Bedarf mit Seilwinden von den Revuegöttinnen aufgezogen. So öffnet sich die Unterwelt aus wackelndem Pappmaschee und gibt den Blick frei an Tropfsteinsäulen vorbei auf den Totenfluss Styx oder auf ein Varieteambiente in Jupiters Himmel.« (Deutschlandfunk vom 17.12.2011)

    »In der Hölle ist der Teufel los in Philipp Stölzls unglaublich komischer Inszenierung in der Schiller-Oper. Das bunte Bühnenbild klappt wie Kinderbücher auf und zu. Die neuen Texte von Thomas Pigor sind der Brüller und die singenden Schauspieler der Hit! Ein herrlicher Spaß, mit viel Gejuchze, grad recht zum Fest!« (B.Z. vom 17.12.2011)





    Ausgewählte Pressestimmen zu »Die verkaufte Braut« von Bedrich Smetana
    (Premiere: 19. November 2011)


    »Balázs Kovalik hat aus 'Die verkaufte Braut' ein anderes Stück gemacht: 'Der misshandelte Vašek'. Der junge Tenor Florian Hoffmann gibt diesem Mobbingopfer singend und spielend alles, was es braucht, um uns aufzustören und zu beschämen. Durch den fotorealistischen Wald werden immer wieder Vitrinen alten Lebens geschoben. Sie enthalten Wunschträume gelingenden Lebens und sind zugleich Glas-Särge individueller Freiheit. Die Pracht der Gewänder muss entschädigen für die Preisgabe biographischer Selbstgestaltung. Das ist zwar kompliziert, aber nicht dumm, wie durch diese Vitrinen Musealität und Aktualität im Musiktheater konfrontiert werden … Leicht und flott saust Dirigent Karl-Heinz Steffens mit der Staatskapelle durch die Partitur, als wäre sie eine Suite slawischer Tänze.« (FAZ)

    »Da ist nichts krampfhaft aktualisiert, nichts angestaubt, vieles dagegen ist inspiriert und einfallsreich. Balázs Kovalik macht aus 'Der verkauften Braut' ein fein ironisiertes Bilderbuchidyll, leicht und doch ganz ernst genommen. Absolut sehenswert.« (Inforadio vom RBB)

    »Es ist Balázs Kovaliks wunderbare Regie, die das Werk nicht nur vor seiner eingebauten Folklore rettet, sondern ihm mit feiner Personenzeichnung seine menschlich berührende Komik zurück gibt, die sonst unter der ständigen Volkstanzerei leicht untergeht. Das liegt vor allem daran, dass Kovalik die Figur des Vašek die heimliche Hauptrolle spielen lässt. Ein stotternder 'Blödian', so nennt ihn sogar seine Mutter. Das ist er hier nicht, sondern ein vernachlässigtes Kind aus der zweiten Ehe eines grausamen Großbauern, das sich stotternd nach Liebe sehnt, weniger des Unterleibs als der Seele. Der Tenor Florian Hoffmann, der schon in Strawinskys 'Rake's Progress' das Schiller Theater zum Jubeln brachte, singt diesen behinderten Menschen so wundervoll zart, dass er zum emotionalen Schwerpunkt des Stücks wird, das damit eine melancholische Tiefe gewinnt, die sonst kaum zu hören ist.« (taz)

    »Balázs Kovalik hat nicht nur den Deutungshorizont für die 'Verkaufte Braut' erweitert - sie bietet auch beste Unterhaltung. Ständig verschiebt sich was, begegnen sich zwei eigentlich unabhängige Szenen, es gibt kurzweilige Spezialeffekte (bis hin zu einer richtigen zersägten Jungfrau). Die beiden Hauptdarsteller ragen heraus: Der mit der Strahlkraft eines Heldentenors ausgestattete Burkhard Fritz als Jeník und Anna Samuil als Marenka.« (Die Welt)

    »Die allesamt fantastischen Sänger und die wirklich schmissig aufspielende Staatskapelle (Leitung Karl-Heinz Steffens) sorgen für einen gelungenen Opernabend.« (B.Z.)

    »Sie alle, die da singen, sind mehr oder minder Opfer eines Geschehens, das nur oberflächlich erheiternden Charakter besitzt. 'Die verkaufte Braut' ist im Grunde die unkomischste aller komischen Opern. Das sieht Kovaliks Inszenierung ganz richtig. Das Hauptopfer wird dabei der arme, stotternde, geistig offenbar zurückgebliebene Vašek, den Florian Hoffmann frischstimmig und voller zitternder Unternehmungslust singt. Er macht die Nebenrolle mit ihren immerwährenden seelisch tiefen Verstörungen annähernd zu einer Hauptpartie.Die entzückende Anna Samuil, das Mädchen mit dem Zaubersopran, um das sich alles dreht, spannt manchmal ihre Stimme weit wie einen vokalen Sonnenschirm auf und lässt schon ahnen, wie sie später als reifer dramatischer Sopran klingen wird. Burkhard Fritz an ihrer Seite, der Liebhaber mit den zahlreichen juristischen Tricks, ist ein kerniger Liebhaber.« (Berliner Morgenpost)





    Ausgewählte Pressestimmen zu »Aschenputtel« von Ermanno Wolf-Ferrari
    (Premiere der Jungen Staatsoper: 05. November 2011)


    »Die Aufführung macht sich nicht künstlich kindlich oder putzig, sondern spricht die Kinder als Erwachsene an. So ist – bei aller Unscheinbarkeit – eine der im Grunde gekonntesten, weil leichthändigsten Aufführungen des Jahres entstanden.« (RBB Kulturradio)

    »Was Eva-Maria Weiss und ihr Regieteam aus dem stark gestrafften Stück machen, ist nicht kindisch und doch kindlich, kennt große Ensembleszenen mit Liebesduett und Schlagsahne und viel heiteren Ernst. Das junge Sängerensemble wird zu Recht gefeiert. Märchenhaft.« (Der Tagesspiegel)

    »Die Geschichte wird in der flotten Inszenierung von Eva-Maria Weiss stringent erzählt. Vinzenz Weissenburger erweist sich als ein fundierter Leiter einer exzellente Kammermusikformation, angeführt vom 1. Konzertmeister der Staatskapelle, und sorgt für einen musikalisch einwandfreien, großen Genuss. Hochdramatisch sind die staatsoperngerecht besetzten Protagonisten ohne jeden Makel. Die Partie des Prinzen stellt auch in der Kurzfassung an den Tenor hohe Anforderungen, die Paul O’Neill glänzend meistert. In der Titelrolle obsiegt Hanna Herfurtner mit geschmeidigen Lyrismen und dramatischem Pep. Die bulgarische Altistin Barjana Morteewa als Stiefmutter wurde am Premierenabend nicht nur für ihre intensive Gestaltung, sondern auch für ihren 60. Geburtstag gefeiert. Der Applaus war stürmisch. Der Besuch dieser selten zu hörenden, auf Tonträgern nicht existenten Oper ist ein Muss für Freunde der Spätromantik, nicht nur für Berliner.« (Neue Musik Zeitung)

    »Ein rührendes Paar sind Paul O´Neill als Prinz und Hanna Herfurtner als Aschenputtel. Von so nah klingen die Opernstimmen doppelt so schön! Große Oper für die Kleinen. Wirklich sehenswert.« (BILD)




    Ausgewählte Pressestimmen zu »Last Desire« von Lucia Ronchetti
    (Werkstattpremiere: 05. Oktober 2011)


    "Der phänomenale Countertenor von Valer Barna-Sabadus macht den Abend zum Ereignis." (Der Tagesspiegel)

    "Die Attraktion der Aufführung besteht aus Valer Barna-Sabadus. Er ist ein Counter farinelli'schem Kalibers; und allein von seinem Aussehen und seiner Ausstrahlung die Sünde selbst! Markus Hollops Bass durchbebte eindrucksvoll die Werkstatt. Yuta Nishiyama zauberte mit seiner Bratsche." (Kultura Extra)




    Ausgewählte Pressestimmen zu »Aus einem Totenhaus« in der Inszenierung von Patrice Chéreau
    (Premiere: 03. Oktober 2011)


    "Die beeindruckende »Totenhaus«-Inszenierung von Patrice Chéreau verdient das Attribut »mustergültig«. Das Premierendoppel an der Staatsoper und an der Komischen Oper belegt eindrucksvoll, was Berlins Opernhäuser leisten können. Das hohe Niveau der Inszenierungen fand nicht nur in den jeweils sehr spielstarken Sängerensembles, sondern auch bei den Orchestern eine erfreuliche Entsprechung. Die Staatskapelle bewältigte unter der rhythmisch pulsierenden Leitung von Simon Rattle klangschön die eruptive, leicht zerfallende Tonsprache des späten Janácek." (FAZ)

    "Mit welcher Virtuosität Chéreau die "Nummern" im Geschehen verankert, wie er das Lagerleben zeigt, filmisch präzise, unerbittlich, ohne jede Anbiederei, das besitzt eine fast gespenstische Gültigkeit. Als zöge diese Arbeit ein Resümee, ja als begriffe sie sich mit Schauspielern und großem Chor als gesamttheatralisches Vermächtnis. Die Hauptdarstellerin an diesem Abend aber ist die Musik, ist die Staatskapelle Berlin. Simon Rattle liest Janácek mehr von der böhmischen Spätromantik und von Gustav Mahler her. Da pulst und vibriert es im Graben, dass es nur so eine Lust ist." (Der Tagesspiegel)

    "Triumph für das »Totenhaus«. Wer diese Inszenierung erlebt hat, wird künftig jede Oper mit anderen Augen sehen. Frankreichs Altmeister zeigte einfach mal grundsätzlich, wie man Sänger auf der Bühne bewegt, jeder Darsteller scheint hier unterschwellig zu brodeln. Den Rest besorgt die Musik mit der Staatskapelle unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Grandios!" (B.Z.)

    "Simon Rattles Gespür für dieses doch sehr spezielle Komponieren ist schlicht großartig. Er bindet die Musik in ein dramaturgisch souverän gestaffeltes Kontinuum ein, ohne ihr an expressiver Gewalt das Geringste zu nehmen: Die Staatskapelle spielt die glühenden Farben und neuartigen Dissonanzen leidenschaftlich aus. Willard White als Goriantschikow und Eric Stoklossa als jungem, anhänglichem Aleja gelingen scharf umrissene Charaktere. Das gilt nicht weniger für jene Sänger, die nur einmal hervortreten dürfen, um ihre Schuldgeschichten zu erzählen: Stefan Margita weiß als Luka die verschiedenen Personen seiner Erzählung plastisch voneinander abzusetzen; Pavlo Hunka (für den erkrankten Roman Trekel) entwickelt in der langen Erzählung des Schischkow einen gewaltigen Sog." (Berliner Zeitung)

    "Besser lässt sich diese Finsternis gequälter, an sich selbst zerbrochener Seelen wohl nicht auf die Bühne bringen, als das Patrice Chéreau getan hat. Diese Inszenierung setzt Maßstäbe, weil sie ganz allein auf Janáceks Kunst der Sprachmelodie setzt. Kein Regiekonzept lenkt davon ab, Sträflinge in einem Betonverließ kommen zu Wort, geführt von Orchestersätzen, die ihre Aufritte inszenieren und ihren monologischen Erzählungen bedrückende Glaubwürdigkeit geben." (taz)

    "Simon Rattle geht im Schillertheater sofort aufs Ganze: Mit einem orchestralen Aufschrei beginnt die Janacek-Oper »Aus einem Totenhaus«. Gut eineinhalb Stunden lässt der Stardirigent nicht locker. Janaceks "schwarze Oper" nach Fjodor Dostojewskis Roman führt die geschändeten wie hoffenden Gefangenen in Sibirien vor. Regie-Legende Pierre Chereau hat es voller Mitgefühl in Szene gesetzt. Am Ende gibt es viel Premierenbeifall für die Staatskapelle, die Solisten, den Chor und den Regisseur." (Berliner Morgenpost Frühkritik)

    "Wir konstatieren eine Interpretation insonders durch die Staatskapelle Berlin, welche so ohne Weiteres, vermuten wir, von selten einem anderen Orchester übertrumpft sein dürfte - filigran-präzis bishin zum Spinnweben, hart-kantig bis zum körperlichen Schmerz und insgesamt doch vollmundig und warm! Gesanglich profitiert die Aufführung durch exklusives Personal, allen voran zum Beispiel Williard White (Gorjantschikow), Eric Stoklossa (Aleja), Štefan Margita (Luka), John Mark Ainsley (Skuratow), Pavlo Hunka (Schischkow) oder Jirí Sulženko (Platzkommandant). Der Chor der Deutschen Staatsoper Berlin: superb wie eh und je! Ein Staatsereignis." (Kultura extra)




    Ausgewählte Pressestimmen zum I. Abonnementkonzert
    (19. und 20. September 2011)


    „Mozart und Nono erscheinen in diesen Stücken plötzlich als Seelenverwandte: zwischen melancholischem Abgrund und spielerisch-konstruktiver Neugier balancierende schöpferische Geister. Alle drei Stücke, nicht nur Liszts aus Dantes "Göttlicher Komödie" schöpfende Satzfolge von Inferno und Purgatorium, entwerfen Vorstellungen von Qual und Läuterung, jenseitige Bilder der Ewigkeit. Und der Raum, den die Wege dorthin durchmessen, wird nicht nur bei Nono durch die Kombination von Klavier und Tonband zur mitbestimmenden Kategorie, sondern auch bei Liszt, wo am Schluss der letzte der zahlreichen mystischen Chöre dieses Musikfestes ertönte, gleichzeitig der am besten in den Weiten der verschachtelten Philharmonie-Architektur versteckte: Daniel Barenboim hatte die Damen des Staatsopern­chores ganz oben links, fast unsichtbar, hinter den letzten Sitzen platziert, und er schaffte es ohne besonders aufwendige Zeichengebung, Gesang und Orchester zu koordinieren.“ (Berliner Zeitung)

    „Wenn es einen Dirigenten gibt, von dem man Franz Liszts wüst wuchernde „Sinfonie zu Dantes Divina Commedia“ hören will, dann ist es Barenboim. Packend wie das „Walküre“-Vorspiel lässt er das Inferno brodeln, emphatisch blüht der Liebesgesang von Francesca und Paolo auf, bevor erneut Flammen zwischen den Füßen des Paares emporzüngeln. Im Purgatorio wird das Volk – wie feinsinnig! – mit einer endlosen Fuge gequält. Dann ertönen unsichtbare Engelsstimmen: die Damen des Staatsopernchors, die Barenboim von den höchsten Höhen der Philharmonie in Block G singen lässt. Was für ein Theatereffekt! Was für ein schöner, versöhnlicher Abschluss.“ (Der Tagesspiegel)

    „Da läuten die Totenglocken und erklingen verzerrte Stimmen wie aus dem Jenseits. Die Tonbandwelt wirkt wie ein Echo der Konzertwelt. Furchtbare Schmerzen stehen neben schönen Erinnerungen. Tatsächlich, Leiden und Gelassenheit liegen hier nicht weit auseinander. Pollini spielt sensibel zu dem Band, das er vor Jahrzehnten selbst produziert hat.“ (Berliner Morgenpost)

    „Maurizio Pollini dialogisiert mit einem Tonband, was er selbst vor über 30 Jahren nach den Skizzen Nonos improvisatorisch aufgenommen hatte. Eine eigenartig zwingliche und warm umschmeichelnde Musik, die da vom Podium mit Pollini's Flügel und den Lautsprechern darunter und daneben in den Saal gesprochen kam... Und sicher eine Sternstunde! Denn wann würde es noch einmal geschehen, dass der Interpret der Uraufführung jenes ihm gewidmete Luigi-Nono-Stück hier in Berlin zur Aufführung geraten lässt.“ (Kultura-Extra)




    Ausgewählte Pressestimmen zum Gastspiel der Staatskapelle Berlin beim Lucerne Festival

    „Bruckners Siebte Sinfonie erhielt in Barenboims Deutung eine Grösse, die nicht eine gewaltsam herbeigeführte Monumentalität anstrebte, sondern eine solche, die sich aus der organischen Entwicklung des sinfonischen Gefüges ergab. Die Ruhe und Unaufgeregtheit, mit der Barenboim vor seinem Orchester stand, übertrug sich in wunderbarer Weise auf seine Musikerinnen und Musiker… Liszts Phantasie entzündete sich, anders als die Bruckners, an literarischen Sujets. Gleich zu Beginn des «Inferno»-Satzes demonstrierte Barenboim, dass er Liszts programmatische Sinfonie in einem anderen Geist interpretieren wollte als jene Bruckners. Schonungslos drängte er die Mitglieder der Staatskapelle Berlin zu wildestem, ja brutalem Spiel an.“ (Neue Zürcher Zeitung)

    „Es war ein in jeder Hinsicht universaler Festivalabschluss: Daniel Barenboim wurde als Solist, Dirigent und mit Moderne zum grossen Magier der Nacht… In Franz Liszts Dante-Sinfonie entfesselte eine bis zum hintersten Pult hoch motivierte Musikerschar mit einer Energie ohnegleichen die von Dante inspirierte Höllenvision, wobei der dunkle, warme Klang der Streicher und die mächtig dröhnenden Posaunen (inklusive Basstuba) dazu beitrugen, dass virtuose Brillanz nicht über den Ausdruck triumphierte. Wie dem die idyllische Ruhe des Purgatorios mit sehnsüchtigen Weisen des Horns, der Oboe und des Englischhorns entgegengesetzt wurde, war ganz Marke Staatskapelle.“ (Neue Luzerner Zeitung)


    Daniel Barenboim dirigiert die Staatskapelle Berlin, 18.09.2011 | (c) Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL

    „Divine lightness at the lakeside. The grandeur of Barenboim's performances is: he makes you aware of how the entire musical tradition lives in every great piece, embracing the future as well as the past… And Barenboim knows better than anyone that serious doesn't have to mean solemn.” (The Daily Telegraph)

    „Le pianiste et chef s’attelait au premier acte de La Walkyrie afin de clore en beauté le festival. A ses côtés: la Staatskapelle de Berlin et trois chanteurs d’exception, le ténor Peter Seiffert (Siegmund), la soprano Nina Stemme (Sieglinde) et la basse Kwangchul Youn (Hunding). Daniel Barenboim ménage un espace maximal pour les chanteurs. Il leur offre un fabuleux écrin, d’une souplesse idéale, sans pour autant relâcher la tension. Au lieu de tracer une ligne toute droite, il explore les moindres recoins de la partition. Il élargit l’échelle des dynamiques, osant des pianissimi impalpables comme des fortissimi retentissants. Il modèle la phrase wagnérienne de l’intérieur, imprime des fluctuations de tempo. Ce geste élastique et mobile permet de relancer sans cesse le discours. Rien n’est statique, tout est vivant, afin de rendre les émotions contradictoires des protagonistes. Jusqu’au dernier instant, où Siegmund et sa soeur Sieglinde s’avouent leur amour enflammé (un amour incestueux!), il crée le suspense.“ (Le Temps, Genf)

  • Pressestimmen Premieren 2010/2011

    Ausgewählte Pressestimmen TRI SESTRI zur Premiere an der Staatsoper im Schiller Theater

    "Dieser Abend kommt so blank daher, als sei er gerade eben erst in der Aula der Theaterakademie geboren worden, als hafte den jungen Sängerinnen und Sängern, die bei der Münchner Aufführung noch Studenten waren, noch immer die schöne, verheißungsvolle Aura des Übergangs von der Hochschule zum Opernmarkt an… Musikalisch spricht dieser Abend sofort an, auch wegen der Kurzweil, die der hier zweigeteilte Staatskapellen-Apparat bietet. Julien Salemkour (im Graben) und Joachim Tschiedel (beim Ensemble hinter der Bühne) lassen satte Akkordketten spielen und helle Rhythmusschleifen, bieten einen fein austarierten Hintergrund für das Sprechen und Singen der 13 Männer und Frauen auf der Bühne." (Der Tagesspiegel)

    "Eötvös hat die "Drei Schwestern" mit einer funkelnden Partitur ausgestattet. Sie bietet herrlich changierende Instrumentalfarben, wenig atonalen Krach und viel Lyrisches. So gehören die Arien und Duette, die Eötvös den unglücklichen Liebespaaren widmet, zu den Höhenpunkten dieser modernen Oper. Diese Szenen gehen unter die Haut. Das junge Sängerensemble leistet großartige Arbeit in musikalischer wie darstellerischer Hinsicht. Die Rollen der verschreckten Irina (Elvira Hasanagic) und der leidenschaftlichen Mascha (Anna Lapkowskaja) sind ebenso überzeugend besetzt wie der aalglatte Werschinin (Franz Schlecht) und der halbseidene Tusenbach (Benjamin Appl). Jeder liefert scharf geschnittene Charaktere ab, wobei sie der Komponist durch die Zuordnung einzelner Instrumente unterstützt… Hervorragende Werbung für zeitgenössisches Musiktheater." (Berliner Morgenpost)

    "Unter einer Kuppel über der Bühne und im Graben musizieren unter Julien Salemkour und Joachim Tschiedel korrespondierend zwei Orchester mit differenzierter Farbigkeit die hinreißende Musik: kraftvoll, aber sensibel, nuancenreich charakterisierend, stimmungsvoll, traurig, melancholisch, markig männlich, sinnlich weiblich, hoffnungsvoll jungmädchen­haft… Ein junges Ensemble hat sich da unter Rosamund Gilmores fantasievoll einfühlsamer Hand zusammengefunden und nimmt mit gutem Gefühl, schon sicherem Handwerk, mit Humor und Charme das Publikum für sich ein. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist vorzüglich und wird gewiss ein Dauerbrenner. Ein kleiner großer Wurf neuen Musiktheaters." (Märkische Oderzeitung)

    "Rosamund Gilmore bringt ihr junges Ensemble immer wieder zum Tanzen, entwickelt die Figuren zwischen Fragmenten bürgerlichen Mobiliars meist gelassen, um dann Andrejs primitive Ehefrau Natascha um so drastischer als quietschbunte Hektikerin zu charakterisieren. Sie wird angemessen schrill gesungen von Ines Reinhardt, wie überhaupt das junge Sängerensemble den maßvoll modernen Anforderungen der Partitur souverän genügt." (Berliner Zeitung)


    Ausgewählte Pressestimmen TRI SESTRI zur Münchener Premiere im Frühjahr 2010

    „Es waren staunenswerte Leistungen der Musikhochschul-Studenten. Ob Elvira Hasanagic als Irina, Anna Lapkovskaja als Mascha, Eun-Kyong Lim als Olga oder Ines Krapp als Natascha: Die Vielfalt der stimmlichen Mittel, die auch fernöstliche Lautakrobatik vorsieht, wurde mit Bravour verlebendigt… Sie alle profitierten von Rosamund Gilmores Regie, die Eötvös’ Oper als reduziertes Kammerspiel verstand. Dabei schenkte Gilmore der Musik und den Darstellern viel Raum. Ihre Regie verriet profundes musikalisches Wissen, wie man dies nur selten erlebt… So wurde diese Premiere zu einer Sternstunde zeitgenössischen Musik­theaters und zugleich eine würdige Nachfeier zu Anton Tschechows 150. Geburtstag“. (Abendzeitung München, 10.2.2010)

    „Dreimal wird die Tristesse des Tschechow-Dramas auseinandergefaltet in den "Schwestern", mit einem auf Raumklang spekulierenden, zweigeteilten Orchester, was seltsam sinnlich sättigend klingt im schönen Prinzregenten­theater, wo die Bayerische Theaterakademie diese (dritte) Eötvös-Oper auf allerhöchstem Niveau darbietet – mit Dramaturgie-, Regie- und Gesangs­studenten einerseits und einem Leitungsteam aus Profis andererseits: Rosamund Gilmore inszeniert, Ulf Schirmer dirigiert. Kann dem Opernnach­wuchs etwas Besseres passieren? Wurde je zuvor eine Studenten­abschluss­prüfung an ein großes Haus eingeladen, für drei Auf­führungen (im Juli 2011) an die Lindenoper, nach Berlin?“ (FAZ, 7.3.2010)

    „Die Regisseurin Rosamund Gilmore erzählt mit leichter, aber sicher alle verworrenen Fäden ziehenden Hand eine Geschichte: Sie ist nicht von gestern, nicht von heute, sondern überzeitlich. Und Gilmore lässt sich von der Musik helfen: Tschechows philosophisches Provinzpossenjuwel lebt von Eötvös’ trauerbereitem Humor. Es ist zum Lachen, Weinen und zum Immerwieder­kommen. Im Juli 2011 wird die Produktion in Berlin zu sehen sein“. (Der Tagesspiegel, 25.2.2010)


    Ausgewählte Pressestimmen CANDIDE

    „Der Geist des großen Weltumarmers Leonard Bernstein wird bewegend lebendig. Eine der schönsten Inszenierungen der vergangenen Jahre überhaupt“. (Der Tagesspiegel)

    „Aus dem Graben kommt der klarste, funkelndste, schnellste Bernstein-Sound. Dirigent Wayne Marshall hat die Staatskapelle gut im Griff, alles flutscht wie von selbst, herrlich perlen die Flötentöne, hüpft die Gavotte, schleppt der Tangoschritt“. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

    „Maria Bengtsson als Candides Geliebte Cunegonde kann die Rolle der armen, aber glückseligen Blonden nicht nur optisch ausfüllen. Sie bewältigt die halsbrecherische Broadway-Nummer »Glitter And Be Gay« mit ihren Möglichkeiten so perfekt, dass es ein Ohrenschmaus ist.“ (Berliner Zeitung)

    „Leonardo Capalbo ist ein Tenor wie aus dem Wunderbuch des Theaterspiels. Wer kann mit dem gar nicht vorhandenen Bauch auf einem hohen Türrahmen liegen, die Aktentasche in der Hand, und ohne herunterzufallen köstlich singen. Capalbo ist so etwas Einzigartiges wie ein Tenorakrobat. Nicht weniger weiß Maria Bengtsson zu entzücken, eine Sopranistin feinsten Kalibers. Je höher Bernstein ihre makellose Stimme hinaufschickt in die Sopranstratosphäre, desto vollblütiger klingt sie auf. Sie ist ein Wunder - und außerdem sieht sie wundervoll aus. Anja Silja grüßt überraschenderweise und herzlich willkommen als "The Old Lady" herein und singt prompt, der Rolle ganz und gar angemessen, mit Old-Lady-Ton. Graham F. Valentine, als Philosoph auf der Suche nach Schülern mit allerdings glücklosen Greifhänden bewaffnet, gibt die Rolle prompt als "Old Gentleman's Part".“ (Berliner Morgenpost)

    „Das Stück handelt von Mord, Krieg und Geschlechtskrankheiten, von Inquisition und Prostitution, von der Macht des Geldes und vom Überdruß. Und trotzdem gibt es keine Minute, in der es nicht vergnüglich zuginge. Triumph des Sarkasmus wie in einer guten Offenbach-Operette. …die beste aller möglichen Inszenierungen. Fröhlich, diebisch, zynisch“. (Junge Welt)

    „Sensationelle Sänger in Kostümen von Christian Lacroix, eine intelligente Inszenierung von Vincent Boussard und die die hinreißende Musik von Leonard Bernstein: „Candide“ feierte an der Berliner Staatsoper im Schillertheater einen Erfolg vom Feinsten. Superb“. (The Epoch Times)


    Pressestimmen zum Konzert von Daniel Barenboim, Pierre Boulez und der Staatskapelle Berlin in London, Royal Festival Hall:

    “To see Daniel Barenboim on the Festival Hall stage is rare enough. To see him alongside Pierre Boulez (who was on hand to conduct Barenboim’s own orchestra, the Staatskapelle Berlin) seemed a real miracle, like catching two stars in a rare celestial conjunction. No wonder the audience went into delirium at the end. They knew they’d witnessed something utterly extra­ordinary.” (The Telegraph)

    “No one does keyboard theatre quite like Barenboim and the elaborate arpeggios which traverse the keyboard at the start of the second Liszt concerto were demonstrably aristocratic. There followed a compelling exhibition of grand and thoroughly idiomatic piano playing where the schmaltz and soul of his playing seemed quite literally to grow out of the orchestra, his thunderous fanfares at the close like an entirely other brass contingent.” (The Independent)

    “There were moments of breathtaking clarity and vision, Barenboim's left-hand technique a wonder of articulation. The spirit of each work was caught precisely, whether it was the brazen vulgarity of the march in the second concerto, or the interweaving of delicate piano tracery with the orchestra (the wonderfully characterful Berlin Staatskapelle) in the first, with the triangle player who launches the finale given a position of honour right next to the piano.” (The Guardian)

    “An unforgettable event. The complementary nature of the Boulez/Barenboim partnership was demonstrated to perfection in Liszt's First Piano Concerto in E flat major, where Barenboim delivered an extraordinary account that oscillated between bravura and fantasy, while Boulez supplied a taut, disciplined backdrop replete with the poetic insights that one too rarely hears in this work.” (Evening Standard)


    Ausgewählte Pressestimmen DER TRIBUN

    „Nicholas Isherwood brilliert als Tribun in einer Mischung aus falscher Freundlichkeit und Diabolischem. Das kleine Ensemble unter Leitung von Günther Albers geht mit scharfer Präzision zu Werke. Ein bitterböser, entlarvender, kluger Abend.“ (RBB Kulturradio, 8.6.2011)

    „Die verschobenen Bässe, falschen Betonungen und harmonischen Ausweichmanöver der Mini-Kapelle geben den Verschiebungen und Umdeutungen der Redefloskeln zusätzliche Schärfe. Nicholas Isherwood gestaltet seine Sprechrolle in den Tonfällen musikalisch abstrahierend, aber ohne jede Opernsängermanierismen. Die von Christoph Ernst minimalistisch gestaltete Bühne lässt sich auf Kagels entlarvende Metaphernspielereien ein. Und da der Regisseur Thorsten Cölle gerade das rechte Maß gefunden hat, das Hörstück szenisch zu legitimieren ohne es zu überfrachten oder zeigefingermäßig zu aktualisieren, ist dies ein runder Spaß, in dem jeder den Ernst für sich selbst entdecken kann.“ (Berliner Zeitung, 9.6.2011)

    „Kagels Tribun-Textdestillat ist von abgründigem Witz, lustvoll abgemischt mit anarchistisch verbogener Marschmusik, wunderbar einstudiert von Günther Albers.“ (Der Tagesspiegel, 9.6.2011)

    „Eine schöne Idee war es, Kagels Hörspiel einen Prolog voran zu setzen: "Credo In Us" von John Cage. Ein bisschen hat das was von der Ironie eines Charles Ives, diese Verweigerung von Struktur, von gestalteter Essenz - und von Erhabenheit. Darin knüpfen beide, Kagel wie Cage, an: Sie desavouieren das Erhabene, weil sie das darin enthaltene Sinnlose erkennen.“ (Frankfurter Rundschau, 9.6.2011)


    Ausgewählte Pressestimmen zur Brüsseler Uraufführung von MATSUKAZE

    Die Premiere von MATSUKAZE an der Staatsoper im Rahmen des Festivals für Neue Musik INFEKTION! findet am 15. Juli 2011 statt. mehr >>

    „Wie die dicht gefügte Orchestersprache Hosokawas mit den fließenden Waltzschen Bewegungsformen zusammengeht; wie dieser aus der geräuschhaften Stille aufkeimende und in sie zurücksinkende Organismus aus Tönen sich in den Raum hinein verlängert; wie sich die Tableaus in Bewegung setzen und Sichtbares aus Unsichtbarem dergestalt entsteht, dass man oft gar nicht sagen kann, wo das eine aufhört und das andere anfängt: das ist doch wieder eine unerwartete Neuigkeit und ein großes Glück.“ (FAZ)

    „Diese 90 Minuten wirken wie ein uns fernes, bestaunenswertes Arrangement schöner Stängel, Wurzelstücke und exotischer Tonblüten. Die beiden ungleichen Schwestern (formidabel als Sängerinnen wie Tänzerinnen: die Sopranistin Barbara Hannigan und der Mezzo Charlotte Hellekant) erscheinen von oben an Seilen, hinter einem Fadendickicht aus von Chiharu Shiota versponnener Wolle. Von rückwärts grell ausgeleuchtet, scheinen die impulsive Matsukaze und die kontrolliertere Murasame wie Spinnen in einem fast undurchdringlichen Netz… Ach, wären doch die Katastrophen dieser Welt immer so hauchzart und vergänglich schön anzusehen wie in diesem fernöstlichen Traumspiel.“ (Die Welt)

    „Im Zusammenspiel mit Hosokawas Musik entsteht, mit einfachsten Mitteln, tatsächlich so etwas wie eine belebte, eine von Geistern bevölkerte Natur auf der Bühne. Die Tänzer bilden Schwärme, die umsinken, hier- und dorthin kreisen und sich wieder zusammen ziehen… Grandiose Uraufführung.“ (Berliner Zeitung)

    „Meditativ und hoch konzentriert, hoch energetisch schwappt und schwemmt die Musik aus dem Graben auf die Bühne, in den Saal, vollzieht sich in Wellen und Wogen, liebt das tiefe Register und beschwört die Gischt, lässt Glöckchen klingeln, Harfen brausen, Geigen ächzen, eine Trommel schickt reitende Boten in die alte Nô-Vergangenheit, eine Trompete schreit und erstickt, und vom Band plätschert echtes Wasser… Mit welchem Atem, wie souverän der junge spanische Dirigent Pablo Heras-Casado am Pult des Kammerorchesters des Théâtre de la Monnaie agiert, wie klug er disponiert und nie Sehnsucht nach gröberen Effekten aufkommen lässt, das ist großartig.“ (Der Tagesspiegel)

    „Es ist ein melancholisch aufgeladenes, traumwandlerisches Theater zu bestaunen, das sich jeder revolutionären Erneuerungsattitüde oder Aktualisierung enthält, sich dafür aber auf die emotionale Wirkung einer musikalisch suggestiven Grenzgängerei zwischen den Welten und Zeiten verlässt. Wenn Pablo Heras-Casado am Pult des hauseigenen Kammerorchesters die ersten zarten Töne wie kleine Schaumkronen auf das eingespielte Meeresrauschen setzt und dann einsetzende harte Paukenschläge für artifizielles Menschenwerk stehen, bekommt das, nach der jüngsten Großkatastrophe in Japan, eine geradezu gespenstische Dimension von Wahrheit.“ (Wiener Zeitung)


    Ausgewählte Pressestimmen EISENHANS!

    „Märchenhaft: Kai Wegner ist als grunzender, lehmverschmierter, roboterhaft staksender Eisenhans mit dunkel leuchtendem Bass von Anfang an eine beeindruckende Erscheinung… die Musik, geschrieben von Ali M. Askin für Klavier, Violine, Kontrabass und Schlagwerk, differenziert sich in viele märchenhafte Klangfarben aus. Punktierte Töne treiben die Handlung voran, das Klavier ist für die lyrischen Stellen zuständig, wenn es Nacht wird, erklingt ein Vibraphon. Und wenn der Krieg beginnt, dreschen die Musiker wie verrückt auf Ölfässer ein. „Stomp“ in der Staatsoper. Auch so kann man für Jubel sorgen.“ (Der Tagesspiegel)


    Internationale Pressestimmen WOZZECK

    „Directed with minimal props and maximum physicality by Andrea Breth, it was a tour de force, with Roman Trekel impeccable as a wan, heartbreaking, almost gormless Wozzeck, and Nadja Michael 's Marie careless, febrile and bewitching. Orchestra and onstage band brought Berg's lurching waltzes and drunken marches to cruel life. In the cool intimacy of the revamped 1950s Schiller theatre each note glistened.” (The Observer)

    “With Barenboim at the helm and a strong cast of singer-actors, the Staatsoper has come up with a Wozzeck that will go down in Berlin’s musical history. This dark, intense production is made so well that it feels like a 100-minute nightmare. The effect is traumatic…it is a triumph.” (Financial Times London)


    Ausgewählte Pressestimmen DIE WALKÜRE

    „Vom ersten Takt des Sturm-Vorspiels an ist die perfekte Thriller-Atmosphäre da, ein nervenzerfetzender Soundtrack, der den Hörern alsbald den kalten Angstschweiß auf die Stirn treibt.“ (Der Tagesspiegel)

    „Daniel Barenboim lässt von Anfang an die Aufführung hochdramatisch aufrauschen. Er ist am Pult eine Kraftnatur, die sich vor keiner Steigerung drückt. Noch in den populären "Walkürenritt" jubelt er selbst nach vier Stunden noch mit unerschöpfter Frische hinein. Er trägt offenkundig das gute, alte Dynamit im Blut, das nun einmal bei Wagner-Aufführungen unentbehrlich ist. Ein Festtagsereignis.“ (Berliner Morgenpost)

    „Runzlig und rau klingt die Staatskapelle von Anfang an. Es sind verwitterte Klänge von seltsamer Schönheit, Musik aus Kies und Rinde in den tiefen Streichern von den Bratschen abwärts, kaum verschmelzend mit den Bläsern. Jedes Register behält seine knorrige Eigenart, ohne grob zu werden.“ (FAZ)

    „Mächtig, stimmgewaltig bringt René Pape die Luft zum Vibrieren, auch in den leisen Tönen jeder Zoll der Herrscher von Walhalla. Beeindruckend auch Iréne Theorin als Brünnhilde und Simon O´Neill als strahlend liebender Siegmund. Am herrlichsten aber strahlt die Musik unter Daniel Barenboims Händen. Bravo!“ (B.Z.)

    „René Papes kontrollierte Diktion passt zu der natürlichen Unverstelltheit und Ökonomie seiner Stimmgebung, kein Laut wird manieriert verfärbt, stattdessen die nicht unbedingt auf Klang gestellte deutsche Phonetik auf intelligenteste Art genutzt. Wagner hätte seine Freude gehabt… Diese außerordentliche Gesangsleistung Papes wird durch die erstaunlichen akustischen Gegebenheiten des Schillertheaters ebenso wie durch die kongeniale Begleitung Daniel Barenboims am Pult der Staatskapelle noch befördert.“ (Berliner Zeitung)


    Ausgewählte Pressestimmen WOZZECK

    „Directed with minimal props and maximum physicality by Andrea Breth, it was a tour de force, with Roman Trekel impeccable as a wan, heartbreaking, almost gormless Wozzeck, and Nadja Michael 's Marie careless, febrile and bewitching. Orchestra and onstage band brought Berg's lurching waltzes and drunken marches to cruel life. In the cool intimacy of the revamped 1950s Schiller theatre each note glistened.” (The Observer)

    “With Barenboim at the helm and a strong cast of singer-actors, the Staatsoper has come up with a Wozzeck that will go down in Berlin’s musical history. This dark, intense production is made so well that it feels like a 100-minute nightmare. The effect is traumatic…it is a triumph.” (Financial Times London)

    „Mit diesem „Wozzeck“ hat Andrea Breth sich selbst übertroffen. Die visionäre Strenge, mit der sie das beliebte Stück aus der Inszenierungsfalle des Arme-Leute-Kitsches herausholt, trifft sich dabei mit Daniel Barenboims bezwingender Durchdringung der Partitur am Pult seiner transparent, strömend und prägnant spielenden Staatskapelle. Bergs Espressivo kommt beseelt zur Geltung, ohne dass die Radikalität dieser drastischen, die Brutalität des Geschehens bis in kleinste Gesten hinein registrierenden Musik ins Wienerisch-Versöhnliche geglättet würde.“ (FAZ)

    „Wozzecks Verstörung über die Tat, das arbeitet Breth fantastisch heraus, ist mehr. Sie ist die Verstörung über die Kaputtheit des Gesamten… Nicht nur in der schauspielerischen, sondern auch in der (damit eng verknüpften) sängerischen Darstellung wird das gespiegelt, besonders schlüssig in den beiden Hauptfiguren…Wie man es so sieht und hört, stockt einem der Atem. Da ist wirklich keine Hoffnung, nirgends. Da ist nur die Nacht, finster und unheimlich … Meisterhaft.“ (Frankfurter Rundschau)

    „Daniel Barenboim und die zu jeder Art von Transparenz fähige, willige Staatskapelle beleben Alban Bergs Musik mit den Mitteln des aufgefächerten, soghaften Espressivo, zumal in den symphonischen Zwischenspielen. Zugleich machen sie den atonalen Konstruktivismus der Partitur jederzeit durchhörbar – strikt nach dem Entwurfsplan des Komponisten, der die drei Akte mit einer formal, harmonisch und rhythmisch abenteuerlichen Akribie durchkomponiert hat. Die Akustik des Schillertheaters und der musikalische Höhenflug des Ensembles lassen den musikalischen Reichtum des „Wozzeck“ aufblühen. Und Barenboim, der sich zum Applaus mit seiner Staatskapelle auf der Bühne zu versammeln pflegt, tat das Richtige, als er zu den Ovationen die Regisseurin Andrea Breth demonstrativ dankbar umarmte.“ (Süddeutsche Zeitung)

    „Starke Sänger stehen Daniel Barenboim zur Seite, Roman Trekel zuvorderst: Er bietet einen Wozzeck, dem man sein Leiden glauben kann, er singt mit großer Klarheit und Hingabe und findet einen überzeugenden Zugang zu dem von Berg vor allem in der Titelpartie häufig geforderten Sprechgesang.“ (Stuttgarter Nachrichten)

    „Triumph der Staatsoper. Andrea Breth und eine annähernd makellose Sängerbesetzung haben mit dieser Einstudierung die denkbar großartigste „Wozzeck“-Aufführung zustande gebracht. Sie überflügelt selbst die unvergessliche Erinnerung an die Inszenierung von Patrice Chéreau.“ (Berliner Morgenpost)

    „Brillant aufgelegt und immer für eine Überraschung gut: Daniel Barenboim am Pult der Berliner Staatskapelle. …er liefert spättonal schwelgerischen Sound. Ein oft tänzerisch beschwingter Reigen von so verblasener Schwüle, als sei's "Salome". Hinreißend! Hier zeigt sich ein noch immer missionseifriger, kenntnisgesättigter Dirigent auf seiner Höhe.“ (Die Welt)

    „Roman Trekel verwandelt sich die Psychologie der Titelfigur an, er lotet die Partie auch stimmlich mit seinem wohlklingenden Baritontimbre bis in Nuancen hinein aus. Kein forcierter Ausbruch und keine aufgesetzte Emphase trüben die Glaubhaftigkeit dieser großartigen Darstellung. Marie (darstellerisch wie stimmlich drahtig und energievoll verkörpert von Nadja Michael) lässt sich keineswegs vom Tambourmajor (John Daszak als eine gorillaartige Ausgeburt bewusstloser Triebhaftigkeit) vergewaltigen. Eher treibt sie ein selbstzerstörerisches Spiel mit ihm, wie in dem verzweifelten Versuch, wenigstens über den Schmerz noch einmal so etwas wie Leben überhaupt zu spüren.“ (FAZ)

    „Mit diesem »Wozzeck« hat die zeitgenössische Opernregie – stellvertretend für das Theater überhaupt – ihre gesellschaftliche Aufgabe als öffentlicher Raum des Nachdenkens über die conditio humana aufs Eindrucksvollste bewiesen und ihre bisweilen banausisch kritisierten hohen Subventionen mehr als gerechtfertigt. Es gibt kein wichtigeres Thema.“ (Neues Deutschland)

    „Es gibt sie noch, diese großen Abende, wo man plötzlich wieder erlebt, was Oper sein kann: konzentrierte, vertiefte Menschlichkeit, die auch das Ungesprochene, Unaussprechbare zum Klingen bringt, weil sie die Musik hat… Eigentlich sollte man sich nach diesem Abend eine längere Musiktheater-Askese auferlegen, um alle Begeisterung nicht gleich wieder auf dem Jahrmarkt der Bühneneitelkeit in kleinere Münze tauschen zu müssen.“ (Dresdner Neueste Nachrichten)


    Ausgewählte Pressestimmen WISSEN SIE, WIE MAN TÖNE REINIGT? SATIESFACTIONEN

    „Ein veritabler Theatercoup. Was Liefers, Kurt und Schreiber samt Pianist Arno Waschk mit ihren archaischen Fräcken und artig hochgesteckten Frisuren bieten an überdrehter Rezitations- und Singsang-Kunst, ist brillantestes Schauspielertheater mit einer Prise Brettl und Kabarett … Der Hochgenuss ihres eigenen Könnens, den da Schauspieler und ihr Regisseur zelebrieren, ist mit Händen zu greifen.“ (Süddeutsche Zeitung)

    „Es ist absurdes Theater, eine Aneinanderreihung von Blasen und Phrasen, Manieriert­heiten … das ergibt natürlich keinen Sinn, es passt aber so gut zu den Eitel- und Weh­leidigkeiten unserer sogenannten Wirklichkeit, dass Satie auch vorgestern erst fertig geworden sein könnte … Es gibt Abende, nach denen man das Theater vergnügt pfeifend verlässt; heute ist so ein Abend, was für ein Glück.“ (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

    „Jürgen Flimm inszeniert diese musikalisch-szenische Groteske mit spürbarem Augenzwinkern; nie um eine Pointe verlegen, dabei aber stets die sehnsüchtig-elegische Seite von Saties Musik bedenkend. Komik mit Geist also … Musik kann so einfach sein und doch so schön, denkt man da. Und Theater so leicht, so lakonisch, so unbeschwert und spielfreudig.“ (Frankfurter Rundschau)

    „Die Inszenierung hat zweifellos alles, um ein Publikumsrenner zu werden: Virtuose Darsteller, Tempo und Witz.“ (Berliner Morgenpost)


    Ausgewählte Pressestimmen EL CIMARRÓN

    „Der Bariton Hubert Wild stattet den Held in Henzes Stück mit fesselnder vokaler Biegsamkeit und Bildkraft aus. Drei Musiker des Ensemble Quillo reichern den zweistündigen Bogen der Selbst­beobachtungen und Gedanken des Mannes mit schier überbordender Phantasie der Klangerzeugung an, die ihnen die Partitur über weite Strecken aleatorisch freistellt… Dem Regieteam (Sophia Simitzis, Inga Timm) gelingt es, mit sparsamer Choreographie der Musiker im Raum die Poesie des Stücks aufzubrechen.“ (Süddeutsche Zeitung)

    „Mitreißend das Engagement der Musiker Ursula Weiler, Daniel Göritz und Dominic Oelze. Märchenton, Habanera, Rumba, Aufschlagen einer Kette, Reminiszenz an Chaplins „Modern Times“, religiöse Litaneien gegen die Souveränität afrikanischer Trommeln. Henze-Klang unbeirrbar. Der Sänger spricht, schreit, singt. Bewundernswert, mit welcher Sprachkultur Hubert Wild sich den weiten Ambitus der Partie, die Ausdruckscharaktere zu eigen macht, zumal wo in der Rezitation die Erregung übermächtig wird. Videos von Heta Multanen sind so pfiffig, dass sich aus den Bildern, die repetitiv in Rousseau’schen Landschaften laufen, soziale Kontrapunkte mitteilen.“ (Der Tagesspiegel)

    „Die Revolution findet in der Musik statt. Sie ist frisch und blutig, empörend und erhaben und kitschig und süß, damals wie heute… Ungeheuer effektvoll, und alle spielen alles. Als bei der „Schlacht von Mal Tiempo“ die Hölle des Mordens losbricht, fliegt das Dach der Werkstatt weg.“ (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

    „Aus der Unverbindlichkeit des heutigen Blickes auf den revolu­tionären Ernst der späten sechziger Jahre entspringt unversehens eine ganz eigene Authentizität jenes Fremden, der uns seine Lebens­geschichte erzählt ... Er bleibt fremd und wird als Figur trotzdem ernst genommen. Hubert Wild, der in schwarzer Maske und weißem Anzug zunächst wie einer jener glücklich gealterten Lebemänner auftritt, verfügt als Sänger neben baritonaler Fülle auch über die seltene Fähigkeit einer unpräten­tiösen Sprechstimme. Er macht den Abend zum Erfolg.“ (Berliner Zeitung)


    Ausgewählte Pressestimmen ANTIGONA

    „So fesselnd kann Barockoper sein: Traettas "Antigona" zählt zweifellos zu den spannendsten Wieder­ent­deckungen, die man im Bereich der Barockoper machen kann… René Jacobs gelang es, im hoch artifiziellen, jedoch nie manierierten Klang seines auf Originalinstrumenten spielenden Ensembles alle Reichtümer dieser Partitur aufleuchten zu lassen, ohne den natürlichen Fluss des Ganzen durch die sorgfältige Modellierung des Details zu stören.“ (FAZ)

    „Veronica Cangemis Antigona trotzt allen Unbilden mit herrlichem Gespür für das innere Glühen einfachster Gesangslinien, Bejun Mehta als ihr Geliebter Emone sucht sich glaubhaft aus der Rolle des Herrschersöhnchen herauszu­singen. Kurt Streit als Kreon stattet einen unbelehrbaren Machtmenschen mit dem Glanz der Genugtuung aus, während Jennifer Rivera als Ismene herz­zerreißend linkisch der großen Schwester Antigona nacheifern will. Kenneth Tarver muss als Edler bezeugen, was grauenhaft ist, und er tut das mit schwindel­erregender Eleganz. Nichts entwickelt stärkere Gewalt als der singende Mensch.“ (Der Tagesspiegel)

    „Die szenische Sparsamkeit und schlüssige Personenführung von Nemirovas Regie verbinden sich kongenial mit Traettas immer wieder überraschender, tief in den Personen forschender Musik… Angesichts des Eindrucks, den jede Opernproduktion von René Jacobs in ihrer intellektuellen Klarheit und musikalischen Vitalität macht, darf er als bedeutendster Opernreformator unserer Zeit gelten. Was Oper sein kann, erfahren wir selten stärker und umfassender, als wenn er in der Geschichte gräbt.“ (Berliner Zeitung)

    “Veronica Cangemi’s expressive singing conveys the essence of Antigone’s plight. She is partnered by the brilliant countertenor Bejun Mehta, who gives a riveting performance of Emone’s aria condemning his father’s intransigence. The fine tenor Kurt Streit, as Creon, is called upon to be a rather silly ruler, who sits atop a lifeguard’s tall chair in lieu of a throne. But his ultimate change of heart is powerfully realized. Jennifer Rivera, as Antigone’s sister Ismene, and Kenneth Tarver, as the Theban citizen Adrasto, also give strong performances.” (The New York Times)

    „René Jacobs Dirigat ist sachlich, natürlich atmend, dynamisch fein austariert, in den Tempi moderat. Es bildet die weit gespannten, geschmeidigen Phrasen von Traettas Musik nach, ohne ihnen mit übertriebenen Attraktionen vorder­gründigen Effekt (und damit schnellen Erfolg) zu verleihen, den sie gar nicht beabsichtigt. Traetta ist Gluck näher als Mozart. Er liebt den reinen Ausdruck, das pure Espressivo, das Ariose. Für die Sänger ist’s ein Glück. Denn auf diesem samtenen (Klang)Boden fällt es ihnen leicht, ihre Arien auszugestalten.“ (Frankfurter Rundschau)

    „Ihren Abschied von der Welt nehmen die beiden Liebenden in einem der innigsten Schlussduette der Operngeschichte. Nach einem verhaltenen Beginn blühen der warme füllige Sopran Veronica Cangemis und der agile Alt Bejun Mehtas im Lauf des Abends prächtig auf, und hier umfließen und umschlingen sich die Stimmen wie die Körper in ihrer hauchzarten Choreografie, verschmelzen zu herzergreifender Einheit: die Apotheose zweier Liebender, deren Intensität selbst das gefühlsselige 19. Jahrhundert nur selten erreicht hat.“ (Neue Osnabrücker Zeitung)


    Ausgewählte Pressestimmen EXERCICES DU SILENCE

    „Salome Kammer fasziniert mit darstellerisch-stimmlicher Präsenz, mit dem Umschlag von selbstquälerischem Anti-Gesang bis zu ekstatischem Klangglanz ihres wandlungsfähigen Organs. So gelingt es ihr, die seelischen Grenzüberschreitungen der Louise Néant zwingend nachzuzeichnen.“ (Der Tagesspiegel)

    „Zum würdevollen Gelingen trägt die Sopranistin Salome Kammer nicht wenig bei; sie verzichtet auf jeden Exhibitionismus und stellt die stimmliche Akrobatik in den Mittelpunkt. Die perverse Demutslogik der Jesusbraut bleibt einem dadurch zwar verborgen, dafür gewinnt Louise du Néant, auf deren Briefen das Libretto beruht, das Profil einer autonomen Künstlerin, die sich ihre eigene Welt des Wahnsinns erschafft.“ (Berliner Morgenpost)

    „Dunkel, Zerfetzung, Fragmentierung, Abgrund - das prägte Inszenierung und Gesang. Die Bühnengestaltung gab sich äußerst sparsam. Schwarz dominierte, Weiß stand schüchtern daneben, auch die Beleuchtung hielt sich zurück. Im Zentrum stand die Sprache der Louise de Néant, uneigentlich und fragmentiert, ganz Laut, ganz Körper, scharf rhythmisiert. So unmittel­bar und ungeschlacht sich also die direkte Ausdrucksebene präsentierte, umso Staunens­­werter war die Gedächtnisleistung von Salome Kammer, die unnachgiebige Präzision ihrer Diktion, mit der sie die Geschichte von Selbstkasteiung und himmlischer Freude im Leid gestaltete.“ (Klassik.com)


    Ausgewählte Pressestimmen THE RAKE'S PROGRESS - KARRIERE EINES WÜSTLINGS

    „Alles Allegorische des Librettos erscheint in dieser Inszenierung als sehr fleischlich, selbst die Maschine, mit der der Teufel im Original Steine in Brot verwandeln kann, wird bei Regisseur Krzysztof Warlikowski zum realen Hackepeter-Wolf… Die broadwaybunte Zuspitzung des Stücks kommt an beim Premierenpublikum. Warlikowski hat aber auch ein unverschämtes Glück mit seiner Premierenbesetzung! Florian Hoffmann gibt den idealen Toy-Boy ab für Luzifer. Dieser Tom Rakewell ist ein hochattraktiver Knabe, der sich nicht nur verblüffend jungenhaft durch die Szenen bewegt, sondern seine Partie auch musikalisch ganz lässig gestaltet, mit schlankem Tenor und maximaler Textverständlichkeit. Gidon Saks geriert sich als Nick Shadow dagegen betont rampensäuisch, ein schriller Schattenmann, der definitiv keine Angst vor hässlichen Tönen hat. Anne Trulove, die Herzensreine, könnte in Gestalt der Anna Prohaska problemlos als MTV-Moderatorin arbeiten – so selbstbewusst, wie sie ihre virtuose Sopranstimme einsetzt, ist auch ihre Körpersprache.“ (Der Tagesspiegel)

    „Die Absurdität der Oper, ihr dialektisch geformter Aberwitz, zieht Krzysztof Warlikowski und Ingo Metzmacher mit der Staatskapelle Berlin magisch an. Unterhaltsam soll dieser Abend nicht sein. Er soll, und er will präzisieren, er will quälen. Das Leben ist keine Party, höchstens ein Scherz, den man richtig deuten muss. Das ist es, was Nick Shadow, den Gidon Saks fulminant verkörpert, so stark macht, was ihn abhebt von all den armen Irren. Shadow versteht den Scherz. Und er treibt ihn mit den allzu leicht zu Verführenden. Warlikowski stellt diese Mephisto-Marionetten bloß… Nicht die Wahrheit will entdeckt werden, sondern der Schein. Und das Leiden der Anderen. Deswegen sitzt der deutlich deklamierende Chor der Staatsoper auf einer Balustrade. Mal gucken, was die da unten so treiben. Randalierer, Huren, Auktionsteilnehmer…“. (Frankfurter Rundschau)

    „Anna Prohaska erweist sich als die stimmlich überragende Sängerin des Abends, obwohl die Aufführung an vokalen Überraschungen durchaus nicht spart. Die Rolle der "Türken-Baba" ist nicht mit einem Mezzosopran, sondern mit einem Counter-Tenor besetzt. Nicolas Zielinski macht als bärtige Dame darin auch stimmlich attraktive Figur. Florian Hoffman schlägt sich als immerfort knabenhafter "Wüstling" ohne Ermüdung durch die Hauptrolle: eine standfeste, brave Leistung… Und dann Gidon Saks, der baritonale Leistungssportler übermenschlicher Niedertracht. Er donnert den Part des Verführers zum Untergang mit nie erlöschendem Nachdruck hin, als würde er bei seinem Opfer immerfort auf taube Ohren stoßen.“ (Berliner Morgenpost)

    „Ganz in die Ästhetik der Clubszene getaucht erscheint die glitternde, trügerische Opern-Großstadt, bevölkert von brünftigen Gestalten im stylish-trashigen Outfit von Nachtwelt-Axolotln mit schwer zu definierender Gender-Identität… Die Staatskapelle unter der Leitung von Ingo Metzmacher steht hundertprozentig unter der Spannung der vielen Fäden, die der Maestro, mit allen zehn Fingern dirigierend, spinnt. Sein Gebärdenalphabet für fortgeschrittene Klangkörper formt ein Minidrama für sich.“ (taz)

    „Das Publikum zeigte sich von „shooting star“ Anna Prohaska begeistert. In der Rolle der Anne Truelove zeigte die 1983 geborene Prohaska mit geschmeidigem Sopran, warum sie schon jetzt als Star der internationalen Opernszene gefeiert wird. Für Dirigent Ingo Metzmacher war es fast ein Heimspiel. Vor wenigen Monaten hatte Metzmacher das Deutsche Symphonie-Orchester (DSO) in Berlin verlassen. Am Freitagabend hatte er die Staatskapelle Berlin und den Chor im Griff, dirigierte präzise Strawinskys zwischen Neoklassik, Jazz und Musical angesiedelte Musik.“ (dpa)

    „Die Friedhofsszene gerät trotz des ulkigen elektronischen Cembaloklangs zum musikalischen Höhepunkt des Abends. Die Donnerstimme von Gidon Saks berauscht sich geradezu an der verzweifelten Wut des waidwunden Teufels, und Florian Hoffmann als Tom hält hier leidenschaftlich dagegen. Die Anne der Anna Prohaska lässt in den kalten Koloraturen beim Abschied vom Vater etwas Abwesendes, Traumatisiertes aufscheinen und stürzt sich ebenso entschlossen in den Wirbel der Suche nach dem Geliebten, wie sie den bizarren Sprüngen trotzt, die Strawinsky ihr vor dem Eintritt in dessen höllisches neues Zuhause aufgebürdet hat. Das Orchester bewegt sich unter Ingo Metzmachers Leitung reaktionsschnell und präzise durch die buntscheckige Partitur.“ (Berliner Zeitung)


    Ausgewählte Pressestimmen DER GESTIEFELTE KATER

    "Mit ihrer Spontaneität auf der Bühne produktiv umzugehen, ist eine hohe Kunst, die nur wenige beherrschen. Die Staatsoper Unter den Linden in Berlin schafft es. Sie geht die Kommunikation subtil an, in dem sie die Kinder im "Gestiefelten Katers" an einigen Szeneelementen mitwirken lässt. Und sie verzichtet auf einen pädagogischen Cicerone, der das junge Publikum in und durch die Spielwelt begleitet, denn hier ist alles Spiel. Bühnenarbeiter oder Mitarbeiter an einem Filmset inszenieren wie zum Vergnügen in ihrer Pause das Märchen, swingen sich gewissermaßen ein in diese Oper und spielen und singen die Rollen selbst. Und doch entfaltet die Märchenoper des russischen Komponisten César Cui von 1918 ihren ganzen Zauber und ihre Ermutigung, seines Glückes eigener Schmied zu sein.
    Diese Produktion für die Probebühne des Schiller Theaters ist hinsichtlich Inszenierung, Dramaturgie, Personenführung und Integration der Kinder eine der gelungensten und anspruchsvollsten Arbeiten. Der künstlerische Theaterzugriff agiert ganz und gar frei von vermeintlichen Zwängen einer kindgerechten Ästhetik und agiert doch nicht am Publikum vorbei. So muss es sein." (Deutschlandfunk)

    „Die Regisseurin Isabel Ostermann lässt das Stück spielen, wie Kinder spielen: Dinge und Personen werden einfach umdefiniert. Laken, Linoleum, Schminke, und Pappkartons - mehr braucht es dazu nicht. Na gut, noch eine Krone für den König und ein paar Winkelemente mit Kater-Emblem. Den Rest an Verzauberung besorgen die Darsteller, das Licht und die Musik.“ (FAZ)

    „Jedes Kind kann also in nur einer knappen Stunde alles Wesentliche über Romantik und Ironie erfahren. Phantastisch! Alle – Kind und Kenner – waren begeistert.“ (tip Berlin)

    „Isabel Ostermann ist eine solide, unterhaltsame Inszenierung gelungen. Alles ist kurzweilig, die Zeit vergeht wie im Märchen. Anna Alàs I Jové gibt den charmanten Vierbeiner, Paula Rummel eine schön singende und gern schmollende Prinzessin, Kai Wegner ist ein stimmgewaltiger Menschenfresser und zugleich der Ältere Bruder. Die wahre Hauptrolle fällt jedoch dem Kinderchor der Staatsoper zu. Der auf den ersten Sitzreihen postierte Nachwuchs agiert und singt souverän, ohne Noten, ohne Dirigenten. Und findet an der schnurrigen Geschichte mindestens genauso viel Gefallen wie die Zuschauer.“ (Berliner Morgenpost)

    „Wie spielt man einen Kater? Anna Alàs I Jové macht das in der Titelrolle von César Cuis Märchenoper „Der gestiefelte Kater“ in der Werkstatt des Schillertheaters so wunderbar, dass man sich fragt, mit wie viel Katzen sie in ihrer katalanischen Heimat wohl aufgewachsen ist. Genauso geschmeidig wie ihre Bewegungen ist ihr Sopran. Kai Wegner hat zwar nur eine kleine Rolle als Menschenfresser, drückt dieser aber mit markigem Bass den Stempel auf. Der Klang ist erstaunlich füllig, obwohl das fünfköpfige Orchester aus Musikern der Staatskapelle oben in der Galerie versteckt ist.“ (Der Tagesspiegel)


    Ausgewählte Pressestimmen DAS RHEINGOLD

    „Die Berliner Premiere des „Rheingolds“ bescherte ein musikalisch beinahe vollkommenes Wagner-Glück, das sich nicht trotz der kleineren Dimensionen der neuen Spielstätte einstellte, sondern von diesen überraschend profitierte. In der trockenen, unbarmherzig harten Akustik des Saals animierte Barenboim seine Musiker zu einem so geschärften, bis in die motivischen Feinheiten hinein „sprechenden“ und rhetorisch spannungsreichen Spiel, dass man diese Musik völlig neu zu hören begann: Wagner als Kammerspiel. Als ein genuin aus dem Drama geborene Klangerzählung. Und wann erlebt man einen Wagner-Gesang, der bis in einzelne Silben hinein artikuliert textverständlich klänge und der einem zugleich die Psychologie der Figuren in einer Fülle dynamischer Abstufungen offenbaren würde?“ (FAZ)

    „Diese Berliner Produktion des Wagnerschen „Rheingold“ ist von Anfang an so überzeugend, so unterschwellig verführend, dass man gar nicht weiß, woran es in der Hauptsache liegt. Ob es die nicht nur stimmlich durchweg bravourösen Sänger sind, ob es deren vom Theatermacher Cassiers hervorgelockten schauspielerischen Fähigkeiten sind, oder ob es am Ende doch die grenzenlose Energie des Orchesters ist, der Funken, der sich auf der Spitze von Barenboims Dirigierstab bilden mag und eine fast makellosen musikalischen Raum schafft.“ (Süddeutsche Zeitung)

    „Besser kann man diese Musik wohl kaum spielen und singen, als sie jetzt zu hören ist im umgebauten Schillertheater. Der intime Raum des Ausweichquartiers der Staatsoper macht sie zu einem fast körperlichen Erlebnis. Barenboim lässt das Orchester vibrieren und leuchten, nichts klingt bloß laut und pompös, selbst die banalsten Fanfaren haben innere Energie, Spannkraft und musikalische Logik über die bloß illustrierende Funktion hinaus, die ihnen Wagner zugeordnet hat.“ (taz)

    „Bestrickende Verführungsmelodien im Rhein, schwelgerische Schönheit, wenn das Gold erstrahlt, klingend donnernde Riesenschritte, ein rauschhafter Schwung, wenn Wotan seine Götter nach Walhall führt, zart leuchtende Streicher, hinreißende Holzbläser; Barenboim überzeugte mit einer prachtvollen Klangsinnlichkeit, punktete überzeugend im Schönheitswettbewerb dieser Koproduktion mit der Mailänder Scala.“ (Neues Deutschland)

    „Das ist Berlin, die Weltstadt der Oper. Mit "Rheingold" traf das frisch eröffnete Haus auf Anhieb voll ins Schwarze. Eine Dichtung für die Bühne ist dabei herausgesprungen, von Daniel Barenboim und der Staatskapelle mit meisterlicher Lust und Liebe vorgeführt. Darüber hinaus ist die sängerische Besetzung vorzüglich. Einzigartig ist aber die Inszenierung Guy Cassiers, die sich als bezauberndste Erfindung auf ein Ballettensemble stützt, das von der Eastman Company gestellt wird. Der Effekt ist sensationell: Die langen musikalischen Übergänge zwischen den einzelnen Szenen werden aufs Anmutigste lebendig. Man kann sich nicht satt sehen." (Berliner Morgenpost)

    „Das Licht im Saal verlischt – und wie auf dem Grünen Hügel beginnt die Musik aus dem Nichts. Anders als in Bayreuth aber bleiben die einzelnen Instrumentalstimmen in der Charlottenburger Spielstätte der Staatsoper deutlich unterscheidbar, verbinden sich nicht zum berühmten Bayreuther Mischklang. Um das Rauschhafte der Wagnerschen Musik geht es Daniel Barenboim auch gar nicht. Er strebt an diesem ersten Abend der neuen Tetralogie nach größtmöglicher Klarheit. Eine echte Überraschung für alle, die den Maestro als Entfessler mächtig aufrauschender Orchesterwogen kennen. Seit über 20 Jahren dirigiert er nun schon den „Ring des Nibelungen“, kennt jede Tücke der Partitur – und entscheidet sich gerade deshalb gegen die Routine, horcht dem Werk neue Aspekte ab, arbeitet Details mit kammermusikalischer Akkuratesse heraus. Bis in die feinsten Verästelungen ist vor allem das filigrane Zierwerk der Violinen nachzuvollziehen. Und wenn Barenboim wirklich mal einen Akzent setzt, die Musik aufbrausen lässt, wie beispielsweise in dem Moment, in dem Wotan den gerade erst mühsam erbeuteten Weltherrschaftsring an die Riesen abtreten muss, dann macht das nachhaltig Eindruck.“ (Der Tagesspiegel)

    „Die Staatskapelle bewies, dass sie derzeit in der bundesdeutschen Kapitale unangefochten ist... Daniel Barenboim, das genialische Schlitzohr präsentiert einen Wagner, der eben völlig anders daherkommt als gewöhnlich. „Rheingold“ erklingt unter seinen Händen als Kammerstück in dynamisch und semantisch weit gespannter Klangrede. Schon das Vorspiel versucht gar nicht, das Panorama eines geheimnisvoll-ätherischen Irgendwo zu öffnen, sondern schärft mit konzis artikulierten Formulierungen den Blick auf eine prosaisch verengte Welt: die Welt der Götter. Denen billigt Regisseur Guy Cassiers, der sich vor Einfällen kaum retten kann, nicht mehr zu als einen Rang im Museum für Menschheitsgeschichte, aus dem sie zweieinhalb Stunden ins irdische Dasein entlassen werden.“ (Frankfurter Rundschau)

    „Hanno Müller-Brachmann bietet einen jungen und kernigen Wotan, sein Staatsopernkollege Stephan Rügamer spielt Loge tänzerisch-brillant. Anna Samuils Freia besticht durch eine klare Höhe. Es ragen Ekaterina Gubanova als strahlend projizierende Fricka und Johannes Martin Kränzle als dämonischer, sehr theatraler Alberich heraus. Kwangchoul Youns warmer, erschütternder Fasolt bleibt ein Ereignis. Die insgesamt hohe vokale Qualität wird durch ein vorzügliches Rheintöchter-Terzett (Aga Mikolaj, Maria Gorstevskaja, Marina Prudenskaja) abgerundet.“ (Nordbayerischer Kurier)


    Ausgewählte Pressestimmen METANOIA – über das denken hinaus -

    „Es wird erkennbar, dass Schlingensiefs Versuch, Nietzsches Trauerspielbuch durch immer neue Übermalungen in Musiktheater zu verwandeln, ein kongenialer Anstoß sein könnte, wie Oper sich heute konstituieren ließe: In der ungehemmten und nicht nachlassenden Befragung eines alten und fremden Stoffes, der mit Alltgasfloskeln, Banalitäten, Bildungsrelikten, Eigenphilosophie und Halbwahrheiten so lange abgeschmirgelt wird, bis ein neuartig schimmerndes Artefakt entsteht, dessen Herkunft zwar klar ist, dessen Bedeutung und Sinn aber erst erschlossen werden müssen.“ (Süddeutsche Zeitung, Wolfgang Schreiber, 5.10.2010)

    „Jens Joneleits Handschrift ist farbig, tiefspurig, phantasievoll, öfters vom Klangereignis ausgehend als von Konzepten und kundig eingebunden in die klassisch-romantische Musiksprache. Er gibt den Instrumenten gern das Ihre – so, dass die sich nicht verbiegen müssen; auch die Vokalstimmen sind gut aufgehoben bei ihm; auch das Erbe der Musikhistorie.“ (FAZ, Eleonore Büning, 5.10.2010)

    „Der Charaktertenor, Graham Clark, klingt prononciert, die Sopranistin, vorzüglich Anette Dasch, intensiv dramatisch, der Bass Alfred Reiter samtig, Bass-Bariton Daniel Schmutzhard eher kernig, die Koloratursopranistin Anna Prohaska zwitschert in unerreichbaren Höhen, der Chor leuchtet sanft …“ (Neues Deutschland, Irene Constantin, 5.10.2010)

    „Die gleichermaßen effektvoll aufgeladene wie eklektische Musik Joneleits (dehnt) sich im Verlauf der knapp siebzig Minuten höchst expressiv, nicht selten expressionistisch überschäumend und häufig in glissandierenden Schüben aus. Metastasierende Zellen sind das, die mal implodieren, in sich zusammenfallen, und die mal (gerne im vierfachen forte plus sforzato) explodieren, die aber in jedem Fall das Extrem suchen, den harschen Kontrast: Ekstase verwandelt sich innerhalb dieses nervös flimmernden Gewebes augenblicklich in Kontemplation, Lärm in Stille. Eruption sucht die Kontraktion, akkordische (bruitistisch getünchte) Massierung den singulären Ton, das Wesentliche das Unwesentliche.“ (Frankfurter Rundschau, Jürgen Otten, 5.10.2010)

    „Jens Joneleit schreibt eine lebenspralle Musik, die unterschiedliche Stile von spätromantischen Sturm und Kampfszenen bei Verdi und Wagner über die prägnante Rhythmik eines Strawinsky bis hin zu elektronischer Musik zu einem interessanten Klangamalgam verbindet. Und ihre große Orchestrierung ist zugleich eine glänzend bestandene Bewährungsprobe für den einst als Sprechtheater erbauten Interimsspielort. Bei aller Kraft vermeidet Joneleit in "Metanoia" jenes Pathos, mit dem sich der Abend zu einem Requiem für Schlingensief hätte stilisieren lassen. Statt sentimentale Rückschau zu halten, blickt man so verunsichert nach vorne und erblickt vor allem Zweifel und offene Fragen. In einer etablierten Kunstform wie der Oper ist das allerdings kein schlechtes Vorzeichen für einen Neubeginn, wie die Staatsoper ihn gerade erlebt.“ (Hannoversche Allgemeine Zeitung, Stefan Arndt, 5.10.2010)


    Ausgewählte Pressestimmen MISS DONNITHORNE´S MAGGOT/ INFINITO NERO

    „Hut ab, die Staatsoper im Schillertheater traut sich was. Gleich nach der "Metanoia"-Premiere brodelte es wieder tüchtig - diesmal in der sehr viel kleineren Opernwerkstatt nebenan. Zwei Einakter der Neutöner Maxwell Davies und Sciarrino attackierten das Publikum in spektakulärer Guerilla-Manier.“ (Berliner Morgenpost, 7.10.2010)

    „Hanna Dóra Sturludóttir weiß die letzten verhuschten Zuckungen der am Hochzeitstag verlassenen Miss Donnisthorne in Ton und Geste beeindruckend umzusetzen. Und auch die Idee, die Darstellerin in eine Pappbox zu setzen, das Geschehen per Handkamera zu übertragen und so das Voyeuristische der Situation zu unterstreichen, ist stimmig.“ (Der Tagesspiegel, 7.10.2010)

    „Regisseur Michael von zur Mühlen trifft mit der konsequenten Überspitzung den Ton von Komposition wie Figur. Miss Donnithorne ist schließlich vom Wahn beseelt. Und sie wäre nicht die erste noch die letzte, die ihn in sexuellen Obsessionen auslebt“. (Frankfurter Rundschau, 7.10.2010)

    „Hanna Dóra Sturludóttir girrte und jubelte die verzwickten Texte von Randolph Stow, sank tief in die Bruststimme, kreischte in atemlosem Wahn. Zum Schluss verschwindet der Kubus und man erblickt die Arme… Großer Beifall…“. (Neues Deutschland, 7.10.2010)

    „Mit einem faszinierenden, rätselhaften Opern-Doppel … springt die Staatsoper an die Spitze der musiktheatralischen Avantgarde.“ (Berliner Zeitung, 6.10.2010)

  • Zum 70. Geburtstag von Jürgen Flimm

    Am 17. Juli 2011 beging Jürgen Flimm seinen 70. Geburtstag. Für Sie haben wir an dieser Stelle einige der zahlreichen Pressestimmen zusammengetragen.  
     
    Jürgen Flimm  Bernd Thissen
     

     


     
    Süddeutsche Zeitung, 17.07.2011:  
    Jürgen Flimm zum 70. Auf der Nachtseite der Vernunft  
    von Wolfgang Schreiber  
     
    Er ist ein eventuell bissiger, aber mittlerweile rheinisch gelassener Theater-Entertainer: Der praxiskluge Bühnenleiter und Opernstreiter Jürgen Flimm wird siebzig.  
     
    Werktreue - ein einziger Irrtum. Die Gegenposition, das Regietheater - der böse Zwillingsbruder der Werktreue. Jürgen Flimm, Regisseur und Intendant der Berliner Staatsoper, hält eine Rede in der noblen American Academy zu Berlin. Es ist mehr als nur ein wohlformulierter Vortrag, es ist eine verbale Performance, vor ein paar Monaten "aufgeführt".  
    Juergen Flimm wird 70 Bild vergrößern  
     
    Eine Replik auf Peter Gelb, den Manager der New Yorker Metropolitan Opera, der am selben Ort das deutsche Regietheater attackiert hatte: Das schere sich arrogant nur um seine Deutungshoheit, nicht um die Zuschauer, so Gelb. Flimm will den ernsten Diskurs gar nicht führen, er unterläuft ihn (schau)spielerisch, geradezu zirzensisch locker.  
     
    Flimm präsentiert die Grundeinsichten eines langen Lebens für die Bühne, also: Auf dem Theater und in der Oper gibt es keine bleibenden Perspektiven, Hamlet öffnet sich vielen Gesichtern und Deutungen unserer Gegenwart, er ist "ein Schwamm, der alles in sich aufsaugt, gerade auch die Gegenwart".  
     
    Alles ist Theater im Theater, nur auf den Moment bezogen. Und auch der Skandal von einst verfliegt mit der Zeit. Zwei Beispiele? Patrice Chéreaus einst umkämpfter Bayreuther "Ring" 1976, heute auf DVD dokumentiert, eingefroren, ist ein entschärftes Kunstwerk. Ebenso der "Othello" von Peter Zadek. Man findet in diesen Entwürfen und Aufführungen überhaupt nicht mehr den Skandal, den Grund, warum sie so umstritten waren.  
     
    "Die Nachtseite der Vernunft" wählte Jürgen Flimm 2007 zum Motto für seine erste Saison als künstlerischer Leiter der Festspiele Salzburgs. Anders gesagt: die Ambivalenz, die Widersprüchlichkeit von Kunst-Leben. Da hatte der Mann, der 1941 in Gießen geboren wurde, in Köln aufwuchs und dort Literatur- und Theaterwissenschaft sowie Soziologie studierte, bereits eine lange Regisseurs- und Intendantenkarriere hinter sich gebracht, an zwei großen Schauspielhäusern, Köln (bis 1985), danach Hamburg, Thalia Theater (bis 2000).  
     
    "Übermalung", den Begriff aus der bildenden Kunst hat er einmal gebraucht, um zu zeigen, was die Regie auf der Bühne mit der Literatur anstellt - "auf etwas Altem das Neue praktizieren, dass wir dahinter schauen mögen, neugierig nach dem, was war".  
     
    Flimm hat als Regisseur dem Theater so obsessiv gedient, dass er irgendwann die Oper entdecken musste - 1978 gleich mit einer Tat, der Frankfurter Inszenierung von Luigi Nonos visionärer Szenen-Aktion "Al gran sole carico d'amore". Danach kam die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Nikolaus Harnoncourt im Zeichen Mozarts, folgten Regiearbeiten in Mailand, New York, London, Berlin, Hamburg, Zürich - bis hin zum größten Opernprojekt überhaupt, dem Bayreuther "Ring" mit Giuseppe Sinopoli am Pult.  
     
    Und die Oper hält Jürgen Flimm bis heute fest im Griff - er sie und sie ihn. Zwar war er, als Nachfolger Gerard Mortiers, noch einmal Gesamtkunstleiter, drei Jahre bei der Ruhrtriennale, bis 2007, aber die vier Spielzeiten bei den Salzburger Festspielen markieren doch den Höhepunkt - mit dem Akzent auf der Moderne, Flimms persönlichem Triumph.  
     
    Denn auf Nonos "Al gran sole" in den kühl faszinierenden Bildern Katie Mitchells folgte vorigen Sommer die denkwürdige Uraufführung von Wolfgang Rihms "Dionysos". Flimms Kritik an Salzburg, die ihn lustlos machte: wachsende Kommerzialisierung. Und zwischen all den Schauplätzen war er irgendwann Hochschuldozent in Harvard und in Hamburg, spielte er zweimal im "Tatort" mit, in Thomas Braschs Spielfilm "Engel aus Eisen".  
     
    Flimm ist der praxiskluge, bestens - bis ins Schröder'sche Bundeskanzleramt - vernetzte Theatermensch der Republik. Und seit 2010 neben Primus Barenboim Intendant der Berliner Staatsoper, der Ost-West-Umzugsabenteurer im Schillertheater.  
     
    Nein, Jürgen Flimm ist kein diskursiver Intellektueller, sondern mit seiner scharfen, hemdsärmelig ausgelegten Intelligenz ein Handelnder, manchmal auch Schauspieler seiner Überzeugungen, der eigenen Person, der Mimik und Stimme.  
     
    Ein eventuell bissiger, aber mittlerweile rheinisch gelassener Theater-Entertainer - für eine Institution der "ruhende Pol". Noch am Rednerpult kann Flimm die Themen so souverän "durchspielen", dass er selbst plötzliches Handyklingeln noch zum Teil seines Plädoyers für die ästhetische Moderne macht, nämlich die Gegenwart des Theaters. Möge er das noch lange tun können, am Sonntag wird er rüstigerweise siebzig.  
    Süddeutsche Zeitung >>  
     


     
     
    Tagesspiegel, 15.07.2011:  
    Staatsopernchef Jürgen Flimm  
    „Endlich wieder Räuberhauptmann“
     
    Staatsopernchef Jürgen Flimm wird 70 und spricht mit dem Tagesspiegel über Kunst, Politik, die Macht und die Liebe. Und über seine Lieblingsstücke.  
    Jürgen Flimm im Gespräch mit Peter von Becker  
     
    Herr Flimm, warum geht man eigentlich zum Theater?  
     
    Dafür gibt es ein paar Gründe. Wenn man rote Haare hat. Oder eine zu lange Nase. Also wenn man sich als Außenseiter fühlt und deswegen schon als Kind gehänselt wurde. Da bietet das Theater viele Freiräume. Zweitens dynastische Gründe. Wenn man zu einer Theaterfamilie gehört, die Künstlerkinder: die Langhoffs, Thalbachs, Dresens. Romy Schneider, Geraldine Chaplin, Sophia Coppola. Das Dritte sind die armen Kinder. Nicht materiell arm, sondern Kinder, denen die Mutterliebe nicht gereicht hat oder die nie genügend Bonbons bekamen. Die glauben, sich die ersehnte Liebe durch Späße, durch Kaspereien zu ergattern. Wie ich. ... mehr >>  
     


     
     
    Berliner Zeitung, 16.07.2011:  
    Ein geschickter Musensohn  
    Der Regisseur und Intendant Jürgen Flimm wird siebzig  
    von Irene Bazinger  
     
    Ob es an seinem Bart liegt oder den ruhig und genau und bei aller Skepsis meist menschenfreundlich offenen Augen? Oder doch an der bedächtigen wie bodenständigen Art, mit der er sich sämtlicher Aufgeregtheiten dieser Theaterwelt annimmt? Jürgen Flimm hat jedenfalls, ob er will oder nicht, stets etwas von einem Patriarchen an sich. Und zwar eines der guten, alten Schule, der nicht durch Machtgesten, sondern durch Verständnis und Wohlwollen, ein bisschen pädagogischen Nachdruck und höchstens eine diskret kaschierte feste Hand seine Mitarbeiter führt und seine Häuser leitet. ... mehr >>  
     


     
     
    Frankfurter Rundschau, 16.07.2011:  
    Einer von früher  
    Rücksichtslose Zuneigung: Der Regisseur Jürgen Flimm feiert am heutigen Samstag seinen siebzigsten Geburtstag  
    von Peter Iden  
     
    Ein Dorf an der Elbe wird an diesem Wochenende, wenn Jürgen Flimm im Alten Land, in einem Haus gleich hinter dem Deich, seinen 70. feiert, ein Treffpunkt vieler Theatermenschen sein. Es wird ein Auftrieb werden. Dieser Flimm ist ein geselliger Typ und groß ist die Schar derer, die ihn als Mitwirkende man seinen Erfolgen auf dem langen Weg durch nicht nur die deutsche Theaterlandschaft begleitet haben und sich ihm freundschaftlich verbunden wissen. ... mehr >>  
     


     
     
    Die Welt, 16.07.2011:  
    Die Staatsoper Unter den Linden ist nur eine Bühne von vielen: Jürgen Flimm zum 70.  
    Er ist ein Patriarch von altem Schrot und Korn: ein echter Prinzipal, der fest an sein Ensemble glaubt  
    von Ulrich Weinzierl  
     
    Auf dem Podium hoch über den Dächern von Salzburg, bei der Programmpräsentation der letzten Pfingstfestspiele unter Maestro Riccardo Muti, war er offenbar in seinem Element: Jürgen Flimm plauderte aus dem Nähkästchen der Festivalgeschichte. Ein freundlicher, geradezu jovialer Herr präsentierte sich da, der es versteht, den guten Onkel zu mimen, den Konsens zu suchen und zu finden, der gern und voll Freude an der Anekdote erzählt. Das verleitet dazu, ihn zu unterschätzen. Flimm, eine Art herzlicher Griesgram, ist ein Mann, der immer wusste, was er wollte - und auch die Fähigkeit besitzt, sein Wollen in die Tat umzusetzen. ... mehr >>  
     


     
     
    domradio.de, 17.07.2011:  
    Ein Theaterintendant wie wenige andere  
    von Wilhelm Roth/epd  
     
    Jürgen Flimm ist einer der umtriebigsten, fleißigsten und erfolgreichsten deutschen Theaterleiter. Er war Schauspielintendant in Köln und am Thalia Theater in Hamburg, er leitete die Ruhrtriennale und die Salzburger Festspiele. Und gerade geht sein erstes Jahr als Intendant der Staatsoper Berlin zu Ende. ... mehr >>

  • Große Kunst auf Reisen

     


    Freie Volksbühne besucht die Staatsoper

    Wilmersdorf In den Wirrungen Berliner Kulturpolitik hat die Freie Volksbühne ihr Theater verloren und das Schillertheater wurde dem Verfall preisgegeben.

    Die Freie Volksbühne konnte in der Ruhrstraße 6 eine kleine Bühne eröffnen, auf der die Veranstaltungsreihe „Montagskultur“ Fuß gefasst hat. Der Verfall des Schillertheaters wurde gestoppt und es für 23 Millionen Euro restauriert, um der Staatsoper, die ihrerseits restauriert wird, ein Interimsdomizil zu geben.

    Im Rahmen von „Montagskultur“ begab sich die Freie Volksbühne mit ihrer Geschäftsführerin Adrienne Boros und ihrem Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Dietger Pforte in die Staatsoper, um sich nach dem Befinden des Intendanten der Staatsoper, Jürgen Flimm, in seinem Exil zu erkundigen.

    Der war zu aller Überraschung von diesem Haus hellauf begeistert. „Charlottenburg ist ein Glücksfall für die Staatsoper“, rief er gleich zweimal begeistert aus. Das betrifft vor allem die Akustik, die viel besser als im Stammhaus Unter den Linden sei. Diese Begeisterung für das Haus teilt auch der Architekt Norman Foster, den Jürgen Flimm durch seine Interimsspielstätte in der Bismarckstraße geführt hatte. Von den Fenstern im Foyer

    über die Lampen bis zu den originalgetreu restaurierten Goldlettern zur Wegführung war er von jedem Detail dieses Juwels der 50er-Jahre-Architektur hingerissen. Blieb die Frage, was mit dem Gebäude geschehen soll, wenn die Staatsoper 2014 wieder zurückzieht? Wahrscheinlich wird dann die Komische Oper eine Interimsspielstätte benötigen, aber Jürgen Flimm ist der Meinung: „Berlin kann auch ein viertes Opernhaus gebrauchen.“

    Zunächst verleiht aber die Staatsoper dem Gebäude Glanz. Acht Premieren im Musiktheater und sechs Premieren auf der Werkstattbühne wird es in der kommenden Spielzeit geben. Dazu kommen ein Gastspiel, zwei konzertante Opernaufführungen, 19 Opernwerke aus dem Repertoire, über 80 Konzerte, die Festtage zu Ostern, das neue Festival „Infektion“ für zeitgenössisches Musiktheater, eine Premiere und vier Repertoirestücke des Staatsballetts, die Reihe „Schlaflos in Charlottenburg“ sowie Projekte der Jungen Staatsoper. Das ergibt 370 Veranstaltungen.

    Als der Bund das frühere Theater der Freien Volksbühne in der Schaperstraße sanierte, mussten die Berliner Festspiele für ihr diesjähriges Musikfestival „Maerzmusik“ auf andere Spielstätten ausweichen. Dabei wurde das frühere Kraftwerk Mitte in der Köpenicker Straße 70 als Spielort entdeckt. Hier wird im März 2012 eine der aufregendsten Inszenierungen der Staatsoper Premiere haben: Luigi Nonos „Al gran sole carico d’amore“, laut Jürgen Flimm, „eines der großen Werke des modernen Musiktheaters.“

    FW

    (Artikel aus der Berliner Woche vom 08. Juni 2011)

  • Jürgen Flimms Laudatio auf Andre Schmitz

    Lieber André,

    Deine Bitte, diese Laudatio, Lobrede, zu halten, kam für mich unerwartet und so überraschend. Ich kenne den André Schmitz schon sehr lange aus unseren gemeinsamen Hamburger Zeiten, er hat sogar eine zeitlang an unserem Hamburger Thalia Theater gearbeitet, in meinen ersten Jahren als Intendant dieses schönen Hauses. Einige Male sind wir uns fröhlich auf Treppen, Fluren und Premieren begegnet, der junge Rotschopf, über den alle so des Lobes voll waren.

    Dann freilich, nach beendeter Referendarzeit, verschwand er - stickum sagt man in seiner westfälischen Heimat – und betrat als Referent des eindrucksvollen Kultursenators Ingo von Münch – dieser ein über die Grenzen unserer Hamburger Universität hinaus renommierter Staatsrechtler – wieder die Hamburger Szene. Von diesem ausgleichenden und integren Wissenschaftler wird er viel gelernt haben über Engagement und Zivilcourage. Als der Prof. Münch nach diesem Ausflug in die aufgeregten politischen Wirrnisse – die Besetzung der Hamburger Hafenstraße markierten für einen aufrechten Staatsrechtler, einen äußerst fragwürdigen Höhepunkt der öffentlichen Unordnung – wieder zurück zur Universität strebte, verschwand auch zu unser aller Verwunderung André wieder, stickum. Er hatte der Kulturpartie an Elbe und Alster mit seinem freundlichen Wesen besonders gut gefallen. Als ich deshalb eine gemeinsame Freundin, Münchs Pressesprecherin Armgard, aus sehr professionellem Interesse fragte, was André so mache, bekam ich prompte Antwort: Du, der is in Hildesheim! Bitte wo? Da ist er Verwaltungsdirektor. Nachfolger von einem gewissen Peter Raddatz, der ans Hamburger Schauspielhaus enteilte. Schmitz wiederum hielt es nicht lange in Landesbühne und Bischofsstädtchen und landete bald im Schleudergang eines genialen Regiechaotikers, direkt auf Castorfs Geisterbahn Ost! Dass dieser kultivierte Wessi aus Oberhausen und Hamburg mit der bunten Fliege, immer so fein ausstaffiert, mit dem Chefdekonstrukteur von der schnoddrigen Seite der Ossi-Welt zu Recht kommen konnte und kam, das freilich fügte meinem Vorurteilsapparat bedenkliche Risse zu. Aber es wurden fünf Jahre am Rosa-Luxemburg-Platz und diese Zeit könnte ich mir vorstellen, rüstet auf dem Weg in das Zentrum der Macht; die Deutsche Oper dann noch bei Götz Friedrich interimistischer Intendant nach dessen Tod und schon war André im Zentrum der Politik angekommen, als Hausmeier beim Regierenden Wowereit. Und nun Kulturstaatssekretär: und meine Damen und Herren, noch keine Ende abzusehen! Die Liste seiner Absagen ist lang, länger als die der Zusagen!

    Bei genauer Durchsicht des Kleingedruckten seiner steilen Lebensbahn von der Kunst zu den Sorgen der Macht, fallen Hinweise auf das Seelenheil unseres Preisträgers auf, die mir so wichtig erscheinen, dass wir darüber ein wenig sinnieren sollten! Davon doch später. Lassen Sie mich erst einmal einen Blick zurück im Zorn tun!

    Heinz Galinski wurde vor fast einhundert Jahren in Westpreußen geboren, am 28.11.1912 und eine lange Zeit ist nun in Deutschland nach dem braunen Naziterror vergangen, eine schwierige Zeit wurde dies, die Zeit der Annäherung zwischen Juden und Christen, das weiß ich genau. Als ich in Vorbereitung dieser Worte wieder von dem Bombenanschlag auf den von Deutschen so geplagten Heinz Galinski las, den dieser unverletzt überstand und dann von der grauenhaften Grabschändung auf dem jüdischen Friedhof in der Spreestraße, fielen mir abrupt die Kölner Ereignisse Ende der 50er Jahre wieder ein! Und erlauben Sie mir, und Du lieber André, kurz von diesen Ereignissen zu erzählen – sie haben viel mit Dir, mit uns zu tun. André war damals noch ein kleiner Junge.
    Geradewegs am Heiligen Abend 1959 schmierten zwei Parteigänger der nazistischen Deutschen Reichspartei (DRP) eines Herrn von Thadden auf die Kölner Synagoge in der Roonstraße, die gerade kurz zuvor im September wieder geweiht war, eindeutige Sprüche: Deutsche fordern Juden raus! Und Hakenkreuze gab es und mit blutroter Farbe besudelte Türen und Schilder, kurz darauf wurden Grabsteine jüdischer Kölner Mitbürger mit schwarzer Farbe überstrichen. Die Täter wurden nie dingfest gemacht, da waren die Nachkriegs-Kriminalisten irgendwie sehr speziell. Der Schock fuhr in uns Kölner höhere Schüler rasant wie mit hohem Fieber und eiseskalten Frost!

    Die Befreiung von den verbrecherischen Nazis war gerade mal 15 Jahre her, viele von uns hatten noch als Kinder das Kriegsende erlebt und die traurigen und wirren Zeiten danach! Und Kälte und Hunger. Und nun sollte das wiederkommen? Das elende antisemitische mörderische Geschwätz, diese dröhnende Arroganz selbsternannter Arier, dieser ganze deutschnationale Gestank sollte doch noch in der Erinnerung fest gebrannt sein, mit den unauslöschbaren Wissen der schauerlichen Folgen – so dachten wir Jüngeren. Unsere Gespräche mit dem Rabbiner Dr. Zvi Asaria lehrten uns freilich anderes:

    Denn der Schoss war fruchtbar noch, aus dem das kroch! mussten wir mit Brecht entsetzt lernen! Und ich bin mir nicht so sicher, wie das heute ist. Und so lernten wir schnell, dass uneingeschränkte Aufmerksamkeit eine erste und bedeutende Voraussetzung für demokratische Tugenden sein muss. Wir hatten doch etwas zu verteidigen! Die christlich-jüdische Gesellschaft in Köln wurde sehr aktiv und unser Geschichtslehrer Schilling versammelte eine Gruppe junger Leute, Juden und Christen. Und wir, die wir die Unfähigkeit der alten, oberdeutschen Generation zu trauern, nicht teilen wollten, begegneten bald unseren späteren jüdischen Freunden; zu Beginn mit großer Scheu, wir mussten unseren Umgang miteinander erst langsam üben. Das war kein leichter, aber ein sehr lehrreicher Weg aufeinander zu. Wir hatten von der schlimmen Vergangenheit böser deutscher Geschichte ja fast keine Ahnung, keine Unterrichtung, kein Erinnern, eine Historie des Schweigens. Allein der Film „Nacht und Nebel“ von Alain Resnais, den Paul Celan auf deutsch geschrieben und Hanns Eisler vertont hatte, schauten wir mit der Schule an, er vermittelte eine erste Kenntnis des unvorstellbaren Schreckens wieder, er hätte einer Anleitung bedurft, einer Eingliederung in die Geschichte, aber nichts dergleichen geschah! Wir bildeten uns selber, lasen und debattierten in unserer Gruppe. Und wurden aktiv. Nach Israel ging eine beschwerliche Reise, dieser bunt gemischten Gruppe junger deutscher Juden und Christen. Wir fuhren in ein junges, doch immer hoch gefährdetes Land, wir arbeiteten in Kibbutz Magal, die Zwiebelernte stand an, karge Monate. Aber auch erfüllte Monate, voller Freundschaften und voll Sinn, der nie mehr verloren ging, bis heute. Das ist so eine Geschichte junger Leute, lieber André, Du hättest damals dabei sein mögen, als wir die ersten Schritte zueinander machten. Und Du machst es auch, immer wieder und ganz unverzagt und seit langem. Schalom.

    Erlaube mir, noch ein wenig auszuholen, um auf den wahrscheinlich wichtigsten Punkt unseres feierlichen Verhältnisses zu den jüdischen Freunden hinzuweisen. Dafür müssen wir freilich einmal zur Bibel greifen und Altes wie Neues Testament aufblättern. Eine Brücke zwischen dem Alten und dem Neuen Testament, dieser unvergessliche Bund, ist nicht so leicht zu finden und dennoch gibt es sie, deutlicher als wir ahnen oder zumeist wissen. Im Leviticus, dem 3. Buch Mose im 19. Kapitel finden wir einen grundlegenden Vers. Hier berühren sich die entscheidenden Pole zwischen unseren beiden Religionen. Die Theologen unter uns kennen den, in diesem Vers 18 heißt es: „Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volkes. Du sollst deinen nächsten lieben wie dich selbst.“ Und im Neuen Testament – das kennen wir – heißt es bei Matthäus 5, Vers 43: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Du sollst deinen nächsten lieben und deinen Feind hassen.“ Ihr Feind steht zwar nicht im 3. Buch Mose und nirgendwo, doch Jesus erweitert dieses Gebot: „Ich aber sage euch: „Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen.“. Natürlich meint Jesus mit „Feind“ nicht sein eigenes Volk, die Juden. Paulus beschreibt das im Römerbrief, im 11. Kapitel sehr präzise.

    Das ist also eine Grundlektion, wie das eine mit dem anderen verbunden sein kann, wie sich im Alten wie im Neuen Testament Gedanken, Werte treffen. Als Papst Paul VI Israel besuchte, gab ihm David Ben-Gurion zum Abschied eine Münze mit auf den Weg, in der dieser Vers aus dem 3. Buch Mose eingeprägt war – das sei der Text, sagte Ben-Gurion, in dem beide Religionen ihren Grund fänden und ihre enge Berührung und als Papst Johannes Paul II nach seiner Wahl nicht wie seit 400 Jahren üblich den General der Jesuiten empfing, sondern bald die römische Synagoge besuchte, setzte er ein unwiderrufliches Zeichen: Er pries das Judentum als die „ältere Schwester“! Eine wundervolle Anrede! Da möchte man Lessing zitieren!

    Man kann nicht warten, bis etwas geschieht, man muss vorher handeln, mag sich der junge André gedacht haben, als er sich mit der deutschen Geschichte auseinandersetzte. Das hatte Folgen bis heute: in seinen Biographien steht eine Bemerkung, und es fällt auf, weil es wohl für solch einen Siebenmeilenstiefler wie Herrn Schmitz sehr ungewöhnlich ist: An irgendeiner Stelle weist die Quelle, also irgendein WIKI.DINGS den lakonischen Hinweis aus: praktizierender evangelisch-lutherischer Christ. Und woanders liest man, er sei Kirchenältester in St. Marien zu Berlin. So was beginnt ja, wie bei vielen von uns, im evangelischen CVJM, in Oberhausen. Nennen wir also das, was er tut, neben dem grundlegenden historischem Interesse an der deutschen Katastrophe, die die immergleiche Frage aufkommen lässt, wie auch bei uns damals nach dieser elenden Schmiererei an der Kölner Synagoge: Warum haben die das getan? Wir könnten also das, was André Schmitz umtreibt, dieses Zeit sprengende Engagement für Aufklärung und Versöhnung lutherisch: Christenpflicht nennen. Sicherlich hat er während seines Studiums im Rheinland und an der Hamburger Universität, als er sich in die Geschichte dieses Warums vertiefte, auch begriffen, dass diese Erkenntnis der engen Verwandschaft, die Johannes Paul II so fein beschrieb, eine grundlegende Gemeinsame für unsere abendländische Kultur ist; uralt; und durch dieselben Quellen ist dieser Bund begründet.

    Nun sollte ich zu Schmitzens Lob alle seine Aktivitäten aufzählen: Stiftung Topographie des Terrors, Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Stiftung Jüdisches Museum Berlin, Jüdischer Friedhof Weissensee, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Besucherprogramm für verfolgte und emigrierte Berliner Bürger, Inge-Deutschkron-Stiftung, Berliner Gedenktafeln für Stille Helden, Gedenkbuch für die Charlottenburger Juden, James-Simon-Stiftung, Kuratoriumsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Vorstandsvorsitzender der Mendelssohn-Gesellschaft, Jüdischer Kulturtag und Ehrendoktor ist er auch. Und sicherlich habe ich etwas unerwähnt gelassen.

    Das Liebesgebot bei Mose und Matthäus, das ja zugleich ein Solidaritätsgebot ist, bedeutet im übrigen nicht einen Missionsauftrag, der oft so schändlich und arrogant missverstanden wurde und wird! Als sei der Rest der Welt ein wild gewachsener Heiden-Hain, den man lediglich stutzen und einzäunen muss. Und das alles im Sinne eines christlich-jüdischen Erbes. Da liegt ein Missverständnis vor! Im apokryphen Thomas Evangelium, das in unseren Bibeln leider fehlt, geht der Liebesauftrag noch entscheidend weiter, er ruft zur Tat! Eben handeln und nicht zaudern oder ein bisschen empört schauen! Handeln tut ja auch der Politiker Schmitz, und nützt da seinen Stand klug aus! Im 25. Logion schreibt also der durchaus gläubige Thomas:
    Jesus sagt: „Liebe deinen Bruder wie dein Leben / - und weiter heißt es eben: / Behüte ihn wie deinen Augapfel.“. Das trifft ja auch für große Schwestern zu! Solche Liebe ist ja ein ganz wirkungsvoller Schutz und wertvoller Schatz. André hat mir von seinen Lieblingskirchenliedern erzählt, das sind zumindest zwei alte Dankeschoräle, wie sie evangelische Kirchengänger lieben, man kann aus dem Grunde seines Herzens und der Tiefe seiner Seele voll hinaus singen: den Choral über den großen Gott, den wir loben und dem wir danken wollen und das Loblied auf den Herren. Da heißt es in der 4. Strophe „Lobe den Herren / der deinen Stand sichtbar gesegnet, / Der aus dem Himmel / Mit Strömen der Liebe geregnet / Denke daran, / was der Mächtige kann, / Der dir mit Liebe begegnet!“. Der Umkehrschluss des 25. Logions aus dem Thomas Evangelium mag wohl kaum wahr sein, wenn die Liebe fehlte und der Schutz, dann könnten die guten Mächte, die uns – mit Bonhoeffer – so wunderbar geborgen halten, ganz gewiss wenig ausrichten! Es kommt auf uns an und auf den Augapfel, das hat André Schmitz sehr wohl begriffen, denn sonst bleibt da ja nix außer tönendem Erz und einer klingenden Schelle, wie Paulus im 1. Korintherbrief schreibt: Wir sehen durch einen Spiegel ein dunkles Bild. Und im Brief des Apostel Petrus, diesem ganz besonderen Boten, an die auserwählten Fremdlinge, schreibt er uns allen ins Stammbuch, aber bei Dir – André – steht es, wie wir sehen, schon drin, und darum hast Du diesen hohen Preis und ihn voller Ehren verdient: Im 3. Kapitel Vers 15 steht doch zu lesen: „Seid allezeit bereit / zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.“.

    Eine tiefe Verbeugung! Und Glückwunsch und Segen auf all Deinen Wegen, lieber André.

  • Jürgen Flimm im Interview

    Jürgen Flimm vor dem Schiller Theater, November 2009.

    Jürgen Flimm im Interview auf »Kulturradio am Morgen«.

    Hören Sie hier einen Mitschnitt des Interviews vom 30. Dezember 2010.